Poschner’s Hühnerbraterei klagt

„Wiesnzelte sind keine Erbhöfe“

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Poschner’s Hühner- und Entenbraterei

München - Zwischen der Stadt und dem Traditionsunternehmen Poschner’s Hühner- und Entenbraterei ist ein Streit entbrannt. Josef Schmid (CSU), Zweiter Bürgermeister und Wiesn-Chef, hat das Verfahren für die Vergabe der Wiesn-Lizenzen verteidigt:

„Transparenter geht’s doch gar nicht mehr“, sagte Schmid auf Anfrage des Münchner Merkur. Es sei ganz klar nachzuvollziehen, nach welchen Kriterien Bewerber ausgewählt würden. Und Wiesn-Stadtrat Georg Schlagbauer (CSU) stellt klar: „Das sind ja keine Erbhöfe auf der Wiesn.“

Wie am Freitag berichtet, will Poschner’s Hühner- und Entenbraterei gegen die verwehrte Teilnahme ihres kleinen Zelts auf dem Oktoberfest klagen. Erstmals seit 80 Jahren war der Familienbetrieb für die kommende Wiesn nicht mehr zugelassen worden. Stattdessen hatte im April ein anderer Bewerber den Zuschlag bekommen: Josef Able, der ältere Bruder von Marstall-Wirt Siegfried Able, der seit 2010 einen Spanferkelstand auf der Wiesn betreibt.

Nach Aussage von Wiesn-Stadtrat Georg Schlagbauer hatte sich Able auch schon früher beworben und sei „bei der Bewertung immer vorne mit dabei gewesen“. Diesmal habe es eben für den Zuschlag gereicht. Nach 13 Kriterien würden die Bewerber beurteilt – darunter etwa Volksfesterfahrung, Ortsansässigkeit, Ausstattung oder technischer Standard. Der Beschluss zugunsten von Able sei einstimmig gewesen, sagt Schlagbauer und stellt klar: „Wir wechseln damit auch nicht von einem Traditionszelt zu einem Champagner-Party-Zelt.“ Auch Able will eine Hühner- und Entenbraterei betreiben.

In einem Schreiben des Anwalts des Familienunternehmens von Poschner’s Hühnerbraterei, Florian Besold, heißt es: Die Stadt habe auf der Wiesn bisher immer Familienfreundlichkeit und Tradition propagiert und sich öffentlich gegen so genannte Champagnerzelte ausgesprochen. Jetzt verfolge sie offenbar andere Interessen. Die getroffene Entscheidung „zugunsten eines neuen Unternehmens, das erkennbar nach anderen Event-orientierten Grundsätzen das Geschäft betreiben will“, sei nicht nachvollziebar.

Details zur Entscheidung, warum Able die Nase vorn hatte, nennt Georg Schlagbauer nicht. Er sagt: „Man muss einfach sehen, dass man immer auf der Höhe der Zeit bleibt.“ Dem Schreiben von Rechtsanwalt Besold zufolge habe das Unternehmen Poschner sich aber die ganzen vergangenen Jahre über an allen neuesten ökologischen und technischen Standards orientiert. Die Ausstattung habe jeweils volle Zustimmung der entscheidenden Behörde gefunden. Das werfe „eine Reihe von grundsätzlichen Fragen zu dem Bewertungssystem und vor allem dessen Auslegung seitens der Behörden“ auf.

Ob die Klage gegen die Stadt Erfolg hat, ist ungewiss. Josef Schmid will über einen Ausgang nicht spekulieren. Und Wiesnstadtrat Schlagbauer meint nur: „Klagen haben wir die ganze Zeit.“ Am 14. Juli wird sich nochmals der Stadtrat mit der Causa Poschner befassen. Grund dafür ist eine Petition: Viele Stammkunden von Poschner’s Hühnerbraterei hatten erbost an die Stadt geschrieben und sich über ihre Entscheidung beschwert. Laut Schmidt geht das als Petition durch – weshalb die Frage der Zulassungen im Stadtrat nochmal behandelt werde.

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