Große Trainer-Umfrage

Verträgt sich die Wiesn und der Fußball?

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Vor dem Spiel auf die Wiesn? Die sportliche Form leidet darunter extrem.

Manch ein Trainer wird richtig froh gewesen sein, wenn die Wiesn-Zeit wieder zu Ende ist. Denn die geselligen Vereinsausflügen zum größten Volksfest der Welt haben auch einen bitteren Beigeschmack: die sportliche Form leidet.

Heimspiele während der Wiesn:

An diesen Tagen wird es in München noch enger

Dass die Wiesn - gerade im Großraum München - nicht für einen Fußballer verboten werden kann, dies war die Kernaussage aller. „Gerade im Amateurbereich kann man so etwas schlecht, denn schließlich ist es die fünfte Jahreszeit“, stellt Steffen Galm, Trainer des BCF Wolfratshausen klar.

Auch für Andreas Koch ist es „völlig normal, dass es Spieler auf der Wiesn auch krachen lassen“.

Ebenso treffend brachte es Florian Dull, Abteilungsleiter beim MTV 1879 auf den Punkt: „Wiesn und Fußball lassen sich vereinbaren, allerdings je tiefer die Spielklasse und je jünger die Spieler sind, desto problematischer ist es für den Verein, alle Spieler im Zaum zu halten.

Anti-Alkoholiker gegen Alkoholiker

Trainerlegende Max Merkel ließ einst die Alkoholiker seiner Mannschaft gegen die Anti-Alkoholiker spielen.
Die Alkoholiker gewannen mit 7:1. Merkel sagte darauf: „Da war’s mir wurscht. Da hab i g’sagt: Sauft’s weiter.“

Beide nannten im gleichen Atemzug einen weiteren entscheidenden Faktor: die Eigenverantwortung. „Ich versuche meine Spieler das ganze Jahr so zu erziehen, dass sie eigenverantwortlich handeln“, so Galm. Laut Koch sollten die Spieler lernen, ihre Wiesn-Termine vernünftig zu legen: „Und wenn einem der Sport wichtig ist, dann kratzt er halt um elf Uhr abends die Kurve. Denn lieber läuft es so, als wenn ein Spieler um fünf Uhr morgens aus der Disko herausfällt.“
Natürlich gibt es dennoch Spieler, die bis in die frühen Morgenstunden ohne Hemmungen weiterfeiern. Und auf die lauern neben der größeren Verletzungsanfälligkeit eine weitere Gefahr: die Wiesn-Grippe. Auf die müsse man sich einstellen, wie Allershausens Spielertrainer Andreas Steinweg bestätigt: „Selbst verantwortungsbewusste Spieler, die am Montag aufs Oktoberfest gehen, können sich schnell eine Wiesn-Grippe einfangen. Damit muss man als Trainer immer rechnen.“ Und gerade die Massenveranstaltung multiplizieren natürlich die Ansteckungsgefahr.

„Viele Spieler von heute sind nicht mehr Manns genug"

Von einem ganz anderen Standpunkt betrachtet Maurizio Pitari, Trainer des BSC Sendling, das Thema Oktoberfest: „Viele Spieler von heute sind nicht mehr Manns genug, um zu feiern und dann trotzdem sich noch auf dem Spielfeld den Arsch aufzureißen. Wir haben früher auch gefeiert und dann trotzdem auf dem Platz Gas gegeben. Spieler von heute denken gar nicht mehr so darüber nach, dass sie ihre Teamkollegen im Stich lassen, wenn sich sich fünf Maß reinstellen.“
In dieselbe Kerbe schlägt auch Dirk Teschke, denn die Spieler haben nicht nur ihren Mannschaftskollegen, sondern vor allem dem Verein gegenüber eine Verpflichtung. „Jeder Spieler erwartet von seinem Verein bestimmte Dinge wie Trainingsutensilien oder teilweise sogar eine Aufwandsentschädigung. Und da kann der Verein auch im Gegenzug etwas von seinen Spielern erwarten, nämlich Verantwortungsbewusstsein.“

Wenn ein Spieler um fünf Uhr morgens aus der Disko herausfällt...

Das Teschkes Ansicht gerade in den höheren Ligen vollkommen richtig ist, denkt auch Joe Albersinger, Trainer des FC Ingolstadt 04 II: „Im Profi- oder höheren Amateurbereich geht es höchstens, wenn man nach dem Spiel oder einen Tag nach einer Partie etwas zum Feiern geht. Ich weiß aber auch aus meinen früheren Jahren, dass es für Fußballer aus mittleren oder unteren Ligen sehr schwierig ist, sich zu disziplinieren. Für die ist Wiesnzeit gleich Partyzeit.“

Albersinger sieht die Wiesn jedoch auch als teambildende Maßnahme: „Wir sind trotz des 0:5 gegen Hoffenheim gemeinsam aufs Oktoberfest. Es kam bei den Spielern sehr gut an, weil man merkte, dass die Jungs enger zusammenrücken. Wir hatten sogar Spieler dabei, die die Wiesn noch gar nicht kannten. So ein Ausflug kann aus meiner Sicht für eine Mannschaft auch sehr viel Positives bewirken.“

von Hansi Kleiner

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