Oktoberfest: Stadt will Besucherstrom entzerren

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Die Ordnungsdienste auf der Wiesn sollen besser koordiniert werden und so die Arbeit der Polizei erleichtern.

München - Freistaat, Stadt und Polizei haben das Sicherheitskonzept für das Oktoberfest vorgestellt: Zwei Wirtsbuden müssen umziehen, die Oide Wiesn bekommt einen zweiten Eingang und die Ordnungsdienste werden neu koordiniert.

Auch wenn heuer bereits die 178. Wiesn ansteht – Kreisverwaltungsreferent Wilfried Blume-Beyerle betont, dass die Stadt und die Behörden jedes Jahr noch etwas dazu lernen. Zuletzt nahmen Sicherheitsfragen mit jeder Wiesn einen breiteren Raum ein. Das Konzept für dieses Jahr stellte Blume-Beyerle gestern gemeinsam mit Innenminister Joachim Herrmann (CSU) und Polizeivizepräsidenten Robert Kopp vor.

Einige Änderungen sind für die Besucher sofort sichtbar: Direkt am Eingang stehen die neuen Hochsicherheitspoller (wir berichteten). 113 feststehende und 78 ein- und ausfahrbare Poller sollen verhindern, dass Unbefugte mit ihren Fahrzeugen auf die Wiesn fahren und dort möglicherweise Anschläge verüben. Blume-Beyerle: „Im Normalfall sind die dynamischen Poller unten, im Gefahrenfall fahren wir sie hoch.“

Auch direkt auf der Wiesn gibt es sichtbare Veränderungen: Wer die Betriebe „Zur Bratwurst“ der Firma Hochreiter oder den „Glöckle Wirt“ sucht, muss sich umstellen: Beide Buden mussten umziehen, damit das Geschehen auf der Wirtsbudenstraße entzerrt wird, wie Blume-Beyerle erklärte. „Zur Bratwurst“ steht nun am Esperantoplatz, der „Glöckle Wirt“ nimmt den ehemaligen Platz am Winzerer Fähndl ein und muss den Standort vor dem Schottenhamel aufgeben. Auch zwei der Sanitätsstationen wurden von der Anlieferstraße an den Esparantoplatz und die Schaustellerstraße verlegt. Aus dem letzten Jahr gelernt hat die Stadt auch bei der Oidn Wiesn: Weil es am Eingang eng wurde, gibt es nun einen zweiten an der Südseite.

Die Polizei setzt unterdessen in Sachen Kriminalitätsbekämpfung auf präventive Maßnahmen: So gibt es Betretungsverbote für potenzielle Straftäter. „Wir haben heuer 75 Personen vom Wiesn-Besuch ausgeschlossen. 30 dieser Verbote wurden bereits auf der letzten Wiesn ausgesprochen, 45 im Nachhinein, weil die Täter noch ermittelt werden konnten“, sagt Robert Kopp. Im letzten Jahr hatte es 63 Masskrugschläger und -werfer gegeben, 255 Personen wurden in Gewahrsam genommen. „Diese Zahlen steigen kontinuierlich an, im Jahr 2006 gab es noch 52 Gewahrsamnahmen.“

Wie immer wird die Polizei auf dem Gelände eine Wiesn-Wache mit etwa 300 Beamten einrichten. Zusätzlich kommen fünf Beamte aus Italien und zwei aus Frankreich, um die Verständigung zu erleichtern. Zudem wird das Gelände mit 17 Kameras überwacht.

Für die Besucher nicht sichtbar ist eine Änderung bei der Organisation der Ordnungskräfte: Im letzten Jahr hatte es Probleme gegeben, weil Besucher gleichzeitig auf die Historische Wiesn und zu den Zelten Winzerer Fähndl und Schützenzelt wollten. „Es war nicht ganz klar, wer dort für die Lenkung der Besucher zuständig ist“, sagte Kopp. Heuer soll es darum zwei Ordnungsdienstleiter von privaten Anbietern geben. Sie sollen an den täglichen Lagebesprechungen teilnehmen, ein Ordnerkonzept für das Gelände erstellen und den Überblick über alle Kräfte haben. Die Ordner sollen laut Blume-Beyerle noch vor der Polizei einschreiten und so deren Kapazitäten schonen. Außerdem werden Winzerer Fähndl und Schützenzelt den Reservierungswechsel nicht mehr gleichzeitig, sondern mit einer Stunde Abstand (17 und 18 Uhr) durchführen – auch das soll den Besucherstrom entzerren.

Konkrete Bedrohungen für die Sicherheit gebe es heuer nicht, sagte Herrmann. „Anders als vor zwei Jahren gibt es keine konkreten Hinweise auf einen Terroranschlag.“ Weil aber spontane Aktionen von Einzeltätern nie völlig auszuschließen seien, müsse man dennoch wachsam bleiben.

Ann-Kathrin Gerke

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