Preise einfrieren

Deckel drauf! Schmid will Bierpreisbremse auf der Wiesn 

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Teurer als 10,70 Euro soll die Mass nicht werden, findet Josef Schmid (CSU).

Wiesn-Chef Josef Schmid (47, CSU) will die Preise für die Oktoberfest-Mass auf drei Jahre einfrieren. Und das soll nicht die einzige grundlegende Neuerung auf dem Oktoberfest sein. Die Wirte laufen Sturm.

Update vom 23. Juni 2017: Es ist immer eine der wichtigsten Fragen zur Wiesn: Was kostet die Mass? Wir haben alleBierpreise in den Festzelten auf dem Oktoberfest 2017 zusammengefasst.

München - Die Sicherheit der Wiesn ist der Stadt wichtiger geworden: Zaun, zusätzliche Ordner, Taschen- und Einlasskontrollen. Das alles kostet freilich Geld. Schmid rechnet jährlich mit Zusatzkosten von rund fünf Millionen Euro. Dieses Geld wiederum soll nicht der Münchner Steuerzahler aufbringen. Die Wiesn war und ist eine sich selbst tragende Veranstaltung. 

Sicherheitskosten: Wirte in die Pflicht nehmen

Schmid will daher die Wirte stärker in die Pflicht nehmen. Schließlich setzen die Gastronomen jedes Jahr zwischen 300 und 400 Millionen Euro um. Bis dato hatten die Wirte eine Standgebühr zu entrichten. Die bemaß sich nach der Quadratmeterzahl. Das war bisweilen nicht immer gerecht, denn was in den Zelten verkauft wurde, fand keine Berücksichtigung. Wer etwa Champagner anbieten darf, hat einen Vorteil gegenüber dem Wirt, der nur Bier ausschenkt - unabhängig von der Größe des Zeltes. Nun sollen die Wirte eine Umsatzpacht entrichten, zwischen vier und fünf Prozent. Das ist freilich nicht ganz neu, den Vorschlag hatte Ex-Wiesn-Chefin Gabriele Weishäupl unlängst gegenüber unserer Redaktion geäußert. 

Wirte sollen Kosten nicht aufs Bier umlegen können

Wie viel genau an Mehrkosten auf die Wirte zukommt, ist schwer zu sagen. Aber es wird vermutlich mehr sein als die Standgebühr. Damit die Gastronomen wiederum diese Mehrausgaben nicht auf den Bierpreis umlegen, will Wiesn-Chef Schmid eine Deckelung des Bierpreises. Drei Jahre lang, 2017, 2018 und 2019, soll der Preis für die Mass 10,70 Euro nicht überschreiten. Das war der Höchstpreis beim Oktoberfest 2016. Dass eine solche Vorgabe für die Wirte möglich ist, sei viele Jahre in Abrede gestellt worden. Auch von Schmid. „Als ich vor drei Jahren als Wirtschaftsreferent angefangen habe, habe ich nur nachgeplappert, was meine Vorgänger gesagt haben“, sagt Schmid. Doch seine Hausjuristen sind nun zu einem anderen Urteil gekommen. Über die Zulassungsverträge lasse sich der Bierpreis regeln. Schließlich gehe das ja auch bei ermäßigten Preisen für die Familientage. 

Ein Tag mehr Wiesn 

Unberührt von der Umsatzpacht bleiben im Übrigen die Standl-Betreiber. Die sollen weiter Standgebühren zahlen. Kleinen und mittleren Betrieben stellt Schmid zudem in Aussicht, die Gebühren heuer nicht anzuheben, wenn die Schausteller gleichsam auf eine Erhöhung der Fahrpreise verzichten. Auch die Oide Wiesn bleibt von Änderungen verschont. Und als dritten Punkt will Schmid jedes Jahr einen zusätzlichen Tag für das Oktoberfest. „Die Vergangenheit hat gezeigt, dass dieser Tag vor allem ein Tag für die Münchner ist. Außerdem entzerren sich die Besucherströme besser.“ Schmid sträubt sich allerdings dagegen, an diesem Tag keine Reservierungen zulassen. „Die Systemumstellung ist ein harter Eingriff. Da bin ich bei diesem Punkt bereit, auf die Wirte zuzugehen.“ 

Der Stadtrat wird sich mit dem Thema befassen, ebenso mit Schmids Wiesn-Paket. OB Dieter Reiter wollte sich auf tz-Anfrage gestern nicht äußern. 

Und so reagieren die Wiesn-Wirte:

Georg Heide, stellv. Wirtesprecher, Bräurosl: „Ich kann nicht verstehen, warum man uns derart vor den Kopf stößt. Bisher wurden solche Entscheidungen gemeinsam mit uns getroffen. Heute Nachtmittag hätte es kurzfristig ein Gespräch mit Herrn Schmidt geben sollen, aber der Termin fiel aus. Da jetzt so vorzupreschen, halte ich für ungut. Die Wirte hatten ja schon mal einen gemeinsamen Bierpreis, mein Vater war dabei und Richard Süßmeier. Das Kartellamt hat das damals nicht erlaubt. So wird es auch diesmal kommen.“ 

Ricky Steinberg, Hofbräuzelt: „Wie soll denn das gehen? Das ist ein freier Markt, ein freier Wettberwerb, da kann ich keine Preise absprechen! Das ist nicht durchsetzbar. Das kann noch nicht in Stein gemeißelt sein. 10,70 Euro hatten wir ja schon letztes Jahr. Für uns steigen die Kosten doch auch! Ich weiß nicht, was sich Herr Schmid da gedacht hat. Bisher haben wir da gut zusammengearbeitet. Wir haben ja selber eine Reihe von Vorschlägen! Da muss man sich jetzt endlich mal an einen Tisch setzen und schauen, wie man die Summe zusammenkriegt, die Herrn Schmid da vorschwebt.“ 

Toni Roiderer, Wirtesprecher, Hackerzelt: „Das ist ja jetzt erst mal eine Idee, die irgendwo als Vorschlag existiert. Ich kann mir nicht vorstellen, dass das kartellrechtlich möglich ist, Wie soll das gehen? Wir leben in einer freien Marktwirtschaft. In diesen Vorschlag waren wir Wirte überhaupt nicht eingebunden. Uns hat keiner gefragt, das muss man auch nicht. Das sollen jetzt die Parteien unter sich ausmachen! Wir sind Beschicker, klar, da müssen wir ein gutes Verhältnis zum Veranstalter pflegen. Aber wir dürfen schon auch sagen, wenn uns was wurmt! Dieser Vorschlag ist ungewöhnlich, überraschend und trifft uns unvorbereitet. Auch zeitlich überraschend.

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münchen.tv-Video: Sicherheitskonzept: Wird die Wiesn 2017 noch teurer?

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