U-Bahn-Streik zur Wiesn: Engpässe am Samstag

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Volle Bahnsteige, zu wenige Züge: Am zweiten Wiesn-Samstag kam es teilweise zu chaotischen Szenen

München - Der Streik der Lokführer im öffentlichen Nahverkehr ist am Samstag fortgesetzt worden. Für hunderte Besucher wurde der Weg zur Wiesn zur Geduldsprobe.

Bei U-Bahnen und Bussen kam es zu Verzögerzungen, die Straßenbahn-Verstärkerlinien 16 und 21 fielen aus, für die Linie 12 gab es einen Schienenersatzverkehr (siehe Kasten). Alles in allem zeigte sich die MVG mit dem heutigen Betriebsauftakt aber zufrieden: "Im Frühverkehr konnten trotz Streik fast alle vorgesehenen Fahrzeuge ausrücken", teilte Sprecher Christian Miehling am Morgen mit. Der Betrieb laufe ordnungsgemäß. Wegen der Wiesn und des Bundesliga-Spiels des FC Bayern München gegen den FSV Mainz 05 kam es allerdings zu Engpässen und vollen Zügen.

Zugänge zur U-Bahn zeitweise gesperrt

Weil die U-Bahn-Strecken nur mit Verzögerung bedient wurden, kam es an einigen Stationen entlang der Strecke zur Wiesn bereits am Morgen zu Menschenaufläufen von mehreren hundert Besuchern. Am Hauptbahnhof sperrte die U-Bahn-Wache der MVG in Absprache mit der Polizei zeitweise die Zugänge zum Bahnsteig der Linien U4/U5 und ließ die Fahrgäste nur kontrolliert in Gruppen auf den Bahnsteig.

Die aktuelle Lage:

U-Bahn: Alle Linien werden bedient, zumeist im 10-Minuten-Takt; U1 alle 20 Minuten. Die U-Bahnzüge zur Wiesn sind überwiegend voll besetzt; der U-Bahnhof Hauptbahnhof (U4/U5) ist wegen starkem Andrang zeitweise überlastet; Zufluss wird bei Bedarf durch MVG, U-Bahnwache und Polizei gesteuert

Tram: Lediglich die Verstärkerlinien 16 und 21 werden nicht bedient; auf der Linie 12 hat die MVG einen Schienenersatzverkehr (SEV) zwischen Romanplatz und Rotkreuzplatz sowie zwischen Scheidplatz und Kurfürstenplatz eingerichtet. Zwischen Kurfürstenplatz und Rotkreuzplatz können Fahrgäste den MetroBus 53 nutzen. Alle anderen Linien verkehren wie üblich, vereinzelt mit Ausfällen und Verspätungen

Bus: Alle Linien werden bedient, vereinzelt kommt es zu Ausfällen oder Verspätungen

Der Streik hatte am Freitag mit der Frühschicht begonnen. Mit dem unangekündigten Ausstand hat erstmals eine Gewerkschaft ein Tabu gebrochen: Streik zur Wiesn-Zeit - und dann auch noch zum 200. Jubiläum des Oktoberfests! Da hagelt es Kritik – nicht nur von den Arbeitgebern und den Wiesn-Wirten, sogar von anderen Gewerkschaften! Verantwortlich für den Arbeitskampf zeichnet die dbb Tarifunion, einer Gliederung des Beamtenbundes, der wiederum die GdL angehört. Sie gibt den Arbeitgebern die Schuld. „Es lag in ihrer Hand, einen Streik während des Oktoberfestes in München abzuwenden. Aber sie haben diese Möglichkeit nicht genutzt“, so der zweite Vorsitzende und Verhandlungsführer Willi Russ. “Wir haben unser Streikziel erreicht“, sagte er. Am Samstag würden “über 55 Prozent aller Dienstschichten bestreikt“ und es werde noch so lange weiter gestreikt, bis der Arbeitgeber Zugeständnisse mache. Die Tarifunion stelle sich auf eine längere Auseinandersetzung ein. Da platzt MVG-Chef Herbert König der Kragen: „Kein Streik zur Wiesn – das war bisher immer Usus. Die GdL bricht nun mit diesem ungeschriebenen Gesetz: Eine der kleinsten Gewerkschaften bestreikt das größte Volksfest der Welt.“ Tausende Münchner und Gäste aus aller Welt würden so zum Spielball einer Gewerkschaftspolitik.

Verdi und Wiesn-Bosse empört über GdL-Streik

Auch die Kollegen von der größeren Gewerkschaft Verdi kritisieren den Streik scharf. „Hier wird von Seiten der GdL die Verhältnismäßigkeit der Mittel wirklich heftig überschritten“, sagte der Verdi-Verhandlungsführer Frank Riegler der tz. „Die GdL muss sich auch fragen, ob sie damit nicht rechtlich erhebliche Probleme kriegen kann!“ Kein Wunder: Verdi hat bereits 3,5 Prozent mehr Gehalt und einmalig 240 Euro für die Beschäftigten im Nahverkehr erkämpft.

Die GdL fordert jedoch zusätzlich eine bessere Anrechnung der Arbeitszeiten. Konkret geht es um die „Wegezeiten“: Die entstehen, wenn die erste Schicht eines U-Bahnfahrers etwa an einer Endstation endet und er mit seinem Kollegen zur zweiten Schicht an eine andere Station fahren muss. Für Verdi unverständlich: „Das ist Dilettantismus hoch zehn. Dafür kann man nicht während der Wiesn einen Streik anzetteln!“

Fotostrecke: Die Wiesn-Promis vom Freitag

Die Wiesn-Promis vom Freitag

Wirte-Sprecher Toni Roiderer ist ebenfalls entsetzt: „Eine miese Nummer. Es gehört sich nicht, unser Volksfest so kaputtzumachen, um seine Ziele zu erreichen.“ Noch deutlicher wird Fest-Chefin Gabriele Weishäupl: „Eine ausgesprochene Sauerei! Ich hätte gedacht, dass die Gewerkschaft dem Fest gegenüber mehr Solidarität zeigt.“

Streik noch bis Montag?

Wie hart hat der Streik die Stadt getroffen? Darüber gehen die Darstellungen auseinander: Laut MVG seien alle Linien der U-Bahn bedient worden, nur vereinzelt seien Züge ausgefallen oder verspätet gewesen – 85 Prozent Leistung. Der Münchner GDL-Chef und U-Bahnfahrer Ricardo Uhlmann sagte der tz dagegen: „Die Hälfte aller U-Bahnen fährt nicht.“ Bis Freitagmittag sei nämlich nicht alle fünf, sondern etwa nur alle zehn Minuten ein Zug gekommen. Bei der Tram fielen die so genannten Verstärkerlinien 16 und 21 komplett aus.

Wie lange soll der Ausstand noch dauern? Das ließ die GDL offen! Eine Sprecherin sagte, der Streik werde erst beendet, wenn die Arbeitgeber wieder Tarifgespräche aufnähmen. In der Stadt könnte es sogar am Montagvormittag noch zu Streiks kommen.

DAC/ISP

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