"Das Oktoberfest ist einmalig"

Seit 20 Jahren treue Wiesn-Besucher

Spaß auf dem Oktoberfest haben die beiden Römer auch in den Fahrgeschäften. fotos: schlaf (4), Sauer (1)

München - Seit 20 Jahren kommen Andrea und Cristiano Buffa aufs Oktoberfest. Wir haben die beiden Römer bei ihrem Wiesn-Besuch begleitet.

„Bei meinem ersten Mal hat eine Mass Bier noch 8000 Lire gekostet“, sagt Andrea Buffa wehmütig. Und trotzdem sitzt er am Freitagvormittag im Winzerer Fähndl auf der Theresienwiese und zahlt mehr als das Doppelte. Seit 20 Jahren besucht der Römer die Wiesn – traditionell zum Italienerwochenende. „Das Oktoberfest ist einmalig. Es ist großartig und toll organisiert“, schwärmt der 38-Jährige. Aber dafür knapp 1000 Kilometer zu fahren? „Ja, ich habe lieber ein gutes Fest in München als sieben schlechte in Italien.“

Mit seinem Bruder Cristiano ist der 38-Jährige in der Nacht auf Donnerstag aus Italien gekommen – mit dem Wohnmobil. Darin leben die beiden bis Samstag in Thalkirchen auf dem Campingplatz. Die Betten sind noch nicht gemacht, neben der Spüle liegt eine Tüte Mandeln vom Vortag, auf dem Tisch der Oktoberfest-Hut von 2000 und ein Mütze mit einem bayerischen Stofflöwen darauf. Ein bisschen geht es hier zu wie in einer Männer-WG. „Wir fahren doch nicht so weit, damit wir hier unseren Wagen aufräumen müssen“, sagen die beiden lachend. Deswegen haben sie auch ihre Frauen zu Hause gelassen, meint Andrea mit einem Augenzwinkern. Hauptsache, die Espressomaschine funktioniert.

Es ist Freitagmorgen. Cristiano besorgt sich im Shop des Campingplatzes noch schnell ein Trachtenhemd. Es ist nicht sein erstes, er hat mehrere. Aber sie passen alle zu seiner bayerischen Lederhose. „Die habe ich aus Rosenheim“, erzählt der 43-Jährige stolz. Denn das Oktoberfest ist nicht das einzige deutsche Volksfest, dass er besucht. „Heuer war ich schon auf dem Wasen und dem Rosenheimer Herbstfest.“

Dann geht es los. Mit der U-Bahn zum Goetheplatz, dann zu Fuß auf die Wiesn. Die beiden kennen den Weg, „früher hatten wir das Wohnmobil an der Theresienwiese stehen. Aber das ist ja mittlerweile verboten.“ Zum Frühstück besorgen sie sich eine Ofenkartoffel, als Unterlage. Denn sechs oder sieben Mass Bier werden sie im Laufe des ganzen Tages trinken, glauben sie.

Auf dem Tagesprogramm steht das übliche: Bier trinken, ein bisschen auf den Bänken tanzen – am liebsten zu „Country Roads“. So sehr wie manche ihrer Landsleute lassen Andrea und Cristiano es aber nicht krachen. Teilweise schämen sie sich sogar für einige. „Wenn irgendwo etwas los ist und es Ärger gibt, kann man sich sicher sein, dass ein Italiener dabei ist“, meint Andrea. Dem Ruf der Italiener als große Flirter widersprechen sie aber nicht: „Das gehört einfach dazu.“

Eines darf Cristiano aber nicht vergessen: die Souvenirs für die Familie daheim. Und so kauft er für seine Principesse, seine Töchter Elisa und Irene, Lebkuchenherzen mit der Aufschrift „Prinzessin“. „Ich muss meiner Frau eine Breze mitbringen“, sagt Andrea. „Auch wenn sie in Italien nicht mehr ganz frisch ankommt.“ Den Rest des Tages verbringen sie im Zelt, egal in welchem: „In den letzten 20 Jahren waren wir schon in jedem.“ Und gemeinsam machen sie sich am Samstag wieder auf die Heimreise – bis zum nächsten Jahr.

Andrea Steiler

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