OB-Kandidat wird Wiesn-Chef

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Der Chef gibt den Ton an: Wirtschaftsreferent und OB-Kandidat Dieter Reiter ist künftig allein für die Wiesn und andere Volksfeste verantwortlich.

München - Wirtschaftsreferent Dieter Reiter wird das neue Gesicht des Oktoberfests. Wenn Tourismusamts-Chefin Gabriele Weishäupl in den Ruhestand geht, macht Reiter die Volksfeste zur Chefsache. Für den OB-Kandidaten der SPD ist die Wiesn die perfekte Plattform, um bekannter zu werden.

Wo immer es auf der Welt um das Münchner Oktoberfest geht, ist sie nicht weit: Gabriele Weishäupl. Die Chefin des städtischen Tourismusamts ist seit mehr als einem Vierteljahrhundert Organisatorin und – noch wichtiger – das meistfotografierte Gesicht der Wiesn. „Ich habe da eine herausgehobene Stellung“, sagt Weishäupl. Doch damit ist Schluss. Im April geht sie in den Ruhestand und ihr Chef, Wirtschaftsreferent Dieter Reiter, nutzt die Gelegenheit, um das Tourismusamt umzubauen – und sich in eine gute Ausgangsposition für die Oberbürgermeisterwahl 2014 zu bringen.

Schon seit einigen Monaten war spekuliert worden, dass Reiter die Wiesn wohl zur Chefsache erklären wird und ein neuer Tourismuschef nicht mehr für die Volksfeste zuständig sein wird. „Ich kann das jetzt bestätigen“, sagte Reiter unserer Zeitung. Die Mitarbeiter hat er bereits bei einer Versammlung informiert. Denn es geht nicht nur um eine Detailänderung. Hinter den Kulissen wird die komplette Struktur der städtischen Tourismusförderung umgebaut.

Ein Tourismusamt wird es nicht mehr geben, die eigene Geschäftsstelle innerhalb des Wirtschaftsreferats wird aufgelöst. Das bisherige Amt wird als einfache Abteilung innerhalb des Referats fortbestehen – allerdings ohne die Unterabteilung, die die Volksfeste plant. Für diesen Bereich wird Reiter selbst verantwortlich sein. „Es war klar, dass ich das zur Chefsache mache“, sagt er.

Für Reiter ist der Ruhestand von Weishäupl eine gute Gelegenheit. Als OB-Kandidat der SPD muss Reiter dringend bekannter werden und das Oktoberfest garantiert das ganze Jahr über Schlagzeilen – das hat der Wirbel um einen möglichen Verkauf des Hippodroms von Sepp Krätz gerade wieder gezeigt. Die OB-Wahl ist zwar erst 2014, doch Reiter will sich schon jetzt in Stellung bringen. Aus Verwaltungskreisen heißt es, Weishäupl hätte gern noch ein paar Jahre weitergemacht. Doch Reiter erlaubte das nicht.

„Es hat keine Rolle gespielt, dass ich damit bekannt werde“, sagt Reiter. Er wolle sich als OB-Kandidat nicht auf das Thema Oktoberfest reduzieren lassen. „Aber die Wiesn ist nicht meine unangenehmste Aufgabe und natürlich ist sie öffentlichkeitswirksam.“

Offiziell geht es dem Wirtschaftsreferenten beim Umbau seines Referats darum, das Oktoberfest aus dem Einflussbereich des neuen Tourismus-Fonds herauszuhalten. Denn künftig entscheidet die Stadt nicht mehr allein über die Tourismusstrategie, sondern eine Kommission, in der neben Stadträten auch Vertreter der Hotels und der Gastronomie sitzen. Die Branche beteiligt sich im Gegenzug mit einer halben Million Euro an den Kosten (wir berichteten).

Die Kommission soll auch schon bei der Berufung des neuen Tourismuschefs mitentscheiden. In den nächsten Wochen werde die Stelle ausgeschrieben, sagt Reiter. Doch im Gegensatz zu Weishäupl wird ihr Nachfolger kaum noch Einflussmöglichkeiten haben. Ihm wird nicht nur die Zuständigkeit für die Volksfeste entzogen, sondern er hat auch in der Tourismuskommission keine Stimme. Ohnehin erscheint die Struktur der Kommission bürokratisch: Insgesamt 15 Mitglieder, je sieben aus dem Stadtrat und der Branche sowie der Wirtschaftsreferent sollen künftig Entscheidungen treffen. Dabei sagt Reiter, er wolle durch die Umstrukturierung gerade auch das Image eines bürokratischen Amtes loswerden. Ob das gelingt, ist fraglich, zumindest lässt sich so aber sparen. Durch „Synergieeffekte“ könnten langfristig zwei bis drei Stellen in der Tourismusabteilung wegfallen, sagt Reiter.

Philipp Vetter

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