Oktoberfest-Chefin Weishäupl: So wird meine letzte Wiesn

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Oktoberfest-Chefin Gabriele Weishäupl hört nach 26 Jahren auf.

München - Oktoberfest-Chefin Gabriele Weishäupl hört nach 26 Jahren auf. Mit der tz spricht sie über ihre letzte Wiesn.

Sie lebt die Wiesn, sie liebt die Wiesn, auf der ganzen Welt ist sie das Gesicht der Wiesn: Gabriele Weishäupl (64). Unsere Wiesn-Chefin ist mit 26 Jahren im Amt die dienstälteste Tourismusdirektorin Deutschlands. Kommenden April endet ihre Regentschaft, die Wiesn-Königin muss Lebewohl sagen. Der Abschied fällt ihr so schwer, dass sie im tz-Interview oft schlucken muss und Abschieds-Inemotionale Dinge nicht weiterreden will. Zum Oktoberfest-Start redet sie dennoch mit der tz über ihre letzte Wiesn:

Mein Gefühl zum Wiesn- Start:

Es ist wie immer: angespannte Aufmerksamkeit. Momentan spüre ich den Kampfgeist, den ich immer zur Wiesn habe.

Mein Ritual:

Ich zünde jeden Morgen im Büro eine kleine Friedenskerze an, die ich bislang von Willy Heide bekommen habe. Damit bitte ich um eine friedlicheWiesn–dasistfür mich als Wiesn-Managerin wichtiger als die Frage, wieviel Bier getrunken wird.

Die Könige der Wiesn

Die Könige der Wiesn

Meine Tipps für Besucher:

Besucht mal die Wiesn- Cafés! Das Café Schiebel ist entzückend – ich liebe die Apfelkücherl. Ein zweiter Tipp ist Bodos Cafézelt – wegen der wunderbaren Auszognen. Und das Café Mohrenkopf mit seinen Mohrenköpfen. Entzückend ist auch der Guglhupf bei Nacht mit seinen bunten Lichtern.

Meine private Wiesn-Tour:

Ich werde auch diesmal keine Zeit für private Aktivitäten finden. Die Wiesn ist meine Aufgabe und meine Pflicht, die ich ernst nehme. Ich werde aber wieder gerne auf die Oide Wiesn gehen. Diese sanfte Stimmung, wenn dort die Sonne untergeht… Und ich werde einen Abstecher zum Pemperlprater machen. Das war mein erstes Karussell mit vier Jahren – so schließt sich der Kreis.

Meine Gedanken:

Ich denke oft an meine Anfänge. VormeinemerstenArbeitstag bin ich mit einem Plan über die Wiesn gelaufen, um mir alles einzuprägen. Ich sehe den alten Container vor mir, in dem wir gearbeitet haben – sehr einfach, ein wenig marode. Für meinen Start hatte man damals extra das Örtchen aufgerüstet; das hat die tz vor mir spitzgekriegt und davon ein Foto veröffentlicht. Ich hatte bis 2003 ein Wohnwagerl als Pressebüro. Dort standen ein Bett und ein Kühlschrank, den ich mit Cola Light und Joghurt befüllt habe. Natürlich war die Technik noch mangelhaft, alles war sehr beengt. Ich bin froh, dass dieses Wagerl heuer wieder auf der Oidn Wiesn steht.

Die Wiesn-Plakate seit 1952

Die Wiesn-Plakate seit 1952

Mein Stolz:

Die Brauchtumspflege lag mir immer am Herzen: Es ist schwierig, solch ein Fest in seinen Grenzen zu halten – sonst wird es ein zweiter Ballermann oder eine Werbeplattform. Wenn es keine klaren Grenzen gibt, kippt das Fest irgendwann um. Deshalb habe ich mich auch nach den Auftritten von Verona Pooth und Paris HiltonaufderWiesnumdie Verschärfung des §58 der Betriebsvorschriften bemüht, der jetzt Modeschauen, politische und Werbeveranstaltungen verbietet. Dass ich deshalb schon als Spaßbremse galt – eine englischsprachige Zeitung nanntemichmal„oldcrow“ („alte Krähe“) –, stört mich nicht. Darüber kann ich lachen. DieWiesnmussdavor bewahrt werden, nur noch eine Kulisse zu sein.

Meine Sorgen:

Solch ein Unbehagen wie nach dem 11. September 2001 möchte ich nicht mehr erleben. Oder vor zwei Jahren: Als ich mit meinen Mitarbeitern das Video gesehen habe, in dem ein Bild des Oktoberfestes im Zusammenhang mit einer Terror-Drohung gezeigt wurde: Das war einer der erschütterndsten Augenblicke.

Mein Geheimnis:

Wieviele Dirndl ich besitze, werde ich auch zu meiner letzten Wiesn nicht verraten. Aber es sind nicht so viele, ich wechsle auch einfach mal die Schürze. Und ich kaufe die Dirndl von der Stange.

Meine Pläne:

Ich bin noch bis zum 1. April 2012 im Amt. Ob ich im kommenden Jahr privat auf die Wiesn gehen werde, weiß ich nicht. Zumindest freue ich mich, wenn ich mich nicht mehr jeden Tag ins Dirndl werfen muss.

tz

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