Bürgermeister spricht zum Wiesn-Start

Schmid im tz-Interview: "...dann könnten wir den Zaun auch wegnehmen"

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Hat die Wiesn schon einmal angetestet: Bürgermeister Josef Schmid hofft auf viele Besucher beim größten Volksfest der Welt.

München - Bürgermeister Josef Schmid äußert sich kurz vor Wiesn-Start noch einmal zum Sicherheitskonzept. Der CSU-Politiker appelliert im Interview an potenzielle Besucher.

Kaum jemals zuvor war das Thema Sicherheit beim Oktoberfest derart präsent wie in diesem Jahr! Kommt der Zaun, kommt er nicht, was ist mit Taschen- und Rucksäcken? Alles Fragen, die sich Vertreter der Stadt und der Sicherheitsbehörden mehrfach gestellt haben. Nun steht das Sicherheitskonzept - und der Zaun. Viele betrachten diese Entwicklung mit Argwohn, haben keine Lust auf eine Wiesn hinter Gittern! Wiesn-Chef Josef Schmid appelliert aber im tz-Interview, doch auf das Oktoberfest zu gehen. Denn: "Die Wiesn ist das größte völkerverbindende Fest der Welt. Und dem fernzubleiben, wäre genau das, was einige Terroristen auf der Welt wollen." Außerdem verrät der Bürgermeister, wie das Mehr an Sicherheit finanziert wird und warum er glaubt, dass im nächsten Jahr die Bierpreise möglicherweise erstmals nicht angehoben werden müssen.

Bürgermeister Schmid im Interview

Herr Schmid, wie viel weniger Besucher werden heuer auf die Wiesn kommen?

Josef Schmid: Ich glaube nicht, dass es weniger werden. Ich bin da zuversichtlich. Es hängt natürlich ein bisschen vom Wetter ab. Wenn es eine kühle Herbstwiesn wird, dann werden es vielleicht 100.000 oder 200.000 weniger.

Das Thema in den vergangenen Wochen war aber mehr die Sicherheit als das Wetter.

Schmid: Also, ich treffe einige Leute, die sagen: Egal, was ist, ich gehe immer. Dann treffe ich weniger Leute, die sagen, ich habe ein ungutes Gefühl, ich gehe nicht. Und das Gros der Leute, das ich treffe, sagt mir: Du hast völlig recht gehabt mit dem Zaun. Und wir gehen hin, weil wir uns sicher fühlen. Ich kann auch an dieser Stelle nur appellieren: Überlegt es Euch! Die Wiesn ist das größte völkerverbindende Fest der Welt. Und dem fernzubleiben, wäre genau das, was einige Terroristen auf der Welt wollen.

Kritiker halten den Zaun für übertrieben.

Schmid: Wir haben mit dem Sicherheitskonzept das getan, was erforderlich und angemessen ist. Es gibt keine übertriebenen Maßnahmen. Der Zaun schließt nur eine letzte Lücke von 350 Metern, kaum jemand wird den wahrnehmen oder im Bewusstsein haben. Er ändert den Charakter des Festes nicht.

Die Zugangskontrollen werden wahrgenommen …

Schmid: Wer auf die Wiesn geht und keine Taschen dabei hat, der geht an den Ordnern vorbei, die lassen einen dann passieren. Da werden sich keine Schlangen bilden. Wer einen Rucksack dabei hat, der wird rausgewunken und muss den abgeben. Aber auch das wird den Eingang nicht blockieren.

Der Zaun war politisch umstritten, der Stadtrat hat ihn abgelehnt. Jetzt ist er doch da. Verspürt man da nicht ein bisschen Genugtuung?

Schmid: Gar nicht. Die Sicherheit nehme ich so ernst, dass ich da keine Gefühle von Triumph oder Genugtuung habe. Als die Mehrheit des Stadtrates Nein gesagt hat, hatte ich dafür kein Verständnis, das stimmt. Denn schließlich haben den Zaun Sicherheitsexperten vorgeschlagen. Durch die Anschläge hat sich dann die Situation verändert - der Zaun war wieder auf der Tagesordnung. Und auch das Rucksack- und Taschenverbot.

Die Aufbewahrung für die Rucksäcke kostet - bis zu sieben Euro. Ist das nicht übertrieben?

Schmid im Interview.

Schmid: Die Botschaft ist doch klar: Lasst bitte Eure Rucksäcke und Taschen zu Hause! Jemand, der ihn aus medizinischen Gründen braucht, kann ihn natürlich mitnehmen. Dann wird der Rucksack entsprechend gekennzeichnet. Und für alle anderen gibt es eine Aufbewahrung. In diesem Zusammenhang finde ich eine Preisdiskussion unangemessen. Wir haben zum Beispiel bei einem Betreiber pro Standort über 800 Plätze. Das ist mit Aufwand und Personal verbunden. Es geht hier nicht darum, Geld zu verdienen. Es geht um Sicherheit.

Stellt der Zaun nicht an sich ein Sicherheitsrisiko dar? Stichwort Panik?

