Vier Jahre schon schleppt sie Bierkrüge

4 Gründe, warum sich Amina den Wiesn-Wahnsinn antut

+
Das Foto zeigt Amina in Aktion. Die Arbeit macht Spaß, ist aber ein Knochenjob.

Die Arbeit als Bedienung auf dem Oktoberfest ist ein Knochenjob. Trotzdem tun sich die meisten den Wahnsinn wieder an. Eine Bedienung aus dem Hofbräu-Festzelt nennt uns vier Gründe.

"Ein Prosit der Gemütlichkeit"? Aminas Job als Wiesn-Bedienung hat mit Gemütlichkeit nichts zu tun. Als Servicekraft wuchtet sie beim Oktoberfest bis zu acht Bierkrüge auf einmal durch schunkelnde Massen und balanciert überladene Tabletts mit Wiesn-Hendl durch das überfüllte Bierzelt. Und das jeden Tag über zwei Wochen hinweg. Im vergangen Jahr hat sich die 25-Jährige schon zum vierten Mal in Folge den Wiesen-Wahnsinn angetan. Warum?

1. Grund: Die Bezahlung

„Klar mache ich es auch wegen Spaß, aber eigentlich geht es mir darum, möglichst viel Geld in diesen 16 Tagen zu verdienen.“ Der Stress, den sich Amina und ihre Kolleginnen antun, ist gut bezahlt. Man munkelt, es sei möglich, bis zu 15.000 Euro zu verdienen. Viel zu hoch gegriffen, meint Walter Straubinger, Kellner aus dem Schottenhammel: „Das trifft nur auf etwa fünf Prozent aller Bedienungen zu. Die meisten von uns verdienen im Schnitt 5200 Euro.“

Aber auch mit nur 5200 Euro lässt sich so einiges anfangen. Amina studiert Business Admiration in München und finanziert mit der Arbeit auf dem Oktoberfest ihr Studium: „Ich zahle von Oktober bis Oktober Unigebühren in Höhe von 3600 Euro. Das meiste Geld nehme ich also dafür her, damit mir die 300 Euro im Monat nicht noch zusätzlich zur Last fallen. Das Leben als Studentin ist schließlich nicht billig. Essen, Miete und Leben kommen auch noch dazu.“

Die spendabelsten Wiesn-Besucher seien die Englischsprachigen, sagt Amina. „Australier, Engländer oder Amerikaner! Mit denen hat man immer eine Gaudi! Die sind selbst betrunken super lieb, und werden selten aggressiv.“

Eine Bedienung kümmert sich im Schnitt um vier Tische, wo pro Tisch bis zu zehn Wiesn-Besucher sitzen können. An einer verkauften Mass verdient eine Bedienung 50 Cent, und von denen verkauft eine Bedienung an einem Werktag durchschnittlich an die 100 Stück. An einem Samstag oder Sonntag können es sogar bis zu 300 Mass werden. Hinzu kommt das Trinkgeld. Aber sparen für Uni und Reisen schön und gut, eine Belohnung für die harte Arbeit lässt sich Amina nicht nehmen: „Jedes Jahr suche ich mir eine etwas teurere Sache aus, die ich mir dadurch finanziere. So konnte ich mir schon ein MacBook Pro oder eine Woolrich Jacke gönnen. Was es dieses Jahr wird, weiß ich noch nicht.“

2. Grund: Kontakte knüpfen und Freundschaften fürs Leben schließen

„Neue und tolle Menschen kennen lernen! Das ist jeden Tag aufs Neue aufregend. Kein Tag ist wie der andere. Jeden Tag neue Gesichter, neue Situationen und neue Geschichten.“ In ihren vier Jahren hat Amina Freundschaften mit Menschen auf der ganzen Welt geschlossen. Und das hat Vorteile. Vor allem, wenn man so reisebegeistert wie Amina ist. „Die Australier Steven, Jonnie und Brody haben mich letztes Jahr nach Australien an die Gold Coast in Queensland eingeladen. Ich habe dort eine der schönsten Zeiten verbracht. Man lernt Menschen kennen und die bieten einem billige Schlafmöglichkeiten rund um die Welt an. Also spart man sogar noch Geld.“

Auch in England hat Amina ihre Kontakte: „Natalie-Kate und Siv sind ein Jahr nachdem ich sie kennengelernt habe, das Jahr darauf wieder nach München zum Oktoberfest gekommen. Sie haben an mich gedacht, und mir ein ganz süßes Geschenk aus ihrer Heimat mitgebracht.“

