Darum trennen sich unsere Wege

Liebe Wiesn, dies ist mein Abschiedsbrief

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Eine alte Aufnahme aus dem Jahr 2010. Damals war die Wiesn noch in Ordnung.

München - Vanessa Fonth ist ein echtes Münchner Kindl und geht seit sie denken kann jedes Jahr auf die Wiesn. Dieses Jahr macht sie Schluss. Sie hat einen sehr persönlichen Abschiedsbrief geschrieben.

Liebe Wiesn, ich kenne dich nun schon mein ganzes Leben lang. Du bist ein Teil davon und ich habe mein Leben so gerne mit dir geteilt. 28 Jahre lang. Doch es geht nicht mehr. Das ist mein Abschiedsbrief.

Dein Kettenkarussell hat mich dem Himmel so nah gebracht und mir zum ersten Mal das Gefühl gegeben, ich könnte alles erreichen, was ich will.

Du und ich, wir hatten unsere Höhen und Tiefen, wie damals als mein dreijähriges Ich wild entschlossen war, aus dem Riesenrad auszusteigen. Als die Gondel den höchsten Punkt erreicht hatte. 

Ich habe mir die Knie grün und blau geschlagen in der Wilden Maus und trotzdem bei jeder Kurve gejuchzt. Mit einem Lebkuchen-Herz - das die U-Bahn-Fahrt nicht ohne angeknabberte Ecken überstanden hat - um den Hals und an der Hand meiner Mutter sind wir abends nach Hause gegangen. Glückselig berauscht von den vielen bunten Lichtern und mit dem Geschmack von Lebkuchen und türkischem Honig im Mund.

Du warst dabei, als ich heimlich im Biergarten meine erste Mass getrunken habe. 

Ein neuer Abschnitt in unserer Beziehung. 

Ich habe oft Freunde mitgebracht und gemeinsam saßen wir bis in die späten Abendstunden auf deinen Bänken im Biergarten. Als es einmal regnete, beschlossen wir Top Spin zu fahren. Das wilde Karussell mit den Fontänen. Klatschnass lief ich nach Hause und lag prompt eine Woche krank im Bett. Das war es mir wert.

Der Abschied von dir ist mir nie leicht gefallen. Wir hatten Tränen in den Augen und Feuerzeuge in der Hand. Wir haben so laut gesungen, als wäre es ein Abschied für immer. 

Als ich Anfang des Jahres umzog, führte mich mein erster Weg zu dir. Ich habe die Zeit gestoppt, die ich zu Fuß zur dir brauchte. Es war Abend und ich werde das Gefühl nie vergessen, als ich um die Kurve ging und sich vor mir die erleuchtete Bavaria gegen den Nachthimmel erhob. 

In diesem stillen Moment kam es mir so unwirklich vor, dass du nur neun Monate später lärmend und blinkend an genau diesem Ort auf mich warten würdest.

Dann geschah die Welt und plötzlich wurde darüber geredet, dass du dich verändern musst. 

Von Terrorgefahr war die Rede, auch wenn es dafür keine konkreten Anhaltspunkte gibt. Von Zugangskontrollen und Sicherheitsanweisungen. Überwachung mit Bodycams. Vorgeschriebene Taschengrößen. 

Alte Freunde haben sich von dir abgewandt. Aber du hast nur genickt und dich freiwillig in einen Käfig sperren lassen.

Die Leichtigkeit und Spontanität ist dir genommen worden. Du versteckst dich nun hinter einem ausgerollten Zaun. Machst es mir beinahe unmöglich, dir nahe zu kommen. 

Sie haben uns das genommen, was wir uns doch niemals wegnehmen lassen wollten: unsere Freiheit. Ist es uns das wirklich wert für ein kleines bisschen mehr Sicherheit?

Nicht der Terror hat dich zu der gemacht, die du heute bist, sondern die Angst.

Einmal noch ohne Einlasskontrolle vor der Arbeit mit meinem Rucksack auf dem Rücken durch deine Gassen laufen, auf ein Feierabendbier noch schnell vorbeiradeln - damit ist es vorbei.

Ich kann nicht verhindern, dass wir uns begegnen. Jeden Tag werde ich an dir vorbeiradeln. Es wird eine peinliche Stille geben - den Blick fest auf der Straße.

Vielleicht verabreden wir uns ein letztes Mal. 

Ich werde auf dem Weg zu dir mit Herzklopfen deine bunten Lichter bewundern und mich fragen, ob es für uns nicht doch noch eine Chance gibt.

Während die quarzbeschuhte Hand eines Mannes in meiner 2,8 Liter Tasche nach drei Tüten Milch wühlt und ich mich in der Frontkamera seiner Bodycam betrachte, wird mir allerdings eines klar: 

Du bist zu weit gegangen, liebe Wiesn. 

Für uns gibt es keine Zukunft mehr. Melde dich, wenn du wieder die Wiesn bist, die ich mal geliebt habe.

Oktoberfest 2016: Öffnungszeiten, Wiesn im TV und Übersichtsseite

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