Die Poller im Praxistest - Besucher funktionieren sie um

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Und hopp! Die Kumpels Philipp, Maxi und Patrick (v. li.) aus München nutzen die Poller am Haupteingang für Bocksprünge

München - 211 neue Sicherheitspoller stehen rund um die Festwiese - und werden von manchem Besucher umfunktioniert, die sie dankbar für eine Ruhepause nutzen.

Betrunkene freuen sich über die neuen Kopfstützen, Kinder spielen hinter ihnen Verstecken, müde Besucher setzen sich einfach drauf – die Münchner haben die 211 neuen Sicherheitspoller rund um die Festwiese am ersten Wochenende dankend angenommen. Im Praxistest allerdings zeigt das Pollersystem noch große Schwächen.

Knapp vier Millionen Euro hat die Stadt hingeblättert, um mit den Stahlpfosten die Wiesn sicherer zu machen. Sie sollen zum Beispiel mit Sprengstoff beladene Lastwagen daran hindern, auf die Wiesn zu rasen. Das Problem: Wie soll das mit den 78 dynamischen Pollern funktionieren, die wie am Samstag am Haupteingang im Normalfall stundenlang runtergefahren sind? 16 Sekunden dauere es, bis ein Poller ganz ausgefahren ist, erklärt eine Sicherheitsbeamtin. Vorher muss sie aber erst mit einem Schlüssel zu einem Pfosten gehen, um den Vorgang in Bewegung zu setzen. Falls ein Beamter also ein verdächtiges Fahrzeug erblickt, dauert es locker eine halbe Minute, bis die Poller oben sind. So lange wird ein Todesraser wohl nicht warten! „Ich weiß auch nicht, ob das klappen würde“, sagt die Security-Frau.

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Das zweite Problem: Die dynamischen Poller können für Fußgänger und Radler eine echte Stolperfalle sein. Am stark frequentierten Eingang an der Matthias-Pschorr-Straße mussten die Sicherheitskräfte am Wochenende alle paar Minuten die Pfosten hinunterfahren, vor allem um Rettungswagen hinauszulasssen. Wenn die Beamten die Poller allerdings wieder hinauffahren ließen, gab es keinerlei Vorwarnung. Obwohl Wolfgang Wenger von der Münchner Polizei sagt: „Das Ordnungspersonal ist angewiesen, die Besucher mündlich

zu warnen.“ Tun sie aber nicht immer – und wenn, dann hört es im lauten Trubel kaum einer.

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Die Folge: Etliche Fußgänger traten genau in dem Augenblick auf die Poller, als sich diese in Bewegung setzten. Eine Frau mit Kinderwagen, die gerade noch ihren Kinderwagen wegreißen konnte, schnauzte die Securitys an: „Das ist ja lebensgefährlich! Spinnt ihr? Dann baut wenigstens einen Alarm ein …“

Da läuft noch nicht alles rund bei der ersten Poller-Wiesn!

nba/cs/jam

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