Nach Schmids Umsatz-Schätzungen

Wiesnwirte rechnen vor: So viel nehmen wir wirklich ein

Die Wiesn-Wirte schäumen wegen Josef Schmids Zahlenspielereien zur Umsatzpacht. In der tz rechnen sie vor, wie viel sie wirklich einnehmen.

München - Es ist seit Jahren das große Geheimnis des Oktoberfests: Wie viel verdienen die Wiesnwirte wirklich? Netto, versteht sich. Laut Stadt setzen sie insgesamt knapp 170 Millionen pro Wiesn um. Eine Menge Holz – bei der Wirte-Sprecher Toni Roiderer aber nur ungläubig den Kopf schütteln kann. „Diese Zahlen sind Schmarrn. 130 Millionen kommt der Sache schon näher“, sagte er am Donnerstag der tz.

Der Streit um die Wiesn-Rechnung: Was die Wirte besonders ärgert, ist die Tatsache, dass die Stadt bei ihren Berechnungen von „immer besetzten“ Plätzen ausgeht. „Meine 9300 Plätze sind aber nicht immer besetzt – besonders nicht, wenn das Wetter schlecht ist“, schimpft Roiderer. Der Garten falle also oft weg. Auch die durchschnittlichen Ausgaben pro Gast (42 Euro) seien von der Stadt zu hoch angesetzt, erklärt ein anderer Wiesnwirt. Abgesehen davon gingen vom Umsatz bei allen Wirten noch einmal große Posten weg, der Gewinn sei also deutlich geringer. Alleine die Musik in den großen Zelten koste zwischen 130.000 bis 150.000 Euro, den Auf- und Abbau beziffern die großen Wiesnwirte mit gut 1,5 Millionen Euro. Wichtig: Viele Gastronomen sind keine Selbstaufsteller, sondern die Brauerei kümmert sich um das Zelt, die Einlagerung, aber auch um die Standgebühr für die Stadt. Hier müssen die Wirte dann teils bis zu 2,5 Millionen Euro als „Paketpreis“ an die Brauerei überweisen. Die verdient also kräftig mit.

Für den Reinigungsdienst gehen 60.000 Euro drauf

Und Kleinvieh macht bekanntlich auch Mist: Für den Reinigungsdienst gingen weitere 60.000 Euro drauf, erklären die großen Wirte. Personal müsse zusätzlich noch bezahlt und Ware eingekauft werden – allein die Bedienungen bekommen in so manchem Zelt zehn Prozent des Umsatzes. Zudem würden die Kosten für Personal und Lebensmittel von Jahr zu Jahr steigen. Was letztendlich vom Umsatz an Gewinn bleibt, beziffern die Wirte je nach Größe und Angebot des Zeltes auf zehn bis 15 Prozent des Umsatzes (siehe große Rechnung unten).

Toni Roiderer mit Sohn Thomas.

Von der Größe des Zelts darf man sich übrigens nicht täuschen lassen: Wer zum Beispiel Champagner oder Schnaps anbieten darf, kann teils fast so viel umsetzen wie die großen Bierpaläste mit rund 9000 Plätzen. Und: Geht man mal von 15 Prozent vom Umsatz als Gewinn aus (bei einer guten Wiesn), wären das nach Berechnung der Stadt, bei der Bräurosl also beispielsweise 1.912.500 Euro. Zu viel, wie die Wirte meinen. Generell gilt: Wie unsere Durchschnittsrechnung zeigt, darf ein Wiesnwirt, der eines der großen Zelte besitzt, eher mit einem Gewinn von 1,5 Millionen rechnen. Zur Erinnerung: Ex-Wiesnwirt Sepp Krätz musste bei seinem Steuerverfahren offenlegen, wie viel er bei der Wiesn verdiente. Es waren 3,3 Milionen Euro. Vor Steuern! Berücksichtigt man den Spitzensteuersatz von 45 Prozent – dann passt das.

Die Wiesn-Plakate seit 1952

Die große Rechnung:

Wie viel setzt ein Wiesnwirt um? Wie hoch sind seine Ausgaben? Wie viel nimmt er ein? Unsere Rechnung zeigt das Beispiel eines großen Zeltes (mit über 8000 Plätzen) bei einer „normal-guten Wiesn“ ­(ohne zu viele Regentage oder Terrorangst). Gastronomen rechnen, dass rund 35 bis 40 Prozent des Umsatzes für Personalkosten eingerechnet werden müssen, bei den Ausgaben für die Waren (Getränke und Speisen) sind es rund 25 Prozent. Was oft vergessen wird: Kosten für die Wiesn fallen schon während des Jahres an – etwa weil Personal für die Reservierungsbüros eingestellt und bezahlt werden muss. Natürlich gilt: Ist das Zelt kleiner, ist auch der Gewinn kleiner. Die 1,5 Millionen Euro gelten also nicht für jeden Wiesn-Wirt.

Alle Ausgaben

Personalkosten inklusive Security

4,5 Mio.

Auf- und Abbau Zelt

1,5 Mio.

Warenkosten (Bier, Hendl etc. ...)

3,0 Mio.

sonstige Kosten (Strom und Gas, tägliche Zelt-Reinigung etc. ...)

1,5 Mio.

Gesamtausgaben

= 10,5 Mio 

Gesamteinnahmen

= 12 Mio

Gewinn

= 1,5 Mio.

Stimmt es eigentlich, dass Bier, Brezn, Streifenkarte und Co. in München immer teurer werden? Die tz hat den Check gemacht.

Rubriklistenbild: © Michael Westermann

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