Neue Diskussion: Sollen Wiesn-Zelte später öffnen?

München - Kampf dem „Morgengrauen“: Wiesn-Chef Dieter Reiter hat eine neue Diskussion um die Öffnungszeiten der Wiesn-Zelte angestoßen. Was Reiter vorschlägt:

Beamtensprache bringt mitunter recht interessante Wortschöpfungen hervor. Eine davon ist neueren Datums und wird von der Polizei benutzt. Sie heißt „Frühansteher“ und beschreibt das Phänomen, dass zumeist junge Menschen sich schon früh am Morgen vor einem Wiesnzelt drängeln, um dann auch rechtzeitig zum Bier zu kommen. Den Sicherheitsbehörden ist das Phänomen schon länger ein Dorn im Auge. Nun stößt auch der neue Wiesn-Chef, Wirtschaftsreferent Dieter Reiter (SPD), die Diskussion über die frühen – womöglich zu frühen – Öffnungszeiten der Bierzelte auf dem Oktoberfest an.

Das Problem ist eines der Wochenenden. Speziell an den Samstagen finden sich Jugendliche – oft nach einer durchgemachten Nacht – vor den Großzelten ein, um einen Platz zu bekommen. Um 9 Uhr dürfen die Großbetriebe ihre Pforten öffnen, oft tun sie dies aber schon um 8 Uhr, um den Druck vor den Zelten abzubauen.

So schön war die Wiesn 2011

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In einer Vorlage für den Stadtrat greift Referent Reiter nun die bereits vor Jahren diskutierte Thematik wieder auf. Mit späteren Öffnungszeiten, schreibt er, könnte erreicht werden, dass sich der Lieferverkehr und die Besuchermassen nicht mehr so ins Gehege kämen. Außerdem bestünde die Möglichkeit, dass die Zahl der alkoholisiert ankommenden Jugendlichen reduziert werden könnte. Ein Durchfeiern nämlich werde bei späterem Einlass unattraktiver.

Der Sprecher der Wiesn-Wirte, Toni Roiderer, hält von solchen Ideen nichts. „Wir sollten die Wiesn nicht tot-reglementieren“, wettert er. Und überhaupt sei das alles doch nur ein Phänomen der Samstage. Schon am Sonntag sei’s am Morgen ruhiger vor den Zelten. Unter der Woche sowieso. Da startet der Ausschank jedenfalls erst um 10 Uhr.

Auf Nachfrage unserer Zeitung erklärte Wirtschaftsreferent Reiter, dass er es gar nicht auf eine spätere Öffnung abgesehen habe. „Meine Meinung ist, dass wir es so lassen, wie es ist.“ Er wolle nur eine Diskussion im Stadtrat anstoßen – zu der es am morgigen Dienstag kommen könnte.

Wo Wiesn-Gäste ein Nickerchen machen

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Die langjährige Wiesn-Chefin Gabriele Weishäupl jedenfalls findet die früheren Öffnungszeiten am Wochenende mittlerweile nicht mehr so gut, obwohl sie sich einst für diese eingesetzt hatte. „Es hat uns das sogenannte Morgengrauen gebracht“, sagte Weishäupl im vergangenen Jahr im Interview mit unserer Zeitung. Und: „Das halte ich jetzt für einen Fehler. Aber ich kann es nicht rückgängig machen.“

Matthias Kristlbauer

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