Serie: Die Großen Wiesn-Wirte

Oktoberfest-Wirte: Traditionell gelassen im Herzkasperlzelt

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Herzkasperl-Gefahr gering: Beppi Bachmaier ist die Ruhe in Person. Mehr als 40 Jahre Gastro-Erfahrung durch den täglichen Betrieb im Fraunhofer machten ihn 2010 zum Oide-Wiesn-Wirt.

München - Eher gemütlich und mit viel Augenmerk auf Traditionen - das macht die "Oide-Wiesn" aus. Herzkasperlzelt-Betreiber Beppi Bachmaier lernte auf der „Oidn Wiesn“ das Oktoberfest völlig neu kennen.

Die Chefs der Wiesnzelte sind meist abgebrühte Oktoberfest-Experten. Aufbau, Investition, Umsatz, Abbau, Gewinn – und im nächsten Jahr alles von vorne. Beppi Bachmaier, Jahrgang 1947, ist in diesem Metier Routinier und Neuling zugleich.

Seine Routine als Wirt und Geschäftsmann holte sich Bachmaier außerhalb der Wiesn. Er betreibt seit über 40 Jahren das stadtbekannte Fraunhofer im Gärtnerplatz-Viertel, eine Gastwirtschaft mit Theaterbühne. Neuling deswegen, weil er erst seit der Jubiläumswiesn „200 Jahre Oktoberfest“ im Jahr 2010 ein großes Zelt auf der Theresienwiese betreibt. „Ich wusste überhaupt nicht, was da auf mich genau zukommt. Zum Glück hatte ich damals zufällig ein paar gute neue Mitarbeiter angeworben. Deshalb traute ich mir das erst zu“, sagt er rückblickend.

Kulturprogramm statt Abfüllhalle

Mit der Wucht seiner mehr als 40-jährigen Berufserfahrung stürzte er sich in das Abenteuer, nachdem ihn Verantwortliche wie Karl-Heinz Knoll (langjähriger Vorsitzender des Münchner Festrings) regelrecht darum baten. Anscheinend sah man in Bachmaier aufgrund seiner Fraunhofer-Vorgeschichte einen idealen Betreiber. Denn das Zelt auf der Oidn Wiesn sollte nicht nach den Prinzipien „Musik – Biertrinken – auf den Bänken stehen – betrunken herunterfallen“ funktionieren, so wie auf dem Rest der Wiesn. Es sollte ein Kulturzelt sein, mit Theater und Musik, quasi das Fraunhofer in Zeltform.

Bachmaier schüttelte damals ein vielfältiges Programm aus dem Ärmel. Er hatte die Kontakte zu unzähligen, vor allem bayerischen Künstlern über Jahre hinweg aufgebaut. Schon das Jahr 2010 brachte viele unvergessliche Erinnerungen mit sich. Die erste Oide Wiesn sollte ja ursprünglich die letzte sein. Aber die Besucher waren fasziniert von der Zeitreise in ein Oktoberfest mit Tanzfläche, Paartanz, Originaltrachten, traditioneller bayerischer Blasmusik, langsam tingelnden Karussells und einem Ambiente, das es auch erlaubte, im Zelt die Kinder ein wenig herumtollen zu lassen.

25.000 Unterschriften zum Erhalte der "Oiden Wiesn"

Dass die Oide Wiesn keine „Eintagsfliege“ wurde, hatte seinen Ursprung im Herzkasperlzelt. „Die Leute haben angefangen, in unserer Speisekarte zu unterschreiben mit der Forderung, dass die Oide Wiesn unbedingt nochmal stattfinden soll. Wir haben zum Schluss etwa 25 000 Unterschriften gezählt“, sagt Bachmaier. Diese Speisekarten mit den Unterschriften sind mittlerweile im Stadtmuseum archiviert, als historisches Dokument. Der Stadtrat reagierte damals zügig und kam dem Volkswillen nach. Bald war klar: Die Oide Wiesn kommt wieder.

Für Bachmaier waren diese Unterschriften emotionaler, als er zunächst zugibt. Er musste an den Gründungsmythos der Feier denken. „Ich fühlte mich erinnert an die allererste Wiesn 1810, die Hochzeit von Kronprinz Ludwig und Therese. Die war ja als einzelnes Ereignis geplant, eine Hochzeit eben. Und damals wollten die Leute danach auch, dass das Fest jährlich wiederkommt. Die Unterschriften waren daher schon sehr euphorisierend“, sagt Bachmaier, der es als große Auszeichnung empfindet, ein Wiesnwirt zu sein.

Etwa 2000 Plätze hat das Herzkasperlzelt, weitere 1000 im Biergarten. Bachmaier sieht es als Kultur-Oase in der Hektik des großen Oktoberfests, das manchen mittlerweile Angst macht. Bachmaier kennt Leute, die ausschließlich zur Oidn Wiesn gehen und sich große Sorgen machen, wenn sich ihr Nachwuchs auf dem großen Fest vergnügt: „Letztens erzählte mir ein guter Freund: ,Beppi, mein 16-Jähriger Bub steht jetzt grad am Schottenhamel an. Ich konnte ihm nicht verbieten hinzugehen. Ich wünscht’, er wär’ hier.‘ Es war schwer, den zu trösten.“

Trost und Freude empfindet Bachmaier selbst, wenn jemand zu ihm sagt, er wäre 10 oder 15 Jahre nicht mehr auf der Wiesn gewesen. Aber für das Herzkasperl sei er extra gekommen. Und das passiert gar nicht so selten.

Von Hüseyin Ince

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