Wiesn: Tower lockt mit falschen Versprechungen

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Der Höhenmesser zeigt etwa 23 Meter an.

München - „Aussicht auf höchstem Niveau“ verspricht Wiesn-Schausteller Charles Blume, der Besitzer der Wiesn-Neuheit „The Tower“. Dabei nimmt er den Mund allzu voll: Statt 30 Meter, wie auf Plakaten vorgegaukelt, ist der Container-Turm deutlich niedriger.

Als „höchstes mobiles Event-Center der Welt“ preist Blume den „Tower“ an. Der Besucher tappt mit 3-D-Brillen auf der Nase durch eine Abfolge von Rüttelplatten, Hindernissen und Installationen, die laut Werbetext die Elemente Feuer, Wasser und Luft spektakulär in Szene setzen. Anstatt den Parcours auf ebener Erde aufzubauen, hat Blume die einzelnen Stationen in zwei Containertürmen in die Höhe gestapelt. Hoch gestapelt sind auch die vollmundigen Werbeaussagen. „Genießen Sie von der Aussichtsplattform den einzigartigen Ausblick“, lockt ein Schild neben dem Eingang. Und darüber ist zu lesen: „Testen Sie in einer Höhe von 30 Metern Ihren Gleichgewichtssinn!“

30 Meter? In den Ankündigungen war noch von 28 Meter Plattform-Höhe die Rede gewesen. Dieses Maß nennt Blume auch auf seiner Homepage. Und es gibt weitere Ungereimtheiten: „9 Etagen“ verspricht das Werbeplakat. Doch so oft man auch zählt: Die Türme sind nur acht Container hoch.

Für alles weitere reicht Grundschul-Arithmetik: 28 Meter geteilt durch 8 ergibt 3,50 Meter. So hoch müsste jeder Container sein, um wenigstens die 28 Meter zu erreichen. Doch Normcontainer messen nur 2591 Millimeter; ein Achter-Turm ist demnach rund 20,80 Meter hoch.

„The Tower“ – eine Mogelpackung? Ganz und gar nicht, widerspricht Charles Blume, der Betreiber des offenbar schwindelerregenden Türmchens, am Telefon. „Das sind High-Cube-Container. Außerdem sind zwischen den Containern auch noch Befestigungselemente.“

Die, die es wissen müssen, sagen anderes. „Das sind ganz normale Normcontainer“, heißt es beim TÜV. Und laut amtlichen Unterlagen der Lokalbaukommission liegt die Aussichtsplattform 21,02 Meter über Geländeniveau. Blume freilich beharrte am Dienstagnachmittag am Telefon darauf: „Wir kommen gut über 28 Meter, weil wir noch 30 Zentimeter Sockel haben. Das können Sie ruhig nachmessen.“

Wir haben es getan – mit einem Profi-Lasermessgerät, das wir am Geländer der Aussichts-Ebene anlegten. Das Instrument piepste, rechnete – und zeigte 22,322 Meter an. Nun noch die 131 Zentimeter Abstand zwischen Plattform und Messgerät abziehen – ergibt 21,01 Meter Plattform-Höhe. Selbst mit Sockel sind das gut sechs Meter weniger, als Blume behauptet, und sogar mehr als acht Meter oder drei Etagen weniger, als die Plakate am Eingang vorgaukeln.

Eine Differenz von 36 Prozent – Petra von Rhein von der Verbraucherzentrale Bayern hält das zumindest für unlauteren Wettbewerb. Auch bei der Festleitung ist man bereits auf die Diskrepanz zwischen Schein und Sein aufmerksam geworden. „Wir haben dem Betreiber gesagt, er soll die Schilder wegmachen“, sagte Sprecherin Gabriele Papke auf Anfrage. Doch gestern um 14 Uhr war an dem Fahrgeschäft am Familienplatzl immer noch zu lesen: „Testen Sie in einer Höhe von 30 Metern Ihren Gleichgewichtssinn!“ Bei solch forschem Umgang mit Zahlen und Wahrheit könnte es einem direkt schwindlig werden.

Peter T. Schmidt

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