Er darf Kutsche fahren

Extrawurst für Wiesn-Chef Reiter

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Eine Extrawurst für OB-Kandidat Dieter Reiter?

München - Ein Paukenschlag zum Dienstantritt: Der neue Wiesn-Chef und OB-Kandidat Dieter Reiter (SPD) fährt am Sonntag beim Trachten- und Schützenumzug auf einer eigenen Kutsche – und sogar vor dem Oberbürgermeister! Jetzt hagelt es Kritik.

Viele vermuten, dass diese Extrawurst Wahlkampftaktik ist.

Der Knackpunkt: Seine Vorgängerin Gabriele Weishäupl fuhr stets auf einem Werbewagen des Tourismusamtes vor dem Zug – und musste dafür wie alle Werbevorläufer bezahlen.

Mit Reiter werden laut seinem Sprecher seine Ehefrau Petra sowie SWM-Chef KurtMühlhäuserund dessen Tochter sitzen. „Ganz vorne im Zugzufahren,istfürmich eine große Ehre, die mir Herr Knoll angeboten hat“, sagt Dieter Reiter zur tz. Karlheinz Knoll ist der Präsident des Festrings, der den Umzug veranstaltet.

„Für den Hauptverantwortlichen des Oktoberfestes ist es angebracht, am Zug teilzunehmen“, erklärt Knoll. Andere sehen die Neuerung nicht so locker, zum Beispiel die politischen Rivalen.

Der Bezirksvorsitzende der Münchner CSU, Kultusminister Ludwig Spaenle, sagt mit einem Wink auf die OB-Wahl: „Man merkt die Absicht und ist verstimmt.“ Er kritisiert, dass es die SPD „offensichtlich für nötig erachtet, ihren Kandidaten mit solchen Methoden in der Öffentlichkeit bekannt zu machen. Dieser tollpatschige Versuch, den Wiesn-Festzug für einen PR-Gag zu nutzen, dokumentiert Stillosigkeit.“

Oberbürgermeister Christian Ude, der laut Internetseite des Festrings im Zug auf Position 10 fahren wird, kontert: „Frau Weishäupl saß immer in einer der Sponsorenkutschen, weil sie noch weiter vorne sitzen wollte. Das Ganze ist eine derkleinkariertesten und lächerlichsten Diskussionen, die ich jemals mitkriegt habe. Es ist doch völlig Wurst, in welcher Kutsche man fährt.“

Der Schlagabtausch geht weiter. Helmut Pfundstein (CSU), Beirat im Wiesn-Festring, zur tz: „Frau Weishäupl wäre in ihrer Zeit als Wiesn-Chefin auch gerne in der ersten Kutsche gesessen, das durfte sie aber nie. Er sollte lieber ein Minimum an Bescheidenheit walten lassen. Er nimmt die OB-Pose ein, obwohl er noch lange nicht gewählt ist!“

Reiters CSU-Konkurrent Josef Schmid muss den Umzug übrigens von der Tribüne aus beobachten. Voriges Jahr marschierte er mit seinem Gebirgstrachtenverein zu Fuß mit. Der darf aber nur alle zwei Jahre teilnehmen.

Und was sagt Ex- Wiesn-Chefin Weishäupl dazu? Die ist gewohnt höflich und stellt fest: „Jetzt hat die Oktoberfestleitung endlich den Platz im Zug, der ihr gebührt.“ Bei ihr sei das damals leider nicht möglich gewesen. Mit einem Lächeln fügt sie hinzu: „Ich wünsche Herrn Reiter eine gute Fahrt!“

NBA/WE/CL

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