Trotz Terrorangst und Taschenkontrollen

Sie lassen sich die Wiesn nicht vermiesen

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Seit 20 Jahren Bierkutscher: Wolfgang Leitner (43) aus Irschenberg.

München - Wiesn-Bedienung, Kutscher oder Stammgast: Sie alle sind schon seit Jahrzehnten auf der Wiesn. In einer Sache sind sie sich einig: Auch heuer werden sie aufs Oktoberfest gehen.

Terror-Angst, Taschenkontrollen, Hochsicherheitszaun: Im Vorfeld der Wiesn wurde vieles heißer gekocht, als es hoffentlich hinterher gegessen wird. Doch es gibt nicht nur Panik-Macher und Pessimisten. Wir haben uns vor dem Wiesn-Start auf dem Festgelände umgehört - und viele Menschen getroffen, die es kaum erwarten können, dass es heute endlich losgeht. Die Bedienung, der Bierkutscher, der Promi-Wirt und viele mehr sind sich einig: „Wir lassen uns die Wiesn nicht vermiesen!“

Der Stammgast: 23 Jahre Wiesn

Armin Jumel.

Wenn einer die bayerische Gemütlichkeit perfekt repräsentiert, dann der Münchner Friseur Armin Jumel (46). Seit 23 Jahren kommt er täglich auf die Wiesn, hat dank seines Vaters, der in den 1940er-Jahren Trauzeuge auf der Hochzeit der damaligen Chef-Bedienung war, immer zwei Tische im Schottenhamelzelt reserviert. Klar, er kommt auch heuer täglich in sein zweites Wohnzimmer. „Terror? Ned mit mia! Ich kann mich doch nicht zu Hause einsperrren. Ich fahre ja auch weiter Auto und fliege mit dem Flugzeug.“ 

Der Geld-Wechsler: Da passiert nichts

Gerd Riedl.

Gerd Riedl (60) fühlt sich in seinem Geldwechsel-Container namens „SecuriCoin“ gleich am Eingang der Wiesn super sicher. Kein Wunder: Hinter seiner Mobil-Bank, bei der zum Beispiel Bedienungen Kleingeld und Gäste letzte D-Mark in Euro wechseln lassen können, machen einige Polizisten auf der Wiesn schon mal ein Päuschen - oder benutzen seine Toilette. Eine Wiesn-Pause kam für Riedl nicht in Frage. „Die Leute machen sich alle verrückt“, sagt er. „Jeder passt doch hier besonders auf - da passiert nichts.“

Der Promi-Wirt: Bin gerüstet 

Michael Käfer.

Gerade eben hat Käferzelt-Wirt Michael Käfer (58) erst mit FC Bayern-Star Xabi Alonso Kontakt gehabt. „Die kommen alle raus. Ich habe nur ein paar Absagen aus dem Ausland.“ Er gehe auch mit seinen Kindern auf die Wiesn. „Es ist gefährlicher, über die Straße zu gehen als auf die Theresienwiese. Ich hoffe, dass weiterhin viele Familien kommen, denn die machen das Bild der Wiesn aus.“ Für eine eventuelle Evakuierung sei sein Zelt gerüstet, die Gänge in der Almhütte habe er ohnehin erst vor kurzem breiter gemacht. 

Die Bedienung: Freue mich auf Stammgäste

Anni Wimmer (3.v.l).

Seit 25 Jahren bringt Anni Wimmer (65) den Münchner Politikern in der Stadtratsboxe im Schottenhamelzelt ihre Hendl und Massen. „Ich freue mich auf die Stadträte, sie sind ja meine Stammgäste.“ Die Bedienung lässt sich die Freude nicht vermiesen. „Fröhlich sein gehört zu unserer bayerischen Kultur. Wir brauchen Bier, Musik und Ausgelassenheit.“ Wenn Anni mal nicht mehr auf dem Zeltbalkon stehen sollte, dann nicht wegen der Gefahren. „Wenn die Gesundheit nicht mehr mitmacht, muss ich wohl aufhören. Aber bis dahin dauert es hoffentlich noch lang!“ 

Der Bierkutscher: Jeder denkt darüber nach

Seit 20 Jahren Bierkutscher: Wolfgang Leitner (43) aus Irschenberg.

