Der Vergleich

Die große Preise-Karte: So teuer ist die Wiesn geworden

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Wer kann sich die Wiesn eigentlich noch leisten?

München - Dass die Preise auf der Wiesn immer mehr anziehen ist nichts Neues. Doch wie viel teurer ist es seit 2006 wirklich geworden? Der große Vergleich.

Halbzeit bei der 183. Wiesn! Und schon jetzt zeichnet sich ab: Es werden heuer erneut weniger Besucher. Das Wetter verhagelte den Start, die Angst vor einem Anschlag kommt hinzu. Doch es könnte noch einen weiteren Grund geben, warum sich immer weniger Menschen auf die Theresienwiese verirren: die Preise bei Schmankerln und Bier!

Die tz macht den großen Zehn-Jahres-Vergleich. Ein Statistik-Experte setzt den Preisanstieg ins Verhältnis zu dem, was Durchschnittsverbraucher damals und heute verdienen. Wer kann sich die Wiesn überhaupt noch leisten? Darf eine Kartoffelsuppe nach zehn Jahren beinahe doppelt so viel kosten? Auf der Wiesn offenbar schon! Doch überzeugen Sie sich auf unserer Karte (rechts) selbst.

Statistik-Profi Gunnar Loibl.

Wichtig ist es, die Preise auf dem Oktoberfest in Relation zu sehen – und die erklärt Gunnar Loibl vom Bayerischen Landesamt für Statistik: „Der Verbraucherpreis-Index ist in knapp einem Jahrzehnt in Bayern um 12,5 Prozent gestiegen.“ Die Preise sind in Bayern im Mittel also um 12,5 Prozent nach oben gegangen. Beispiele: Rindfleisch wurde in den vergangenen zehn Jahren 15 Prozent teurer, bei Butter sind es 21 Prozent mehr, bei Kaffee sogar 31 Prozent. Heißt: Wenn ein Käseteller in einem Zelt 2016 im Vergleich zu 2006 nur um zehn Prozent teurer geworden ist, liegt das noch unterhalb der allgemeinen Preisentwicklung. Wenn Apfelstrudel jedoch um 51 Prozent teurer geworden ist, liegt das deutlich darüber.

Wie hat sich das Einkommen in Bayern im Vergleich zu den Wiesn-Preisen entwickelt? Das Bayerische Landesamt für Statistik liefert Zahlen: Der monatliche Brutto-Durchschnittsverdienst in Bayern etwa hat sich in diesem Zeitraum um 26,6 Prozent erhöht. Das heißt, die Bayern verdienen im Schnitt 26,6 Prozent mehr als noch vor knapp zehn Jahren. Das heißt aber im Umkehrschluss nicht, dass auch die Kaufkraft im selben Maß gestiegen ist. Die hat sich nur um 12,6 Prozent erhöht. Die ein oder andere Preiserhöhung dürfte für manchen so verschmerzbar sein, doch gerade für viele Rentner sind die steigenden Preise ein Problem.

In München ist die Kaufkraft höher als im Bundesdurchschnitt. Laut Marktforschungsinstitut GfK verfügen Münchner über eine 35,2% höhere Kaufkraft im Vergleich zum Bundesdurchschnitt. Die Kaufkraft 2016 pro Kopf betrug 29 578 Euro. Ein höherer Verdienst bedeutet aber nicht mehr Geld im Portemonnaie als noch vor zehn Jahren. In die Bewertung miteinfließen müssen deshalb auch die Kosten für Dienstleistungen. Ein Frisörbesuch kostete 2006 noch zehn Prozent weniger. Die Kinobetreiber verlangen 21 Prozent mehr, und ganz übel sieht’s bei den Freibädern aus: 75 Prozent Aufschlag!

Interessant: Der Bierpreis stieg ähnlich konstant wie die Mieten in München – nämlich um ungefähr 40 Prozent!

Hier können Sie die Tabelle auch als PDF-Datei ansehen (Größe 38 KB).

Das sagen die Wiesn-Gäste

Billig war’s hier nie

Bis jetzt haben wir, für zwei Essen, eine Mass und eine Brezn 40 Euro ausgeben. Das ist definitiv nicht billig, aber man muss nur mal in die Gaststätten in der Innenstadt schauen. Die Wiesn war nie preiswert. Die Preise sind auch sicher höher, weil man viel Sicherheitspersonal braucht. Wem die Wiesn zu teuer ist, braucht ja nicht zu kommen.
Maria und Erich Schwarz (beide 76), Rentner aus Ismaning

