Breznweiber erheben schwere Vorwürfe

Brezn-Zoff im Marstall: "Herr Able lässt uns verhungern"

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Helga Fellmeier (links) und Theresia Helgert verkauften im Biergarten vom Marstall in der ersten Woche kaum Brezn.

München - Theresia Helgert (70) und Helga Fellmeier (75) stehen im Biergarten vom Marstall und wollen Brezn verkaufen. Doch bis Samstag hatten sie kaum Umsatz. Woran liegt’s? „Herr Able lässt uns Breznweiber verhungern“, ärgert sich Theresia Helgert. Der Wirt verteidigt sich gegen die Vorwürfe.

Die Geschichte nimmt ihren Anfang, als die tz-Reporterin eine Brezn kauft und sich beiläufig nach dem Geschäft erkundigt. „Schlecht!“, lautet die frustrierte Antwort. Denn der Wirt vom Marstall soll laut Helgert seine Bedienungen angewiesen haben, keine Waren mehr an den städtischen Standl zu kaufen. „Am ersten Samstag kam keiner zu uns – und da haben wir die Bedienungen gefragt, warum.“ Antwort: „Herr Able hat es nicht erlaubt!“, sagt Helgert. Nachfragen beim Personal bestätigen dies. „Es ist nicht gern gesehen, dass wir bei ihnen einkaufen. Wir sollen die Brezn in der Küche holen“, so eine Bedienung.

Eine andere sagt, es würde sogar im Vertrag stehen, dass sie die Brezn in der Küche holen sollen – weil die Breznweiber die allergenen Stoffe nicht ausgeschrieben hätten. Und Serviceleiter Roland erklärt, dass die Brezn in der Küche gekauft werden, wenn die Gäste eine Rechnung wollen. Woher weiß die Bedienung, ob einer am Ende eine Rechnung will? „Da guckt man sich die Leute an und entscheidet dann, ob die so ausschauen, als wollten sie eine Rechnung.“

Able selbst wehrt sich gegen die Vorwürfe: „Mit den Brezn-Frauen ist nicht gut Brezn essen, weil die immer unzufrieden sind. Ich will doch den kleinen Leuten nix Böses. Ich tue alles dafür, dass die Stände Erfolg haben.“ Sogar Hinweisschilder habe er aufgehängt.

Wirt Siegfried Able (rechts) mit Otti Fischer Foto: Jantz

Theresia Helgert verkauft seit neun Jahren Brezn, die gehbehinderte Helga Fellmeier seit 27 Jahren. Doch noch nie war das Geschäft so schlecht wie heuer. Bei gutem Wetter sollten sie, niedrig geschätzt, zusammen mindestens 130 Stück verkaufen. Am Samstag waren es nur 24. „Aus dem Rest machen wir Knödel, doch so viele kann keiner essen“, sagen sie frustriert.

Die beiden gehören zu den rund 80 Rentnern, die sich an den städtischen Standl in und an den Biergärten was dazuverdienen. „Die Stadt will die Existenz der Brezn-Stände sichern und deshalb ist’s den Wirten vertraglich verboten, dass sie den Bedienungen verbieten an den Brezn-Ständen einkaufen“, lauten die Statuten.

Wie schaut es in den anderen Zelten aus? Gegenüber bei der Fischer Vroni schimpfen sie auch, weil’s zum Fisch eine kleine Brezn automatisch dazu gibt. Trotzdem verkauft ein Standl das Vielfache als am Marstall. Im Winzerer Fähndl begrüßt Wirt Peter Pongratz die Verkäuferinnen jeden Morgen persönlich. Über hundert Stück gehen dort über jede Verkaufstheke. Wirtesprecher Toni Roiderer überlässt das Brezen-Geschäft im Hacker ebenfalls den Standln. Nur drüben bei der Bräurosl trauen sich neue Kellner angeblich nicht zu den Brezn-Frauen. Weil’s auch hier Anweisungen geben soll, die Brezn in der Küche zu kaufen, heißt es.

Zurück zum Marstall: Die tz erreichte Able gestern um 10.44 Uhr. Als wir mittags am Standl vorbeischauen, lächeln die Damen. „Seit heut’ kommen sie und kaufen bei uns“, freut sich Theresia Helgert. Ein Schelm, wer da jetzt einen Zusammenhang vermutet.

Das sagt der Wiesn-Chef

Auf den Brezn-Boykott im Marstallzelt angesprochen, reagiert Wiesn-Chef und Bürgermeister Josef Schmid (CSU) gleichermaßen überrascht und empfindlich. Er sagt zur tz: „Wenn das stimmt, werden wir dem nachgehen und die ganze Sache genau untersuchen.“ Der 46-Jährige betont, welche Bedeutung die Brezn-Frauen vor den Zelten haben: „Die Standl werden nach besonderen Kriterien vergeben. Sie sind für diejenigen Menschen, die sich auch im Alter noch etwas dazu verdienen möchten.“ Die Rede ist beispielsweise von langjährigen Bedienungen, die dem Stress in den Zelten körperlich nicht mehr gewachsen sind, aber trotzdem gerne auf der Wiesn arbeiten. Schmid: „Das ist eine menschliche und soziale Komponente, die auf der Wiesn nicht fehlen darf.“ Konsequenzen? „Dann muss man vielleicht über andere Verträge nachdenken.“

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