Aber was wäre ein gut bezahlter Job ohne ein anständiges Team? Jeder Kollege hat mal einen schlechten Tag. Dann kommt es auf das Team an. „Ich würde keinen Tag ohne mein tolles Team im Höfbrau-Festzelt überstehen! Wir unterstützen uns gegenseitig, weil jeder weiß, wie der andere sich gerade fühlt. Wir verlieren nie den Spaß an der Arbeit und bringen uns immer gegenseitig zum Lachen. Aber auch meine Chefs, also die Wirte vom Hofbräu, sind toll. Ich würde zu keinem anderen Zelt wechseln.“

3. Grund: Disziplin und Durchhaltevermögen

Es gibt einen dritten, sehr persönlichen Grund, warum Amina den Wahnsinn als Wiesn-Bedienung auf dem größten Volksfest der Welt Jahr für Jahr auf sich nimmt. Sie nimmt das Oktoberfest als Anlass, ihre Disziplin und ihr Durchhaltevermögen zu testen und zu verbessern.

Es ist kein Geheimnis, dass das Arbeiten auf dem Oktoberfest ein wahrer Knochenjob ist. Im Lebenslauf zu erwähnen, dass man sich vier Jahre lang durch Menschenmassen mit vollen Bierkrügen in der Hand gekämpft hat, macht sich also auch nicht schlecht.

4. Grund: Die Herausforderung

„Natürlich ist der Job nicht für jeden was. Man wird oft von Männern angequatscht. Je höher der Pegel, desto unfreundlicher und plumper. Aber man lernt, das auszublenden und zu ignorieren. Das klappt zumindestens bis zu einem gewissen Zeitpunkt", sagt Amina.

Irgendwann im Laufe der 16 Tage erlebt fast jede Wiesn-Bedienung den Wiesn-Koller, verrät die Münchnerin. "Es ist einfach ein harter Job, das kann man nicht leugnen. Man kommt an seine Grenzen. Vor allem der extreme Muskelaufbau in den ersten drei bis vier Tagen macht uns allen zu schaffen.“

Eine Herausforderung, die Amina jedes Jahr wieder auf sich nimmt. 230 Stunden Arbeitszeit in 16 Tagen. Viele vergessen oft, dass das Oktoberfest nicht 14, sondern 16 Tage lang ist. „Die letzten zwei Tage sind die schlimmsten! Viele sind krank oder einfach nur erschöpft. Da heißt es: durchhalten und sich nichts anmerken lassen.“ Aber Amina ist auch stolz auf sich, diesen harten Job Jahr für Jahr zu meistern.

„Ob ich denke, dass die Arbeit als Wiesn-Bedienung ein Knochenjob ist? Ja! Ich kann ein gutes Beispiel nennen: Letztes Jahr war ein Kamerateam im Zelt, um uns zu begleiten und zu testen, wie hart der Job als Bedienung wirklich ist. Die Frau, die mit uns mitarbeiten sollte, war nach nur vier Tagen mit den Nerven am Ende und total krank. Und sie hat nur einen Bruchteil von dem gemacht, was wir Tag für Tag leisten. Also ja, es ist ein Knochenjob. Aber einer der Spaß macht.“

mpa

Alle wichtigen Informationen zum Oktoberfest 2016 lesen Sie auf unserer Überblicksseite und auf Facebook.

München-News per WhatsApp gratis aufs Handy: tz.de bietet einen besonderen Service an. Sie bekommen regelmäßig die neuesten Nachrichten aus München direkt über WhatsApp auf Ihr Smartphone. Und das kostenlos: Hier anmelden!

Flohflüsterer und Schaukelbursch: skurrile Wiesn-Jobs

Auch interessant:

Lesen Sie auch:

Oktoberfest-Plakat-Wettbewerb: Jetzt mitmachen

Oktoberfest-Plakat-Wettbewerb: Jetzt mitmachen

Oktoberfest-Plakat-Wettbewerb: Jetzt mitmachen

Wiesn-Marken: Er erlebt beim Einlösen unschöne Überraschung

Wiesn-Marken: Er erlebt beim Einlösen unschöne Überraschung

Herrmann zufrieden mit Wiesn-Sicherheit

Herrmann zufrieden mit Wiesn-Sicherheit
Wander- und Radwege für Freiham gefordert

Wander- und Radwege für Freiham gefordert

Wander- und Radwege für Freiham gefordert

Kommentare