Münchner SPD: Die Wiesn ist kein Weltkulturerbe!

München - Die Schausteller und Wiesn-Chefin Gabriele Weishäupl wollen, dass die Wiesn als „immaterielles Weltkulturerbe“ unter UNESCO-Schutz gestellt wird. Die Rathaus-SPD stemmt sich nun dagegen.

Es gibt wohl kaum etwas, worauf die Münchner so stolz sind wie auf ihr 200 Jahre altes Oktoberfest. Die deutschen Schausteller und Wiesn-Chefin Gabriele Weishäupl wollen, dass die Wiesn als „immaterielles Weltkulturerbe“ unter den Schutz der Weltkulturorganisation UNESCO gestellt wird. Die Rathaus-SPD stemmt sich nun dagegen. Am Freitag reichte Fraktionsvize und Wiesn-Stadtrat Helmut Schmid einen Antrag ein, der den Schutz für die Wiesn verhindern soll.

Bilder der historischen Wiesn

Historische Wiesn: Die ersten Bilder

Wiesn-Chefin Gabriele Weis­häupl hatte das Thema Oktoberfest als Weltkulturerbe schon 2008 beim Vorsitzenden der Weltkulturerbestätten Horst Wadehn angeregt, der deutsche Schaustellerbund griff den Vorschlag bei seiner Jahrestagung im Januar 2009 in Berlin auf. „Dann wäre die Wiesn so etwas wie ein denkmalgeschütztes Gebäude, mit dem man behutsam umgehen muss“, so damals die Wiesn-Chefin, die sich seit jeher für die Erhaltung der Wiesn-Tradi­tionen einsetzt. Sie hoffte, dass ihr der UNESCO-Titel dabei helfen könnte. Und auch Manfred Newrzella, Vorsitzender des Vereins Münchner Brauereien und als Geschäftsführer des Festringes für den Wiesn-Trachtenumzug zuständig, argumentierte 2009: „Bier, Genuss und das bayerische Lebensgefühl allgemein ist ebenso Kultur wie Literatur.“

Doch seit Freitag dürfte bei den Befürwortern des Wiesn-Weltkulturerbes ein gehöriger Kater ausgebrochen sein: Wiesn-Stadtrat und SPD-Fraktionsvize Helmut Schmid beantragte, dass die Stadt verhindern soll, dass das Oktoberfest als immaterielles Weltkulturerbe geschützt wird! Schmid begründet das mit einer äußerst ernüchternden Feststellung: „Das Oktoberfest ist sicherlich einzigartig. Ob es aber gerade Bräuche, Darstellungen, Ausdrucksformen, Wissen und Fertigkeiten sind, die das Oktoberfest zu dem machen, was es ist, darf bezweifelt werden.“ Das sind nämlich die Voraussetzungen, die ein Kandidat für das „immaterielle Weltkulturerbe“ erfüllen muss. Die Wiesn müsste zudem als geschütztes Kulturgut durch „Dokumentation, Forschung, Sicherung, Schutz, Förderung, Aufwertung, Weitergabe insbesondere durch schulische und außerschulische Bildung“ erhalten werden – alles Argumente, die für Schmid gegen den Schutz als Weltkulturerbe sprechen. Er fürchtet aber vor allem, dass „sich das Fest nicht mehr weiter entwickeln kann und statisch wird“.

Eine Wiesn-Tradition hat Schmid jedenfalls schon gebrochen: Er hat seinen Vorstoß nicht mit den Beteiligten abgesprochen. Festring-Geschäftsführer Manfred Newrzella will deshalb nichts dazu sagen. Münchens Schausteller-Chef Edmund Radlinger ist jedenfalls enttäuscht über den SPD-Vorstoß: „Da bin ich baff, das ist eine harte Nummer. Tradition und Fortschritt schließen sich nicht aus. Wenn aber die Wiesn keine Tradition ist, was dann?“

J. Welte

Rubriklistenbild: © Schlaf

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