Verteidiger tauscht Robe gegen Lederhose

Dieser Anwalt verdient 8.000 Euro - auf der Wiesn

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Im Schützenfestzeit arbeitet Christian Gerber 16 Tage lang als Bedienung.

München - Christian Gerber verdient sein tägliches Brot eigentlich als Anwalt. Für die Wiesn hat sich der Jurist extra frei genommen - und kassiert in dieser Zeit ordentlich ab.

Christian Gerber lächelt, als er das Bier aus der Schänke holt. Zwölf Mass mit zwei Händen – 27,6 Kilogramm. Kein Problem für den Kellner. Er stemmt die Krüge durch die Menge und wuchtet sie auf den Tisch. „Bitteschön.“

Seit dem ersten Wiesn-Samstag arbeitet Gerber im Schützenfestzelt. 14 Stunden jeden Tag auf dem Oktoberfest, vier davon macht er Pause. Sein Mammut-Programm: Mit einem Kollegen bedient er in der Franziskaner-Box. Zwei Männer für sechs Tische, an denen je bis zu zehn Leute sitzen. „Es macht riesigen Spaß“, sagt er. „Die Leute lächeln mich an, überall spürt man diese Lebensfreude.“

Bedienung auf Wiesn – es ist der krasse Kontrast zu seinem Alltag! Denn Gerber ist eigentlich Rechtsanwalt, als Strafverteidiger versucht er Kriminelle vor dem Knast zu bewahren. Fast täglich führt er Prozesse am Landgericht. Für die Arbeit auf der Wiesn hat sich Gerber Urlaub genommen und tauscht seine schwarze Robe gegen die weiß-grüne Tracht.

Christian Gerber als Verteidiger vor dem Strafjustizzentrum.

„Ich habe mich professionell vorbereitet. Mit Muskeltraining für den Rücken“, sagt er. Denn die Arbeit ist körperlich hart. Fast im Minutentakt trägt der Anwalt Massn, Hendl oder Brotzeitbrettl durch das Zelt. „Das geht an die Substanz. Pro Tag verliere ich ein halbes Kilo Körpergewicht.“ Ein Stresstest auch fürs Immunsystem. Und Kranksein kann sich kein Kellner leisten. „Tagsüber nehme ich Magnesium gegen Krämpfe, abends Aspirin und Elektrolyte“ – so bleibt Gerber fit.

2008 bis 2010 hat er bereits auf der Wiesn bedient, im Hippodrom. „8000 Euro habe ich dort in 16 Tagen verdient.“ Im Schützenfestzelt ist er quasi eigener Unternehmer, schießt Geld vor – und verdient an jeder verkauften Mass mit.

„Zum Anwalt gehen die Leute wie zum Zahnarzt: Oft erst, wenn sie müssen“, sagt Gerber. Seine Klienten: oft Verbrecher. Aber ein Job, den Gerber liebt. Auf der Wiesn ist es umgekehrt. „Hier bin ich der, der das Bier bringt – und alle jubeln. Eine schöne Abwechslung.“ Ärger mit Besuchern hatte er nie. „98 Prozent der Leute sind nett.“ Und wer mal Mist baut, weiß ja, wer ihm aus der Patsche helfen kann: Strafverteidiger Christian Gerber.

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