Bei uns zu Hause ist’s günstiger

Bei uns in Holland sind Volksfeste deutlich günstiger. Pro Person geben wir sicher 200 Euro aus. Letztes Jahr war es ein bisschen billiger. Für Menschen mit weniger Geld, wie zum Beispiel Studenten, ist es aber zu teuer!
Sjouhje (30), Stylistin und Jennifer (30), Marketing-Branche, beide aus den Niederlanden

Ein richtig schöner Tag ist das Geld wert

Einmal gehen wir mit der ganzen Familie auf die Wiesn. Bis jetzt haben wir für Essen und Trinken ungefähr 70 Euro ausgegeben. Später gibt’s noch Kaffee und eine Auszogene. Die Kleine bekommt dann noch Zuckerwatte und darf fahren. Am Ende werden wir sicher so 200 Euro ausgegeben haben – so wie vergangenes Jahr. Klar ist das teuer, aber die Leute zahlen es halt. Für einen richtig schönen Tag kann man auch mal viel Geld ausgeben.
Familie Schwarz aus Klosterlechfeld

300 Euro für Essen und Trinken

300 Euro geben wir pro Person für Essen und Trinken aus. Das ist schon sehr viel Geld. Wir sind aber auch extra für das Oktoberfest gekommen. Das ist einfach ein tolles und gemütliches Fest. Da gibt man das Geld dann auch gerne aus.
Eine Unternehmergruppe aus dem Raum Twente

Die Atmosphäre zahlt man mit

Pro Person geben wir so 50 Euro am Tag aus. Zwei Mass, was zu essen und am Abend nach dem Zelt noch gebrannte Mandeln. Ganz wichtig: Immer viel Trinkgeld geben! Manchmal bekommen wir auch was ausgegeben. Die Wiesn ist schon teuer, man zahlt halt auch für die Atmosphäre. ­Außerdem ist ja alles teurer geworden. Wenn’s noch teurer wird, geht man trotzdem noch raus. Das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt aber nicht immer – das Hendl ist gar nicht knusprig!
Jill T. (27) Konditorin und Linda P. (27), Innenarchitektin, beide aus München

Das sind die Kosten der Wirte

„Der Gast entscheidet doch selbst, ob ein Preis angemesmessen ist oder nicht. Wem es in einem Zelt zu teuer ist, der kann auch wechseln“, sagt Wiesnwirte-Sprecher Toni ­Roiderer. Die Preise seien nicht überall gleich – und auch der MVV werde jedes Jahr teurer. „Wir haben auch hohe Kosten, zum Beispiel für die Musik oder die Sicherheit“, so Roiderer.

Wenig ausschlaggebend in Sachen Erhöhungen seien die Lebensmittelpreise, erläutert Christian Schottenhamel. „Die bleiben relativ stabil“, so der Chef der Schottenhamel-Festhalle. Dafür seien die Kosten etwa für Auf- und Abbau oder für Handwerker gestiegen.

Viel Wert auf das Wohl der Tiere legt Antje Schneider, Wirtin der Ochsenbraterei. „Etwa, dass die Hühner und Ochsen unter guten Umständen gehalten werden. Das kostet halt mehr. Heuer haben wir etwa neu auf unseren Brotzeitbrettln Öko-Wurst von den Herrmannsdorfer Landwerkstätten.“

„Ein Grund für steigende Preise ist, dass ich meine Leute auch gut bezahlen möchte“, stellt Löwenbräu-Wirt Wiggerl Hagn klar. „Der Gast soll etwas Gutes zu essen bekommen – deswegen muss auch der Koch ordentlich entlohnt werden. Für meinen Kaiserschmarrn habe ich zum Beispiel extra einen Spezialisten aus Österreich.“

Stephan Kuffler, Chef vom Weinzelt, kämpft mit der Politik: „Wegen der Höchstarbeitszeit darf das Personal weniger arbeiten. Dass es sich für die Leute trotzdem rentiert, muss ich sie besser bezahlen und brauche auch mehr Personal.“

joh, wei, tos, cg, ff

Oktoberfest 2016: Öffnungszeiten, Wiesn im TV und Übersichtsseite

Beim Oktoberfest 2016 gibt es erstmals Eingangskontrollen und ein Rucksackverbot. Was Sie mit aufs Festgelände nehmen dürfen, erfahren Sie hier. Was kostet heuer die Mass Bier und welche Öffnungszeiten hat die Wiesn? Hier beantworten wir Ihnen alles, was Sie zum Oktoberfest wissen müssen. Sie schaffen es selbst nicht aufs größte Volksfest der Welt? Kein Problem: Hier läuft die Wiesn im TV und im Stream. Natürlich gibt es auf der Theresienwiese einige Regeln - hier erklären wir Ihnen, was Sie niemals auf dem Oktoberfest tun sollten. Alle News zur Wiesn finden Sie auf unserer Übersichtsseite.

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