Neue Reservierungsregeln

Reiter: „Die Leute finden leichter einen Platz“

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Wiesn-Chef Dieter Reiter ist überzeugt von seinen neuen Reservierungsregeln.

München - Wiesn-Chef Dieter Reiter ist zufrieden mit den neuen Reservierungsregeln, die er selbst eingeführt hat: Das Oktoberfest sei heuer entspannter. Die Wirte sind da anderer Meinung:

Wiesn-Chef Dieter Reiter klopft sich nach der ersten Wiesn-Woche zufrieden auf die Schulter: „Ich habe den Eindruck, dass die neuen Reservierungsregeln funktionieren. Dass Leute, die bisher keine Chance hatten, jetzt einen Platz finden.“ Wie berichtet, müssen heuer mehr Plätze reservierungsfrei bleiben. Reiter will damit erreichen, dass mehr Münchner das Oktoberfest spontan besuchen können. „Nicht jeder hat das Glück, von einer Firma eingeladen zu werden“, sagt der Oberbürgermeister-Kandidat der SPD. Er bemerke, dass es heuer auf der Wiesn deutlich entspannter zugehe: „Die Zelte sind auch länger auf. Ich kann rundum zufrieden sein.“

Die länger geöffneten Zelte bestätigen zwar auch die Wiesn-Wirte, aber ihr Fazit ist ein anderes: „Wir haben heuer ein anderes Publikum. Es ist jünger. Und wilder“, sagt zum Beispiel Löwenbräu-Senior-Wirt Wiggerl Hagn. Das führe zu Problemen: „Sie stehen auf den Tischen und hauen mit den Masskrügen rum.“ Für die Bedienungen sei es deshalb anstrengender. „Die Stadt muss wissen, was sie will, wir richten uns danach. Aber ich hoffe, dass man sich noch einmal zusammensetzt und die Regeln überdenkt“, sagt Hagn.

Tatsächlich wünschen sich die Löwenbräu-Bedienungen die alte Regelung zurück. Nicht nur wegen des wilden Publikums – ihnen geht das Trinkgeld flöten: „Mit den Reservierungen war es besser. Die Münchner gehen einfach nicht jeden Tag spontan auf die Wiesn. Deshalb bleiben viele Plätze unbesetzt“, sagt eine.

Auch Toni Roiderer, Sprecher der Wiesnwirte, bestätigt Reiters Eindruck, dass die Zelte heuer länger offen bleiben. Aber er bezweifelt, dass die neuen Reservierungsregeln der Grund sind: „Wir haben heuer die Oide Wiesn mit zusätzlichen 10 500 Plätzen. Freilich nimmt das Druck von der Wiesn.“ Zudem sei das Wetter überwiegend schön, die Gäste seien deshalb in die Biergärten gegangen. Auch in seinem Hacker-Zelt habe sich das Publikum verjüngt: „Das ist an sich kein Fehler. Allerdings bleiben die zehn Stunden hocken, während man bei reservierten Plätzen nach vier bis fünf Stunden wieder aufstehen muss.“ Deshalb sei fraglich, ob spontane Wiesngäste profitierten. Roiderer ist es noch zu früh für eine Bilanz: „Wir müssen abwarten, wie es sich entwickelt.“ Auch Hans Stadtmüller von der Fischer Vroni findet, es sei weniger los: „Durch die Oide Wiesn verteilt sich’s besser.“

Georg Heide von der Bräurosl hält es für fraglich, ob spontane Wiesngänger von den neuen Regeln profitieren: „Die Firmen, die nicht mehr reservieren durften, schicken ihre Werkstudenten in der Früh her, damit sie Plätze besetzen.“

Ebenfalls skeptisch ist der Hofbräu-Wirt Günter Steinberg: „In der Früh um zehn waren alle Plätze von Italienern besetzt. Die stehen nicht mehr auf.“ Einer Hofbräu-Bedienung zufolge falle zudem das Trinkgeld geringer aus: „Weil jetzt jüngere Leute auf den Plätzen sitzen.“

Wie die Reservierungen kommendes Jahr gehandhabt werden, ist noch unklar. Reiter will vor einer Entscheidung das Ende der Wiesn abwarten und sich gemeinsam mit den Wirten beraten. Aber: „Ich kann mir gut vorstellen“, sagt der Wiesn-Chef, „die Regeln nächstes Jahr so zu belassen.“

Von M. Ledermann, J. Bosch, T. Schmidt, B. Stuhlweissenburg

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