Ende der Preissteigerung nicht in Sicht

Immer teurer? Die Wahrheit über Bier, Brezn, Streifenkarte und Co.

+
Wie haben sich die Preise in den letzten 15 Jahren entwickelt? Hier die Übersicht - zur Komplettansicht.

Bier, Miete, MVV: Das Leben. Doch wie sieht es wirklich mit der Preisentwicklung aus? Und was sagen die Münchner dazu? Hier gibt‘s den großen Preisvergleich.

Update vom 17. Juli 2017: Es ist immer eine der wichtigsten Fragen zur Wiesn: Was kostet die Mass Bier heuer? Wir bieten einen kompletten Überblick über die Bierpreise in den Festzelten auf dem Oktoberfest 2017.

München - Früher war zwar nicht alles besser, aber billiger! Vor allem bei uns in München. Wer hier herzieht, merkt schnell: Die Weltstadt mit Herz kann ganz schön gnadenlos sein.

Ein beliebtes Beispiel: der Bierpreis auf der Wiesn. Jedes Jahr sorgt der Anstieg für Ärger bei den Münchnern: Das Maß für den Mass­preis ist längst voll! Seit Wochen führt das Thema Bierpreisbremse nun sogar für politischen Zwist in der Rathauskoalition. Wie berichtet, will Wiesn-Chef und Bürgermeister Josef Schmid (CSU) den Preis für drei Jahre bei 10,70 Euro deckeln - und damit durchsetzen, dass die Wirte die Mehrkosten für die Sicherheit nicht an die Gäste weiterreichen.

Bier-Preis auf der Wiesn stieg von 2002 bis heute um vier Euro

Wie der große tz-Preisvergleich zeigt, kostet das tägliche Leben in München heute im Schnitt doppelt so viel wie noch vor 15 Jahren. Besonders auffällig: die Wiesn-Bierpreise seit 2002. Glatte vier Euro kostet die Mass inzwischen mehr. Signifikante Preisanstiege lassen sich aber auch fernab der Wiesn feststellen – zum Beispiel in den Bereichen Energie, Verkehr und Miete. So hat sich der Preis der Streifenkarte während der letzten 15 Jahre um rund 50 Prozent, der Dieselkraftstoff um 34 Prozent verteuert.

Dagegen hat sich der Durchschnittsverdienst in Bayern in den vergangenen zehn Jahren dem Bayerischen Landesamt für Statistik zufolge nur um 26,6 Prozent erhöht, die Kaufkraft um 12,6 Prozent. Dieses Ungleichgewicht wird noch dramatischer, wenn man dem Münchner Instituts für Wirtschaftsforschung (ifo) glauben darf: Denn ein Ende der Preissteigerungen ist zunächst nicht in Sicht! „Eine Inflationsrate wie in den 70er-Jahren steht uns aber nicht bevor“, sagt Klaus Bohlrabe vom ifo.

münchen.tv-Video: Bierpreisbremse verärgert Wiesn-Wirte

„Die immer weiter steigenden Preise sind eines der großen Probleme Münchens“, sagt Bürgermeister Schmid zur tz. Die Stadtpolitik müsse alles dafür tun, dass sich der ganz normale Münchner seine Heimat weiter leisten kann. „Beim Bierpreis auf der Wiesn versuche ich gerade, ein deutliches Zeichen gegen diese fatale Preisspirale zu setzen. Eine Bierpreisbremse wäre ein starkes Symbol im Kampf gegen den Automatismus bei den Preissteigerungen.“

Wie die Münchner selbst die Preissteigerungen bei Bier & Co. beurteilen, lesen Sie in unserer großen Umfrage:

MVV zu teuer

Als Studentin bin ich auf die öffentlichen Verkehrsmittel angewiesen. Für das Münchner Semesterticket darf ich jedes halbe Jahr 300 Euro hinblättern. Das ist ein stolzer Preis! Ich bin zwar froh, dass es dieses Ticket gibt – denn ohne wäre die tägliche Fahrt zur Uni fast gar nicht bezahlbar. Aber in anderen Städten dürfen die Studenten sogar kostenlos U-Bahn fahren. 

Sarah Kaspar (22), Studentin aus München

Der Euro ist schuld

Früher hat die Brezn zehn Pfennig gekostet – heute zum Teil 85 Cent. Natürlich wird alles teurer, aber irgendwo hört’s doch auf! Ich glaube, dass der Euro schuld ist. Ich kann mich erinnern, dass ich mir genau während der Umstellung Schuhe kaufen wollte – für 39 Mark. Ich hatte nicht genügend Geld dabei. Als ich am nächsten Tag wieder kam, haben die Schuhe fast doppelt so viel gekostet. 

