Millionärswiesn: Oktoberfest-Pakete für 2300 Euro

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600 Euro zahlen die Millionäre, um nicht vorm Schützenzelt in der Schlange stehen zu müssen.

München - Ein exklusiver Besserverdienenden-Zirkel bietet für seine Mitglieder Oktoberfest-Pakete an – der Preis: 2300 Euro.

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Eine kleine Welt will das Internetnetzwerk „A small world“ sein. Wer sich hier anmeldet, möchte unter sich bleiben. Registrieren darf sich nur, wer eine persönliche Einladung eines anderen Mitglieds vorweisen kann. Die Zielgruppe ist klar definiert: Besserverdienende. „Facebook für Reiche“ wird das Netzwerk mit rund 600 000 Mitgliedern genannt. Geschäftsleute gehören dazu, Millionäre, angeblich auch Hollywood-Schauspieler.

Ein paar Mal im Jahr organisiert „A small world“ Treffen irgendwo auf der Welt für seine Mitglieder. Heuer kommen sie auch aufs Oktoberfest. „ASW-Oktoberfest-Weekend“ heißt die Millionärswiesn und kann über das Internet pauschal gebucht werden. Das Programm ist exquisit: Anreise am Freitag vor dem mittleren Wiesn-Wochenende, genächtigt wird im Fünf-Sterne-Hotel „Charles“, zum Feiern geht es abends erst mal in den Club „Heart“ am Lenbachplatz. Am Samstagvormittag steht erstmal ein Dirndl- und Lederhosen-Einkauf auf dem Programm – natürlich mit „privatem Shopping-Concierge“. Am Nachmittag geht es dann endlich auf die Wiesn. Gebucht ist angeblich ein Alles-inklusive-Paket im Schützenzelt. Die Veranstalter werben mit „unbegrenzt Bier und Backhendl, bis geschlossen wird.“ Am nächsten Tag soll im Käfer-Zelt weitergefeiert werden. Der Preis für das komplette Paket: 4600 Euro für zwei Personen – allein der Abend im Schützenzelt kostet pro Gast 600 Euro.

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Ludwig Reinbold, Junior-Wirt im Schützenzelt, erfährt erst durch die Anfrage dieser Zeitung von der geplanten Sause. „Ich halte von solchen Veranstaltungen überhaupt nichts“, sagt Reinbold. „Das passt nicht zum Charakter der Wiesn und gehört nicht dorthin!“ Eine Reservierung für das Netzwerk gebe es nicht. Reinbold vermutet daher, dass jemand seine Reservierungen weiterverkauft hat. „Das ist nicht erlaubt“, sagt der Wirt. „Wir gehen aktiv gegen solche Geschäfte mit Wiesn-Plätzen vor.“ Reinbold will nun versuchen herauszufinden, wer hinter der Reservierung steckt, und diese dann streichen. „Der Gast hat in diesem Fall keinen Anspruch auf den Platz im Zelt, auch, wenn er 600 Euro dafür gezahlt hat.“ Das sei auch für die Wirte „eine sehr unangenehme Situation“. Noch deutlicher wird Reinbold bei den angeblich inbegriffenen Getränken. „Es gibt keine Bier-Flatrate. Das ist absolut nicht üblich auf der Wiesn.“

Auch Michael Käfer sei völlig ahnungslos gewesen, sagt seine Sprecherin. In Käfers Wiesnschänke soll der Millionärswiesn-Besuch am Sonntag ausklingen. 150 Euro zusätzlich kostet das die Mitglieder – nur, um am Mittag ins Zelt zu kommen. Nicht einmal der üblicherweise mit einer Reservierung verbundene Mindestverzehr ist laut dem Angebot im Internet enthalten. „Das ist auf keinen Fall im Sinn von Michael Käfer“, sagt die Sprecherin. Der Weiterverkauf von Reservierungen sei in jedem Fall verboten. Ob es sich tatsächlich um einen Weiterverkauf handelt, kann sie nicht bestätigen. Es könne auch sein, dass das Netzwerk tatsächlich reserviert habe. Dass allerdings teure Einlasskarten aus den Reservierungen werden, „wird in jedem Fall Konsequenzen haben“, so die Sprecherin. Wie die aussehen könnten, wollte sie nicht sagen.

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Wiesn-Chefin Gabriele Weishäupl ist ebenfalls nicht begeistert vom Millionärswiesn-Angebot. „Diese Super-Schicki-Geschichten mag ich nicht“, sagt sie. „Die Wiesn ist ein Volksfest, und da soll auch das ganze Volk hingehen können.“ Eine solche Veranstaltung „passt nicht zum Oktoberfest“.

Bei „A small world“ war niemand für eine Stellungnahme zu erreichen. Nachfragen könnten die Wirte aber wohl direkt beim Eigentümer des Netzwerks. Der Schweizer Patrick Liotard-Vogt, schwerreicher Nachfahre der Nestlé-Gründerfamilie und Eigentümer des Netzwerkes, antwortet auf die Frage des Mitgliedermagazins, wo man ihn treffen könne, unter anderem: „Beim Genießen eines Biers im Käfer’s während des Oktoberfests in München.“

Philipp Vetter und Ann-Kathrin Gerke

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