Auf der Wiesn macht der Gähn-Wahlkampf mal Pause

Politiker-Geständnisse beim Anzapfen

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Allerbeste Stimmung am Ehrentisch (v. l.): Karin Seehofer, Regierungschef Horst Seehofer, OB Christian Ude und seine Gattin Edith von Welser-Ude

Die längsten und trockensten Minuten auf der Wiesn sind die, bevor OB Christian Udes erlösender Ruf „O’zapft is!“ ertönt.

Noch während unten der Jubel aus den tausenden dürstenden Kehlen erschallt, blicken auch die Ehrengäste in der Ratsboxe im Schottenhamel-Zelt sehnsüchtig den Bedienungen entgegen, die bis zu 14 Massen auf einmal an die Tische schleppen. Jeder will der Erste sein, dem ein gescheit gefüllter Krug hingestellt wird. Als endlich alle, von Kultusminister Ludwig Spaenle bis zu Wirtlegende Willy Heide, von Alt-OB Georg Kronawitter bis zum Schauspieler Axel Milberg versorgt sind, stellte die tz die nicht ganz eindeutige Frage:

Wem hätten Sie gern mal so richtig eine eingeschenkt?

Dem Ministerpräsidenten vielleicht? Das wollen wir vom OB wissen. „Hab’ ich doch grad gemacht, und zwar wirklich richtig!“, grinst Ude. Im Sinne der bayerischen Redensart gibt es aber durchaus Leute, denen er mal gern deutlich seine Meinung sagen würde: „All denen, die wider besseres Wissen schwere Steuergeschenke versprechen.“ Ob der CSU-Chef sich dazu zählt, mag er selber entscheiden. Der wiederum würde gern Kanzlerin Angela Merkel eine Mass kredenzen, „um ihr ein Stück bayerische Lebensart bei­zubringen.“ Und noch einer aus der Bundesregierung steht auf der Ratsboxen Einschenk-Liste: Karl-Theodor zu Guttenberg.

Grünen-Chefin Claudia Roth, angetan mit parteifarbenem Dirndl und Glitzerballerinas, hat das Verlangen, dem „Tarnkappen-Wirtschaftsminister auf sehr zivilisierte Art und Weise“ eine einzuschenken.

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FDP-Wirtschaftsminister Martin Zeil wird trotz der ständigen Sticheleien des Koalitionspartners nicht von Rachegedanken geplagt. Mitten im Getümmel macht er dem Ministerpräsidenten freundlich seine Aufwartung. Quer über den Ehrentisch streckt er Seehofer seine Hand entgegen, vorbei an US-Botschafter Philip D. Murphy und der Landeshauptfrau aus Salzburg, Gabi Burgstaller. Ist es diese Geste, die Seehofer zur Bemerkung bewegt, so seien ihm die Liberalen lieber als in der Kabinettsitzung?

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An Wiesnerfahrung ist Zeil dem Regierungschef voraus: Als Student hat er als Riesenrad-Kassier gejobbt. Schade, dass Zeils Bundesparteichef Guido Westerwelle nicht da ist, dem hätte Ex-Bürgermeisterin Gertraud Burkert (SPD) ein paar Mass hingestellt: „Vielleicht wäre der Mann danach besser zu ertragen.“

Alt-OB Hans-Jochen Vogel verbreitet auf die tz-Frage zunächst Altersmilde. Dann fällt ihm „Franz Josef“ ein: „Der hat unterstellt, die Münchner innerparteilichen Konflikte bei der SPD seien nur Theater und ich wolle der Linken helfen.“ Das wurmt ihn noch heute: „Ihm hätte ich gern eine eing’schenkt.“ Frei von solchen Gelüsten ist der frühere CSU-Hardliner im KVR, Hans-Peter Uhl (MdB): „Sogar mit Christian Ude bin ich im Reinen.“

Barbara Wimmer

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