Diese Urkunde macht uns zur Biergartenstadt

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Prost auf die Biergärten! Museumsleiter Lukas Bulka in der Ausstellung

München - Dieses Dokument hat die Münchner Biergartenkultur begründet. Eine neue Austellung im Oktoberfestmuseum zeigt das Schriftstück und andere Raritäten. Wir geben einen Vorgeschmack.

Ein Schreiben des Königs brachte München den Biergarten. Es war das Jahr 1812, als König Max I. Joseph den Bierausschank an den Bierkellern Münchens genehmigte. Zum 200. Biergartenjubiläum zeigt das Bier- und Oktoberfestmuseum (Sterneckerstraße 2) deshalb ab heute in einer Sonderausstellung Zeugnisse zweier Jahrhunderte im Kastanienschatten.

Mit dem königlichen Erlass setzte der bis heute anhaltende Boom der Biergärten ein. Münchner aller Schichten treffen sich seither im Schatten der über den Kellern gepflanzten Kastanien, um kühles Bier, mitgebrachte Speisen und die einzigartig gemütliche Atmosphäre zu genießen. Museumsleiter Lukas Bulka: „Sonst unüblich, brachten früher auch viele ihre Frauen und Kinder mit.“ Um die Wirte Münchens zu schützen, war der Verkauf warmer Speisen bis 1842 verboten. Als der technische Fortschritt die Bierkeller selbst überflüssig machte, wurden diese zu prunkvollen Großgaststätten ausgebaut. Die ursprünglichen Biergärten wurden jedoch beibehalten und stehen noch heute für typisch Münchnerische Lebensart. Die Ausstellung ist noch bis 1. September jeweils Dienstag bis Samstag von 13 bis 18 Uhr geöffnet. Eintritt 4 Euro (ermäßigt 2,50 Euro).

Historische Zinndeckel

Am besten schmeckt ein kühles Bier noch immer aus einem richtigen Steinkrug. Das Bier- und Oktoberfestmuseum hat ein paar besonders schöne Exemplare vom Anfang des letzten Jahrhunderts in seinem Fundus. Die reich verzierten Zinndeckel waren übrigens damals ein ebenso beliebtes Ziel von Langfingern wie heute die Oktoberfestkrüge. Der Deckel des Knorrkellers ist eine historische Besonderheit. Der Bierkeller wurde 1862 von der Augustiner Brauerei übernommen und ist seither als Augustinerkeller weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannt.

Der Ochs vom Augustinerkeller

Im Wettbewerb um die Gunst der trinkfreudigen Münchner ließen sich die Biergärten allerhand einfallen. Die größte Attraktion im Augustinerkeller war der Bierochse. Über ein Windensystem trieb das im Kreis laufende Tier einen Aufzug an, der Bierfässer aus dem Keller zum Ausschank transportierte. Für die Gäste im 19. Jahrhundert war das „Aufzugdrahn“ ein besonders unterhaltsames Spektakel. Selbst gehobene Kreise speisten gerne in direkter Nähe des Tiers und leerten dabei etliche Mass Augustiner. Deshalb war die Trauer groß, als der technische Fortschritt auch vor dieser lieb gewonnenen Institution keinen Halt machte. Der letzte Bierochse wurde 1891 in den Ruhestand geschickt und durch einen mechanischen Aufzug ersetzt.

Der königliche Erlass

„Den hiesigen Bierbrauern solle gestattet seyn, auf ihren eigenen Märzenkellern in den Monaten Juni, Juli, August und September selbst gebrautes Märzenbier in Minuto zu verschleißen und ihre Gäste dort selbst mit Bier u. Brod zu bedienen.“ Mit diesen Worten beendete König Max I. Joseph 1812 den Streit zwischen bierausschenkenden Brauern und den um ihr Geschäft fürchtenden Wirten. Und begründete den Grundpfeiler der Münchner Biergartenkultur. Die Ausstellung zeigt einen Scan vom Original-Dokument, das im Bayerischen Hauptstaatsarchiv lagert.

CG

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