Auch Bedienungen beteiligt?

Polizei schnappt Reservierungs-Betrüger

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Deckte die Machenschaften im Hippodrom auf: Geschäftsführerin Eva Kößler fiel auf, dass ein Mann Gäste ohne echte Reservierung ins Zelt schleuste und ihnen dort Plätze verschaffte.

München - Die Polizei hat einen Verdächtigen festgenommen, der im Internet falsche Wiesn-Reservierungen verkauft haben soll. Drei Bedienungen könnten ebenfalls beteiligt gewesen sein.

Einen Tisch auf der Wiesn ergattern: schwierig. Einen Tisch an einem Freitagabend reservieren: noch schwieriger. Einen Tisch reservieren, der im reservierungsfreien Bereich liegt: unmöglich. Weil vor allem Touristen das System aber häufig nicht durchschauen, versuchen Betrüger immer wieder, mit falschen Reservierungen ein Geschäft zu machen. Die Polizei hat nun einen Verdächtigen festgenommen, der Gäste ins Hippodrom geschleust und dafür abkassiert haben soll. Gegen ihn wird wegen des Verdachts auf Betrug ermittelt, das bestätigte Polizeisprecher Wolfgang Wenger unserer Zeitung auf Anfrage.

Die Tische sollen nach Informationen unserer Zeitung freigehalten worden sein. Noch ist laut Polizei unklar, wie die Masche genau funktioniert hat. Fest steht: Die Beamten haben auch drei Bedienungen befragt, die in dem Bereich arbeiten. „Ob die etwas damit zu tun haben, ist noch nicht klar“, sagte Wenger.

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Aufgefallen ist der Betrüger den Mitarbeitern des Zeltes selbst. Geschäftsführerin Eva Kößler hatte festgestellt, dass immer wieder Gäste kamen, die dachten, sie hätten eine Reservierung, doch in den Aufzeichnungen des Hippodroms fand sich nichts. „Die hatten teilweise irrsinnige Rechnungen dabei und hatten bis zu 300 Euro pro Person gezahlt“, erzählt sie. Ein Tisch für zehn Personen kostete damit 3000 Euro. „Auffällig war, dass sich diese Gäste immer bei einem bestimmten Verbindungsmann melden sollten“, erzählt Kößler. Am Freitag gegen 16 Uhr warteten dann 20 Leute hinter dem Zelt. „Ich hab mich natürlich gefragt, wieso stehen die hinten bei der Müllpresse, wenn wir gar keinen Reservierungswechsel haben.“ Dann tauchte plötzlich wieder der Mann Anfang 30 in Tracht auf, den Kößler schon öfter im Bereich des Reservierungseingangs beobachtet hatte. Es stellte sich heraus, dass es sich um den Verbindungsmann handelte, den die Gäste mit den gefälschten Reservierungen aus dem Internet kontaktieren sollten, um ins Zelt zu kommen. Die Hippodrom-Mitarbeiter riefen die Polizei, die nahm den Mann vorläufig fest. Die Gäste aus Norddeutschland, die auch noch Besuch aus London dabei hatten, mussten feststellen, dass sie keine gültige Reservierung hatten.

Die Polizei will über den Verdächtigen kaum etwas sagen, bis die Ergebnisse ihrer Ermittlungen konkreter sind. „Es ist eine männliche Person Anfang 30, die mit dem Zelt nichts zu tun hat“, sagte Wenger. „Wir müssen nun erstmal prüfen, wer einen Schaden davon getragen hat und inwieweit das, was da passiert ist, überhaupt strafbar ist.“ Außerdem werde geprüft, ob es noch mehr Verdächtige gibt und ob möglicherweise noch andere Wiesnzelte betroffen sind. Zu klären ist etwa die Frage, wie der Mann die Gäste ins Zelt gebracht hat. „Gegen das Sicherheitspersonal liegt derzeit kein Verdacht vor“, sagte Wenger.

Hippodrom-Wirt Sepp Krätz zeigt sich unterdessen zufrieden mit seinem Team. „Ich unterstütze die Ermittlungen natürlich“, betonte Krätz auf Anfrage unserer Zeitung. „Ich bin sehr stolz, dass meine Mitarbeiter das aufgedeckt haben.“ Krätz vermutet, dass es sich nicht um einen Einzelfall handelt. „Vermutlich ist das auf der ganzen Wiesn sehr verbreitet.“ Nicht nur die Polizei will möglichen weiteren Tätern schnell auf die Spur kommen: Wirtesprecher Toni Roiderer hat bereits alle seine Kollegen per Email vor der Masche gewarnt.

Von Philipp Vetter und Ann-Kathrin Gerke

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