„Freili sollen wir heuer alle auf das Oktoberfest gehen. Wir lassen uns die Wiesn nicht vermiesen“, sagt Wolfgang Leitner (43) aus Irschenberg (Lkrs. Miesbach). Seit 20 Jahren ist er als Bierkutscher für Löwenbräu unterwegs. Gedanken, wie es heuer wohl werde, mache er sich sicher. Die Leute und die Unterhaltung seien für ihn das Schöne am Oktoberfest. Und auch um die Pferde müsse sich keiner Sorgen machen: „Um die kümmern wir uns sehr gut.“

Der Kapellmeister: Ich werde da sein

Otto Schwarzfischer.

Kaum einer war so oft auf der Wiesn wie er: Für Otto Schwarzfischer (76), Leiter der gleichnamigen Wiesn-Kapelle, ist es heuer das 61. Jahr. „Ich habe beim Oktoberfest-Attentat 1980 den Knall gehört, als ich auf der Bühne stand. Schon damals haben wir mit der Gefahr leben müssen. “ Er gibt zu: „Einige Musiker sind diesmal verunsichert. Aber: Die Freude darf uns keiner nehmen. Und die Kontrollen sind ja besser denn je …“ Schwarzfischer steht zwar mittlerweile selbst nicht mehr auf der Zeltbühne. „Aber ich werde da sein.“ 

Die Mandel-Küche: Vorfreude seit 50 Jahren

Kurt und Helga Geier.

50 Jahre Oktoberfest feiert Geier’s Mandelküche heuer. Und genau so lange freut er sich jedes Jahr auf die Wiesn, erzählt Inhaber Kurt Geier (68). Seit 40 Jahren mit im Boot: seine Frau Helga Geier (58). „Jeder muss wissen, was er tut“, sagt das Ehepaar. „Aber es sollte keine Angst geschürt werden.“ Es werde viel für die Sicherheit getan. Die beiden jedenfalls wollen heuer wie immer auch selbst auf der Wiesn herumschauen. Dann gönnen sie sich eine gschmackige Ente.

Die Kuscheltierverkäuferin: Stehen das durch 

Marie-Luise und Rudolf Daser.

Sie hat etwas zu feiern: Für Marie-Luise Daser steht heute der 72. Geburtstag an. Seit 35 Jahren verkauft die Ruppertszellerin (Landkreis Aichach-Friedberg) mit ihrem Mann Rudolf (76) Hüte, Kuscheltiere und T-Shirts auf der Wiesn. Beide sind der Meinung: „Wir stehen das heuer durch, weil ändern können wir es nicht.“ Es könne immer was passieren. „Dann dürfte niemand mehr ins Fußballstadion gehen.“

Oktoberfest 2016: Öffnungszeiten, Wiesn im TV und Übersichtsseite

Beim Oktoberfest 2016 gibt es erstmals Eingangskontrollen und ein Rucksackverbot. Was Sie mit aufs Festgelände nehmen dürfen, erfahren Sie hier. Was kostet heuer die Mass Bier und welche Öffnungszeiten hat die Wiesn? Hier beantworten wir Ihnen alles, was Sie zum Oktoberfest wissen müssen. Sie schaffen es selbst nicht aufs größte Volksfest der Welt? Kein Problem: Hier läuft die Wiesn im TV und im Stream. Natürlich gibt es auf der Theresienwiese einige Regeln - hier erklären wir Ihnen, was Sie niemals auf dem Oktoberfest tun sollten. Alle News zur Wiesn finden Sie auf unserer Übersichtsseite.

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