Münchens süßes Herz schlägt in Aschheim

Herzig: In Bernd Dostlers Backstube in Aschheim herrscht das ganze Jahr über Wiesnzeit. Foto: agm

Aschheim - München, Weltstadt mit Herz? Von wegen. Münchens Herz schlägt in Aschheim und gehört Bernd Dostler.

Wer ein Wiesn-Lebkuchenherz in Händen hält, der kann fast zu 100 Prozent sicher sein: Dies ist in der Werkstatt der „Zuckersucht GmbH“ in der Aschheimer Sternstraße 6 entstanden. Ob bei der Vorstellung von Münchens Olympiamotto 2018 - die mit dem schwungvollen Motto verzierten Lebkuchenherzen kamen aus Aschheim. Bei der Übergabe des süßen Herzens, geschmückt mit dem Wappen von Benedikt XVI. und zwei zuckrigen Edelweißblüten, durch Finanzminister Georg Fahrenschon beim Papst-Besuch in München - das Herz entstand in der Aschheimer Sternstraße. Beim Oktoberfest in Berlin, in Brasilien, in Shanghai, dort mit chinesischen Schriftzeichen verziert, in der Bayerischen Herzl- Zentrale auf der richtigen Wiesn - die bunten Lebkuchenherzen mit all den fröhlichen Sprüchen, sie entstanden in der Zuckerwerkstatt von Dostler in Aschheim.

So schön war die Wiesn 2010

So schön war die Wiesn 2010

Allein 500 000 Herzen produzierte und verkaufte Dostler 2010 bei der Jubiläumswiesn. Beispielsweise jene 770 rot-weiß umrandeten Riesenherzen mit den Namen der Gäste von Regine Sixt beider Damenwiesn im Hippodrom. Klar, dass Dostler den Auftrag erhält. Wer sonst würde am Abend zuvor die endgültige Gästeliste entgegen nehmen, über Nacht die Herzen beschriften, sie einpacken und um 6 Uhr im Festzelt aufhängen. Zu diesen Münchner Wiesnherzaufträgen kamen noch Herzen für bayerische Oktoberfeste weltweit hinzu. Beispielsweise gingen 20 000 Lebkuchenherzen nach Australien.

Eigentlich hätte der sympathische Konditormeister aus Weiden in der Oberpfalz, der sehr bescheiden statt von seinem Können und seiner Ideenkraft davon spricht, dass er „Glück hatte“, den elterlichen Betrieb übernehmen sollen. Café Dostler kennt in der Oberpfalz jeder. Etwas lustlos lernte der 1975 geborene Mann im elterlichen Betrieb. Mit 22 Jahren zog es ihn nach München, etwas Neues kennenlernen. Im Café Münchner Freiheit wurde er Chef der Backstube. 1998 in Florida beim Urlaub mit der Freundin änderte sich sein Leben radikal. Am Strand erlebte er eine Geburtstagsgesellschaft, die eine Torte bewunderte, auf der das Bild des Geburtstagskindes zu sehen war. „Dieses Drucksystem für Fotomotive muss ich haben“, war sein erster Gedanke. Zwei Jahre später hatte Dostler sich die Rechte gekauft, gründete seine Firma und brachte 2001 das erste Lebkuchenherz „mit echtem Firmenlogo zum Essen“ heraus. Er gab sich den frechen Namen „Zuckersucht“ - geradlinig, direkt und schonungslos. Er schmunzelt: „Die Menschen sollten doch süchtig nach meinen Produkten werden.“ Das hat er erreicht.

2002 erhielt er mit diesem Fotodrucksystem den Zugang zur Wiesn. Raffiniert: Die Lebkuchenherzen-Rechte waren ja in fester Hand. Aber Dostler lief unter Fotografen. Vor Ort in der Bayerischen Herzlzentrale ließen sich die Wiesnbesucher fotografieren und auf die Herzen drucken. Dostler schuf die ersten Fotoherzen der Wiesn. Die dazu gehörigen Herzen kaufte er ein. Dann hatte er wieder „Glück“: Mit der als Erfinder des Münchner Lebkuchenherzes geltenden, aber in finanzielle Not geratenen Backstube Tschernich konnte er in München endlich eine eigene Backstube und das Wissen um das Backen von Lebkuchen übernehmen. Der Startschuss zum Erfolg.

Schnell wurde die Backstube zu klein. Auf 3500 Quadratmetern gekauften Grund in Aschheim entstand die riesige Back- und Einpackstube, sowie unter dem Dach sein eigenes neues Zuhause. Inzwischen beschäftigt die Firma 55 Festangestellte und zur Hochzeit Richtung Wies weitere 55 Mitarbeiter.

Den endgültigen Durchbruch und sein Bekanntwerden als Vater der Münchner Herzen verdankt er der Faschingszeit: In diesen Tagen denkt er gern an 2003 zurück, als er der „Prinz der Herzen“ war und als Börni I. für die Narrhalla 50 000 Orden in Form von Lebkuchenherzen unters Narrenvolk verteilte.

Von Annette Ganssmüller-Maluche

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