Walter Reinhardt (61), Rentner aus München

Bier: Wir würden noch mehr zahlen!

Früher haben wir gesagt: Sollte die Mass irgendwann zehn Mark kosten, gehen wir nicht mehr auf die Wiesn. Mittlerweile kostet sie über zehn Euro – und wir gehen immer noch hin. Ich glaube, wir würden sogar zwölf Euro bezahlen. Im Prinzip ist es wurscht, ob die Wirte ihre steigende Pacht aufs Essen oder aufs Bier draufschlagen. Und in der Stadt kriegt man fast auch keine Halbe mehr unter vier Euro.

Emmeran Lang (67), Rentner aus München, mit Freunden


Gastro zu teuer

München ist ein ganz besonders teures Pflaster. Vor allem in der Gastronomie. Das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt nicht immer. Ich habe das Gefühl, dass hier alles einen Euro teurer ist. Und die Kraftstoffpreise schwanken wie das Aprilwetter. Mein Einkommen reicht zum Auskommen. Trotzdem ist irgendwann das Ende der Fahnenstange erreicht.

Beatrix von Fassong (67), Rentnerin aus München

Brauerei gibt‘s vor

Dass auch das Bier immer teurer wird, merke ich jedes Mal beim Weggehen. Allerdings würde ich den Pächtern keinen Vorwurf machen, die müssen ihre Preise den Brauereien angleichen. Wenn das mit den Mietpreisen so weiter geht, kann sich bald niemand mehr ein Zimmer leisten. 

Tom Klahn (35), Rikschafahrer aus München

Wiesn-Plan: Entscheidung offen

Wie geht es weiter im Streit um die von Josef Schmid (CSU) beabsichtigte Wiesn-Reform? Am Freitag informierte der Wiesn-Chef bei einem Treffen Vertreter aller Stadtratsfraktionen über seine Pläne. Mitte dieser Woche will Schmid mit den Wirten sprechen, die die geplante Bierpreisbremse kritisieren.

Bei dem Treffen am Freitag schlüsselte Schmid die im Vorjahr auf mehr als fünf Millionen Euro gestiegenen Kosten für die Sicherheit auf. Die Gründe: mehr Ordner, Taschenkontrollen am Eingang, der neue Wiesn-Zaun. Insgesamt verdoppelte sich der Aufwand für die Wiesn von fünf auf zehn Millionen Euro. Geld, das Schmid mit einer Umsatzpacht für die Wirte refinanzieren will. Außerdem soll der Bierpreis bis 2019 auf 10,70 Euro gedeckelt werden – damit die Wirte die Mehrkosten nicht an die Gäste weiterreichen.

Ob das Konzept so funktioniert, bezweifeln Kritiker. Die Wirte, so heißt es, könnten ja auch die Preise für Essen und nichtalkoholische Getränke erhöhen. Dies würde erst recht Familien treffen. Jedenfalls ist noch überhaupt nicht absehbar, ob der Stadtrat Schmids Vorstoß befürworten wird.

Teilnehmer der Sitzung berichteten, der Bürgermeister habe seine Pläne mündlich vorgetragen. Es gebe noch kein schriftliches Konzept. Die SPD, zuletzt verärgert über Schmids medienwirksames Vorpreschen, hüllt sich in Schweigen. Auch andere Parteien äußerten sich irritiert, dass Schmid zuerst die Öffentlichkeit informiert habe.

Sarah Brenner, Klaus Vick, Video: snacktv

Auch interessant:

Lesen Sie auch:

Übergriff auf „Sichere Wiesn“-Mitarbeiterin verschwiegen? 

Übergriff auf „Sichere Wiesn“-Mitarbeiterin verschwiegen? 

Bilanz der Straßenreinigung: 90 Tonnen Wiesn-Müll

Bilanz der Straßenreinigung: 90 Tonnen Wiesn-Müll

Wiesn-Wirte-Sprecher hört auf: Wer wird Roiderers Nachfolger?

Wiesn-Wirte-Sprecher hört auf: Wer wird Roiderers Nachfolger?

„Warum verlagert man die Wiesn nicht vor die Tore der Stadt?“

„Warum verlagert man die Wiesn nicht vor die Tore der Stadt?“

Kommentare