Der Traum von Olympia

Sportliche Wettkämpfe auf der Wiesn

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Die Journalistin Bettina Stuhlweißenburg nimmt in München am Oktoberfest im Armbrustschützenzelt an der Schießanlage beim Presse-Armbrustschießen teil.

München - Die Wiesn? Das sind Bierzelte, Fahrgeschäfte und ein paar Standl. So denken viele. Was sie nicht wissen: Auf dem Oktoberfest werden auch heute noch hochkarätige Sportwettkämpfe ausgetragen.

Maßkrugstemmen: Das ist für viele der einzige Sport auf dem Oktoberfest. Aber das Volksfest hat eine sportliche Tradition. Bis heute werden dort hochkarätige Schieß-Wettkämpfe ausgetragen.

Heute bewirbt sich München um Olympia 2022 - doch schon vor 200 Jahren hatte der bayerische König Ludwig I. (1786-1868) einen ähnlichen Traum, war er doch begeistert von der hellenistischen Kultur. Ihm schwebte ein Fest im Stil der antiken Olympischen Spiele vor. Die Idee einer Wiederbelebung der Spiele sei also schon vor ihrer offiziellen Geburtsstunde 1896 in Athen virulent gewesen, schreiben die Volkskundler Florian Dering und Ursula Eymold in "Das Oktoberfest 1810 - 2010".

Auf der Wiesn gab es Pferderennen, Turnen und Kunstradfahren

Das Volksfest, anfangs mit Tierschauen und Agrarausstellungen stark landwirtschaftlich geprägt, hatte bis in die 1930er Jahre auch einen sportlichen Charakter. Es gab vor allem Pferderennen und Schießen, aber auch Turnvorführungen und Kunstradfahren.

Relikte sind noch übrig. Während im Schützenzelt die Maßkrüge zum Prosit klirren, stehen nebenan Schützen konzentriert im Schießstand. Hier sieht man keine Lederhosen, sondern Schießanzüge. Bier ist tabu. Vom Festzelt schaut kaum jemand durchs Fenster, was am Schießstand passiert. „Hier findet das wichtigste weltgrößte Freischießen nach internationalen Wettkampfreglement statt“, sagt Claus-Peter Schlagenhauf, Sprecher des Bayerischen Sportschützenbundes.

"Es gibt viel Sport hier"

Die siebenfache Weltmeisterin Sonja Pfeilschifter ist dabei, wie andere renommierte Schützen. „Es ist halt ein Preisschießen“, sagt sie. Am Oktoberfest mit der „Feierei“ liege ihr nichts. „Ich mag die Wiesn nicht so. Wir kommen zum Schießen“, sagt sie. „Jetzt gehen wir Mittagessen und dann fahren wir wieder.“

Ein Stück weiter im Armbrustschützenzelt werden die Deutschen Meister ermittelt. Für den Wettkampf mussten sich die rund 380 Teilnehmer qualifizieren. „Es gibt viel Sport hier“, sagt Michael Endres, 2. Gildenmeister der Armbrustschützengilde Winzerer Fähndl. Bis in die 1950er wurde auch im Freien geschossen, auf den 30 Meter hohen Vogelbaum. Das wurde aber angesichts der Massen zu gefährlich.

Bilder aus 200 Jahren Wiesn-Geschichte

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Im Festzelt Hippodrom feiern heute Prominente - früher war es eine Reithalle für Dressuren, Akrobatik und Hengstschauen. Es ist das einzige Zelt mit umlaufendem Balkon - für die damaligen Zuschauer.

Das Oktoberfest entstand aus der Hochzeit des Kronprinzen Ludwig mit Prinzessin Therese von Sachsen-Hildburghausen 1810. Kurz nach der Proklamation des Königreichs, dem nun große Teile Frankens und Schwabens angehörten, sollte es das Gemeinschaftsgefühl fördern.

Ein internationaler Wettkampf hätte den Ruhm des Königshauses und der Residenzstadt München glanzvoll gemehrt. Auf dem Festgelände wollte Ludwig deshalb die „Olympien“ inszenieren. Die Antike war Mode. Die Wittelsbacher bauten viel im hellenistischen Stil. Ludwigs Sohn Otto wurde König in Griechenland.

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Ein Pferderennen war von Anfang an ein Höhepunkt der Wiesn. Laut Dering und Eymold gab es 1835 unter Leitung des Turnlehrers Josef Gruber athletische Spiele. Die Disziplinen seien mit Ringen, Speerwerfen und einem griechischen Wettkampf zu Pferde an das antike Ideal angelehnt gewesen. „Sportlich ist das nicht uninteressant, was sich auf dem Oktoberfest ereignet hat“, sagt Dering. Damals hatten Turnen und Leichtathletik mit Turnvater Jahn ohnehin Aufschwung. Das wirkte auch auf die Veranstaltungen auf der Wiesn.

Nun Ludwigs Traum von den „Olympien“: „Es sollte ein gigantisches Sportfest werden, vergleichbar mit dem Deutschen Turnfest. Aber es blieb bei der Idee des Monarchen“, sagt Schlagenhauf. Es gab keine Sportverbände oder einen Deutschen Olympischen Sportbund, um so etwas zu organisieren.

Heute treffen sich Olympioniken auf der Wiesn zum Stammtisch. Wiesn-Gäste finden sportlichen Ausgleich an Schießbuden, beim „Hau den Lukas“, bei dem ein Gewicht hochgeschlagen wird, und an der Schiffschaukel. Könner schaffen hier viele Überschläge. „Der absolute Kick“, schwärmt ein Gast. „Aber mir ist schlecht vor Anstrengung.“ Da mag das Maßkrugstemmen vorher auch eine Rolle gespielt haben.

dpa

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