Pfarrer Schießler sagt: Servus, Wiesn!

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Zum Abschied lassen die Kollegen Pfarrer Schießler hochleben

München - Am Sonntag verkündete Pfarrer Rainer Maria Schießler (52, St. Maximilian und Hl. Geist) im Schotten­hamelzelt nach sieben Jahren: "Das war meine letzte Wiesn als Bedienung." Gegenüber der tz zieht er Bilanz.

Herr Pfarrer, wie haben die Kollegen reagiert?

Rainer Maria Schießler: Es gab Applaus von 220 Kollegen. Der Wirt hat sich bedankt, und dann ist der Saxofonist auf die Bühne geklettert und hat Wia die Zeit vergeht von Hubert von Goisern gespielt – da hatte ich eine Gänsehaut.

Wieso hören Sie überhaupt auf?

Schießler: Ich habe erst im Laufe der Wiesn gespürt, dass das mein letztes Mal ist. Ich gehe nicht mit Wehmut. Ich fühle mich wie ein Künstler, der ein Projekt beendet hat.

Und was war Ihr Projekt?

Schießler: Ich habe hier angefangen, weil mich immer das Verhältnis zwischen Kirche und Arbeiterschaft interessiert hat. Ich dachte: Wenn der Kirche die Leute davonlaufen, dann komme ich zu ihnen und laufe ihnen hinterher, mit Masskrügen in der Hand.

Sie haben Ihre Einnahmen in all den Jahren gespendet …

Schießler: Ja, an ein Aids-Projekt an der Elfenbeinküste. Ich will nicht sagen, wieviel dabei zusammengekommen ist. Aber es war ohnehin viel mehr als der Lohn und das Trinkgeld, da mir Leute immer wieder Geld zugesteckt haben. Ich konnte den Kindern in Afrika ein Gesicht und eine Stimme geben. Die Publicity durch meine Zeit auf der Wiesn ist in Geld nicht zu messen.

Aber die Kinder brauchen Ihre Hilfe doch weiterhin …

Schießler: Vielleicht mache ich nächstes Jahr ein neues Projekt.

Was hat sich aus Ihrer Sicht auf der Wiesn verändert?

Schießler: Am Wochenende ist es mit der gemütlichen Biergartenkultur vorbei. Da trinken Jugendliche mittags ihre Mass auf Ex. Solche Gäste zehren an den Nerven, das ist anstrengender als Krüge zu schleppen.

Und was nehmen Sie persönlich aus dieser Zeit mit?

Schießler: Etwas, das ich in der Gemeinde nie hätte lernen können: Dort bin ich der Hochwürden, eine Art Übermensch. Hier wird klar, dass kein Mensch das Recht hat, sich über andere zu stellen, dass man immer auf Augenhöhe bleiben muss.

Nina Bautz

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