Nach 26 Jahren im Amt: Servus, Frau Dr. Wiesn!

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26 Jahre lang war Gabriele Weishäupl die Chefin der Wiesn.

München - Eine Ära geht zu Ende. Gabriele Weishäupl hat nach 26 Jahren ihre letzte Wiesn als Chefin beendet. Ihre Bilanz ist ist mehr als beeindruckend. Auch die Idee mit der Oiden Wiesn stammt von ihr.

Um fünf Uhr am Montagmorgen wachte Gabriele Weishäupl (64) auf und konnte kein Auge mehr zumachen. Am Montag war ihr letzter Wiesn-Tag als Chefin, nach 26 Jahren im Dienst blies Frau Dr. Wiesn (Kollegen sprechen sie stets respektvoll mit ihrem Doktortitel an) zum letzten Mal ihre Friedenskerze im Büro aus.

Die schönsten und lustigsten Wiesn-Herzerl

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„Hoffentlich fragt mich keiner, wie’s mir geht …“, sei ihr erster Gedanke gewesen, erzählt sie später. Und sie kokettiert nicht mit ihrer Wehmut. Ihre Augen zeigen den Abschiedsschmerz. Gerade dass sie nicht darüber reden kann, zeigt, wie schwer ihr das Gehen fällt.

Um acht Uhr verlässt Gabriele Weishäupl das Haus – an ihrem Arm hat sie ihr glitzerndes Bandl angelegt, das sie vor zehn Jahren geschenkt bekommen hat. Darauf steht: „Wiesn-Chefin“. Ein Glück, dass sie am Montag noch so viel zu tun hatte: zuerst die Bilanz-Pressekonferenz, dann dirigierte sie ein letztes Mal beim Böllerschießen, dann ein Interview nach dem anderen. Jeder will wissen, wie die Wiesn heuer aus Sicht der Veranstalterin war. Der Stress ist ihr willkommen. Da scheint es, als sei es ein ganz normaler Tag. „Die Wiesn ist meine Aufgabe und meine Pflicht, die ich sehr ernst nehme“, das war immer ihr Motto.

Wo Wiesn-Gäste ein Nickerchen machen

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Was hat sie nicht alles erreicht: Sie hat die Wiesn sicherer gemacht, zum Beispiel durch die Verbreiterung der Rettungswege oder die Einführung des Sicherheitsrings. Und sie hat die Tradition der Wiesn bewahrt: Sie hat den Paragrafen 58 verschärft und damit Modeschauen, Werbetermine und politische Veranstaltungen verboten – alles, was das Oktoberfest nur als Kulisse benutzt. Sie hat bestimmt, dass die Musik vor 18 Uhr nicht zu laut sein darf.

So schön ist es auf der Oidn Wiesn

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Eine ihrer größten Leistungen: Sie hat die Oide Wiesn eingeführt und damit wieder mehr ältere Münchner sowie Familien auf die Wiesn gelockt. „Darauf bin ich wirklich stolz“, sagt sie. Die Wiesn ist eben nicht nur ein Job für Gabriele Weishäupl. Sie war und ist ihr zweites Leben, für das sie wie eine „alte Krähe“ (Zitat aus einer ausländischen Zeitung) kämpfte.

Am Abend wird es für sie doch richtig schwer: Beim Abschied von den Kollegen bekommt sie eine Dirndlschürze mit Polizeilogo, ein Gruppenbild von den Tourismusamt-Mitarbeitern sowie einen Geschenkkorb von der Wiesnwache. Weishäupl kann die Tränen nicht mehr zurückhalten. „Jetzt verliere auch ich meine Fassung …“

Macht’s jetzt Dieter Reiter?

Ende März geht Gabriele Weishäupls Amtszeit als Tourismusdirektorin endgültig zu Ende. Offiziell steht noch kein Nachfolger fest, hierfür soll es eine Ausschreibung geben.

Als wahrscheinlich gilt jedoch eine Misch-Lösung: Dieter Reiter (SPD), der als Wirtschaftsreferent quasi ohnehin schon der zweite Wiesn-Chef ist, könnte zur Oktoberfest-Zeit auch Weishäupls Job übernehmen und damit der alleinige Chef werden.

In Rathaus-Kreisen munkelt man, diese Funktion könne ihn dann für seine mögliche OB-Kandidatur 2013 bekannter und populärer machen.

Nina Bautz

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