Schmid: Es muss erst mal ein Fall eintreten, bei dem es zur Entfluchtung kommt. Und in diesem unwahrscheinlichen Fall kann der Zaun, der oben auf der Hangkante steht, in unter 50 Sekunden eingerollt werden. Das haben wir getestet. Vom Zaun geht keine Gefahr aus.

Bleibt der Zaun über 2016 hinaus?

Schmid: Das Sicherheitskonzept wird jedes Jahr fortgeschrieben. Wenn man zu dem Ergebnis käme, dass man den Zaun nicht mehr bräuchte, könnte man ihn auch wieder wegnehmen.

Zaun, mehr Ordner, das wirkt sich auf die Kosten aus, die müssen ja schließlich umgelegt werden.

Schmid: Das ist nichts, was aus Steuermitteln bezahlt wird. Das Oktoberfest ist eine sich selbst rechnende Veranstaltung. Das heißt: Die Kosten werden auf die umgelegt, die an der Wiesn verdienen.

Die Beschicker sind aber keine karitativen Unternehmen, die leiten es an die Besucher weiter.

Schmid: Ich habe es früher schon oft genug gesagt, dass ich nicht verstehe, warum die Preise jährlich steigen müssen. Ich würde mich auch gerne mal mit allen Beteiligten an einen Tisch setzen, um ein Jahr der Preisstabilität zu besprechen. Vielleicht fällt uns da für nächstes Jahr etwas ein, weil wir da zwei zusätzliche Tage haben. Das senkt die Fixkosten, und die Beschicker machen noch mal mehr Geschäft.

Also ein Jahr der Preisstabilität 2017?

Schmid: Wir werden sehen, was sich machen lässt. Jetzt habe ich erst mal diese Wiesn im Blick und dann die Oide Wiesn 2017.

Die Fahrgeschäfte werden heuer teilweise günstiger?

Schmid: Es gab Kritik von den familienfreundlichen Geschäften, die außerhalb der Oidn Wiesn stehen. Da habe ich schon zu dieser Wiesn dafür gesorgt, dass die weniger Standgebühren zahlen. Und jetzt im Herbst schlage ich dem Stadtrat vor, dass wir ihnen in Zukunft noch weiter entgegenkommen.

Stichwort Zukunft! Was ist wichtiger - Flächen fürs Wohnen oder Gewerbe?

Schmid: Wir müssen schauen, warum kommen die Leute? Weil es in München lebenswert ist, weil wir die Grün- und Erholungsflächen haben. Deswegen müssen wir die erhalten. Und natürlich kommen die Leute, weil die Wirtschaft blüht. Wenn ich für einen Handwerker aber keine Flächen mehr habe und er umziehen muss, dann wäre das das Ende dieser Erfolgsgeschichte.

Muss man dann nicht auch bei den Gewerbeflächen die Kooperation mit den Umlandgemeinden suchen?

Schmid: Richtig, und das habe ich bereits in einem Arbeitskreis angestoßen. Wir müssen regional denken.

Das tut der Schlachthof?

Schmid: Mit uns hat niemand gesprochen. Wenn es so sein sollte, dass die Betreiber der Schlachtungen rauswollen, dann wäre ich der Erste, der sagt, dann machen wir da was anderes hin. Das Areal könnte man für Wohnungen nutzen - und für Gewerbe.

Interview: S. Karowski, J. Welte

Heuer wird's exotisch-süffig

Eindruck vom Oktoberfest.

Der Amazonas, eine Saftbar und dazu ein erfrischender Frozen Yoghurt: Was nach Urlaub in der Ferne klingt, findet man heuer auch auf der Wiesn. Wem also nicht nach Hendl, Bier und Co. gelüstet, der bekommt auf der Theresienwiese viele Alternativen. Perfekt in den anstrengenden Wiesntag kann man an Michael Töppers Saftbar starten. Er lockt Gesundheitsbewusste weg vom Bier zum Fruchtsaft. Sechs verschiedene Powerdrinks zum Entgiften, und reichhaltige Cocktails, Smoothies und Salate aus frischen Früchten ergänzen sein Angebot.

Anschließend würde sich eine Reise durch den Wiesn-Dschungel anbieten. Der Amazonas ist zwar nicht zum ersten Mal auf der Wiesn, entführt einen aber raus aus dem Trubel in die Welt exotischer Spinnen, Piranhas, lebender Reptilien und Schlangen. Auch die Geschicklichkeit der Besucher wird auf die Probe gestellt. "Eine leckere Schleckerei" (O-Ton Wiesn-Chef Josef Schmid) gibt's bei Jo Kurt, wo Michael Courtney zur Erfrischung Frozen Yoghurt in Bio-Qualität anbietet. Cremig aufgeschlagen mit Früchten, Nüssen und Schokolade die ideale Nachspeise! Tipp: Schauen Sie doch mal in Roiderers neuem Hackerzelt vorbei und entdecken Sie die herrlichen Malereien!

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