Teil drei der großen Serie

So bereitet sich der Wirt vom Traditionszelt auf die Wiesn vor

Ein Halbmarathon muss es schon sein: Christian Winklhofer tritt jedes Jahr beim Stadtlauf an. Bestzeit: eine Stunde, 44 Minuten

Heuer sehen wir uns in unserer Serie an, wie sich die Wirte auf den Oktoberfest-Marathon vorbereiten. Die Profi-Gastgeber erzählen uns, welche Hobbys sie als Freizeit-Ausgleich haben. Im dritten Teil erzählt Christian Winklhofer vom Festzelt Tradition.

Christian Winklhofer, Sohn von Wiesnwirt Toni Winklhofer (Festzelt Tradition), hat das Laufen für sich entdeckt – und schreckt auch vor einem Halbmarathon nicht zurück.

Wann immer er Zeit hat, schnappt sich Wirt Christian Winklhofer (45) seine Laufschuhe und rennt los. Von Berg am Laim, wo er wohnt, geht es meist nach Trudering. An Straßen entlang, durch den Wald, weiter, immer weiter. Kein Handy in der Tasche, keine Stöpsel in den Ohren. „Wenn ich laufe, kann ich nachdenken. Der Kopf wird frei“, sagt Christian Winklhofer. „Es ist schön, einfach mal nichts anderes nebenbei zu machen.“

Für den Münchner ist das Laufen sportlicher Ausgleich und Hobby zugleich. Denn an erster Stelle kommen die Arbeit und die Familie. Und dann lange nichts. Winklhofer betreibt zwei große Gasthäuser in der Münchner Innenstadt: den Schnitzelwirt im Spatenhof in der Neuhauser Straße und Hofer der Stadtwirt in der Burgstraße. Zudem sind bei ihm immer zwei Wochen im Jahr rot im Kalender markiert: Während des Oktoberfests unterstützt Christian Winklhofer seinen Vater, Wiesnwirt Toni Winklhofer (68), im Festzelt Tradition auf der Oidn Wiesn. Ein Knochenjob, bei dem er auch viel laufen muss – in diesem Fall durchs Zelt.

Die Kinder Maxi (9) und Theresa (5) möchten den Papa natürlich auch noch zu Gesicht bekommen. Genauso wie Ehefrau Petra (45) ihren Mann. „Das ist ein ganz schöner Spagat“, sagt Christian Winklhofer und lacht. Der Spagat scheint ihn aber nicht anzustrengen, sondern zu erfüllen. Der 45-Jährige macht stets einen fröhlichen und ausgeglichenen Eindruck. Und einen äußerst bodenständigen.

Apropos Spagat – zurück zum Sport: Als junger Mann, bis zum Abitur, war Winklhofer aktiver Schwimmer. Da war das Joggen nur eine Ergänzung. Doch dann freundete er sich immer mehr mit dem Laufsport an. „Es ist so schön unkompliziert: Schuhe an und los geht’s!“ Egal wo, egal wann. Früher sei er nach einer halben Stunde ins Schwitzen gekommen, gesteht Winklhofer, heute muss es schon mindestens eine Stunde sein. Winklhofers sportlicher Höhepunkt ist jedes Jahr der Stadtlauf von SportScheck. Seit acht Jahren tritt der 45-Jährige regelmäßig zum Halbmarathon an. 21,0975 Kilometer zusammen mit anderen Teilnehmern durch die Münchner Innenstadt laufen. „Das ist immer eine tolle Wettkampfstimmung“, sagt Winklhofer. Angeheizt durch die Trommler am Straßenrand. Vor allem aber liebe er die Strecke, die durch den Englischen Garten führt. „Da komme ich leider sonst nicht hin“, sagt er.

Es gehe zwar in erster Linie darum, dabei zu sein, aber den Ehrgeiz, sich von Jahr zu Jahr zu verbessern, habe er auch. „Leider ist mir das in den letzten zwei Jahren nicht gelungen“, sagt Winklhofer und lacht. „Meine Frau sagt dann immer: Du wirst halt auch nicht jünger.“ Eine Stunde 44 Minuten war sein persönlicher Rekord. Unter 1:40 ist seit Langem das Ziel. Winklhofer schluckt. „Beim Stadtlauf sind auch 80-Jährige dabei, die unter zwei Stunden laufen. Die haben meinen Respekt.“

Gerne würde der Wirt auch mal beim München-Marathon an den Start gehen. Allerdings kommt ihm da stets derselbe Termin in die Quere: Anfang Oktober, kurz nach dem Oktoberfest. „Da steckt einem die Wiesn noch zu sehr in den Knochen“, sagt Winklhofer,

Dann eben doch wieder der Stadtlauf. Neben den vielen Trommlern stehen da auch immer seine Kinder am Rand und feuern ihn lauthals an. Lauf, Papa, lauf!

Das Zelt in Kürze

  • Bierpreis: 10,65 Euro
  • Die Brauerei: Augustiner
  • Halbes Hendl: 11,15 Euro
  • Schmankerl: Neu im Außenbereich ist ein Palatschinken-Standl (Palatschinken ab 3,50 Euro). Für Veganer gibt’s heuer ein Kartoffelgulasch (9,80 Euro).
  • Günstig essen: Wochentags gibt es Mittagsschmankerl: Reisfleisch vom Wiesnhendl für 9,80 Euro oder gefüllte Paprika mit Tomatensoße und Kartoffeln für 12,50 Euro
  • Sitzplätze: 5000 innen, 2800 im Garten, zusätzlich 200 im Weißbiergarten,der Eintritt in die Oide Wiesn kostet 3 Euro (mit Wiedereintritt)
  • Raucher: Abgeschlossener, teilweise überdachter Bereich. Direkt vom Festzelt aus zugänglich
  • Musik: Münchner Oktoberfestmusikanten unter der Leitung von Wolfgang Grünbauer und täglich wechselnde Gastkapellen aus verschiedenen Trachtengauen. Sonntag von 12 bis 13 Uhr Frühschoppen des BR (Livesendung) unter anderem mit Blaskapellen, Trachtengruppen, Goaßlschalzern. Täglich ab 14 Uhr kleiner Trachtenumzug durch die Oide Wiesn, danach zweistündiges Trachtenprogramm
  • Heuer neu: Donnerstags zwischen 10 und 12 Uhr lädt das Zelt jeweils 300 Kinder aus Münchner Kindergärten (Bewerbungen unter Reservierung@Oktoberfestzelt-tradition.de) zu einem Treffen mit dem Münchner Kindl Viktoria Ostler ein. Die Kinder können sich gratis und unlimitiert am Limobrunnen bedienen und bekommen einen speziell angefertigten, wiederverwendbaren Becher geschenkt.

Die Wirtefamilie

Das Festzelt Tradition wird von vier Wirten geführt: Einmal von Christine (66, Foto 2. v. r.) und Toni Winklhofer (68, 3. v. r.) unter Mithilfe der Söhne Christian (45, r.) mit Frau Petra (45) und Thomas (43, l.) mit Frau Isabella (41). Das andere Wirtepaar des Zelts sind Toni Winklhofers Schwager Peter (61) und Schwägerin Margot (58) Wieser. Beide Familien zusammen betreiben auch den Ratskeller München am Marienplatz. Das Festzelt wurde im Jahr 2013 komplett neu gebaut – und stand seither immer auf der Oidn Wiesn und vergangenes Jahr auf dem ZLF. Ihre Premiere auf der Wiesn feierten die Wirte-Familien schon im Jahr 2000: mit einem kleineren Zelt auf dem ZLF.

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