Münchens Taxis: Verkehrskollaps zur Wiesn

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Besonders zwischen Hauptbahnhof und Wiesn könnte der gesamte Verkehr zusammenbrechen, weil die Taxen sich auf engem Raum drängen.

München - Zum Oktoberfest leisten sich viele Besucher gerne ein Taxi. Doch dieses Jahr könnte es Probleme geben. Die Münchner Taxi-Fahrer kritisieren das Sicherheitskonzept und befürchten zu den Stoßzeiten einen Verkehrskollaps.

Wiesn, Bier und Taxi – das gehört zusammen. Oder wie Paul Rusch von der Taxi-München eG sagt: „Das Taxi ist ein Grundbedürfnis auf der Wiesn.“ Heuer könnte das wegen der Taxi-Standorte, die im neuen Sicherheitskonzept mit dreifachem Sicherheitsringvorgesehen sind, zu Problemen führen. „In Stoßzeiten droht ein Verkehrskollaps!“ warnten die Münchner Taxler am Dienstag bei der Vorstellung ihres Wiesn-Konzepts. Und der MVG-Streik ist auch noch nicht vom Tisch …

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Mit öffentlichen Verkehrsmitteln zur Wiesn

Das Problem: Während westlich der Theresienwiese gar kein Taxi-Standort vorgesehen ist und die Fahrgäste weite Wege auf sich nehmen müssen, sind es im Norden fast schon zu viele Plätze. Allein in der Schwanthalerstraße sind 70 bis 80 Plätze vorgesehen. Wenn am Wochenende großer Andrang herrscht und die Taxen teils nur im zweispurigen Bereich wenden müssen, kann es zum Chaos kommen. „Und bei einem MVG-Sreik – wenn alle mit der S-Bahn fahren müssen – kann es sogar sein, dass zwischen Hauptbahnhof und Wiesn alles lahmliegt“, sagt Thomas Kroker von Taxi-Genossenschaft.

Die Besucherzahlen der Wiesn seit 1980

Die Besucherzahlen der Wiesn seit 1980

„Aber wir mussten nehmen, was uns präsentiert wurde. Auf Einwände haben die Behörden nicht reagiert.“

Auch die Polizei rechnet mit möglichen Problemen. Deshalb erwägt sie erstmals, einen Teil der Schwanthaler Straße für den Verkehr zu sperren. „Wenn wir sehen, dass es eng wird, können wir flexibel eingreifen“, sagt Tina Richter, Kontaktbeamtin vor Ort. Vorerst sind vorübergehende Sperrungen zwischen Martin-Greif-Straße und Paul-Heyse-Straße angedacht. „Dann könnte es aber einen Stau in der Landsberger Straße geben“, so Kroker.

Südlich der Wiesn sieht das Konzept im Gegensatz zur zweiten Woche im Vorjahr eine Anfahrt bis zur Hans-Fischer-Straße vor. Auch an der Lindwurmstraße gibt’s mehr Plätze als 2009.

Trotzdem sehen die Taxler weitere Probleme:

Dauer-Brenner Rikscha-Fahrer: Vergangenes Jahr gab’s Stunk, weil die Rikscha-Fahrer auch nach der Sperrung des Bavariarings bis zu den Eingängen vorfahren durften, um Gäste abzuholen – die Taxler nicht. Heuer können zwar auch die Fahrrad-Taxen (genauso wie alle Radler) wegen der Poller nicht mehr vorfahren, sondern haben Stellplätze in der Schubertstraße, der Kobellstraße und am St. Paul-Platz. „Aber sie sind noch näher dran und wir haben wieder schlechtere Karten“, sagt Vorstand Alfons Haller. Sein Vorwurf: „Die Rikschas werden vom Rathaus geschützt.“

Behördenhof: Erstmals dürfen die Taxler nicht mehr zum Behördenhof fahren, um etwa Verwandte von Verletzten oder Leichtverletzte zu transportieren. Gisbert Frühauf vom BRK: „Der Abtransport der Verletzten bleibt trotzdem gesichert.“

Weite Wege: Nach Meinung der Taxi München eG wird es gerade für Senioren und Behinderte schwer, zur Wiesn zu kommen, weil die Anfahrtspunkte am Festplatz fehlen. „Auch andere Fahrgäste müssen wissen, dass sie heuer besonders westlich der Wiesn weitere Wege gehen müssen und nach Süden und Osten ausweichen sollen“, sagt Kroker. Sein Kollege Rusch fügt hinzu: „Wir hoffen, dass die Hinweisschilder zu den Taxiständen deutlicher sind als vergangenes Jahr.“ Die Taxler haben extra 100 000 Infokärtchen mit Lageplänen gedruckt.

Wolfgang Wenger von der Münchner Polizei bittet um Verständnis: „Wir und die Stadt haben keine Maßnahmen getroffen, die nicht notwendig sind – alle Entscheidungen fielen nach umfassenden Begehungen. Hier hat die Sicherheit der Besucher Vorrang vor der Bequemlichkeit.“

Die Brennpunkte

Im Norden: Der Brennpunkt: Weil allein in der Schwanthalerstraße bis zu 80 Taxis stehen, könnte der Verkehr in Stoßzeiten (und erst recht bei einem MVG-Streik!) auch in der Landsberger und Bayerstraße zum Erliegen kommen.

Im Westen: Der einzige Stellplatz liegt in der Ganghofer Straße. Die Taxifahrer bemängeln, dass die Fahrgäste, die Richtung Pasing müssen, heuer viel zu weite Wege oder erst einmal Richtung Osten gehen müssen.

Im Osten: Rund um den Kaiser-Ludwig-Platz gibt es viele Stellplätze. Aber die Taxler hätten gerne Anfahrtsplätze direkt an den Sperrungen vor den Wiesn-Eingängen, an denen sie Behinderte und Senioren hinauslassen können.

Im Norden: Hier sieht das Konzept sogar mehr Plätze und Anfahrtsmöglichkeiten als der Notfallplan vor, der im vergangenen Jahr in der zweiten Woche in Kraft getreten ist: an der Hans-Fischer-Straße und in der Lindwurmstraße.

Nina Bautz

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