So viel verdiente er im Hippodrom

Champagner steuerfrei: Wiesn-Wirt Krätz gesteht

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Sepp Krätz, Wirt vom "Hippodrom"

München - Zwei Millionen Euro hat Sepp Krätz mit seinem Wiesn-Zelt eingenommen. Die Steuern für den Champagner im „Hippodrom“ und Bier vor dem „Andechser am Dom“ hat sich der Wirt gespart. Nach seinem vollen Geständnis will ihm das Gericht aber Gefängnis ersparen.

Der wegen Steuerhinterziehung angeklagte Oktoberfest-Wirt Sepp Krätz hat gleich zum Prozessauftakt vor dem Münchner Landgericht ein volles Geständnis abgelegt und kann jetzt mit einer Bewährungsstrafe rechnen. Die Strafkammer hatte ihm am Donnerstag zwischen eineinhalb und zwei Jahren Freiheitsstrafe auf Bewährung und eine Geldstrafe zwischen 270 und 360 Tagessätzen in Aussicht gestellt, wenn er die Taten zugebe. Darauf gestand Krätz, dem Fiskus 1,1 Millionen Euro Steuern vorenthalten zu haben.

Im Wiesn-Festzelt „Hippodrom“ war laut Anklage die gesamte Champagnerbar an den Büchern vorbeigelaufen. Die Tageseinnahmen wurden nur zu 50 Prozent verbucht, gestand Krätz. Dem Finanzamt sei so knapp eine Million Euro entgangen. Krätz zeigte sich einsichtig: Er habe Maßnahmen ergriffen, um die Mängel zu beseitigen. Die Bestandslisten würden von einer Steuerberatergesellschaft überprüft. Die Champagner-Bar im Hippodrom werde verpachtet. Der Pächter sei für ordnungsgemäße Versteuerung zuständig.

Im Wirtshaus „Andechser am Dom“ sei beim Ausschank im Freien geschummelt worden - hier soll der Fiskus um 124 000 Euro geprellt worden sein. Der 59-jährige Krätz sagte, er habe die Vorfälle zu spät bemerkt und es dann einfach hingenommen. "Ich hätte mich nie darauf einlassen dürfen. War erschrocken, welche Ausmaße das im Lauf der Zeit angenommen hat.", erklärte der Wirt vor Gericht.

Zwei Millionen Euro Einnahmen im Hippodrom

Krätz gab vor Gericht an, dass er 2013 zwei Millionen Euro (vor Steuern) mit seinem Wiesn-Zelt eingenommen hat. Aus der Waldwirtschaft "Wawi" habe er sich 11.000 Euro monatliches Gehalt als Geschäftsführer gegönnt. Das "Andechser" werfe angeblich nichts ab.

Schenkt man Krätz glauben, sieht es gar nicht so rosig aus: Verluste mache er auch mit seinem Wohn- und Geschäftshaus in Starnberg sowie mit weiteren Immobilien, etwa dem nicht verpachteten "Andechser" in Mering. Seiner Ex-Ehefrau schulde er noch 250.000 Euro.

Der Ausgang des Prozesses könnte für Krätz auf dem Oktoberfest Konsequenzen haben: Der langjährige Wirt des Promi-Zelts „Hippodrom“ könnte seinen Platz auf der Festwiese verlieren. Am 28. April entscheidet der Wirtschaftsausschuss der Stadt München über die Zulassung der Wirte, Marktkaufleute und Schausteller für dieses Jahr. Weitere Verhandlungstage sind am 21. und 28. März angesetzt.

Derweil wird für Donnerstag bereits ein Urteil im Hoeneß-Prozesserwartet.

ebu/dpa

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