Das Landwirtschaftsfest – jung, modern, zum Anfassen

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Proppenvoll war es schon am Sonntagvormittag auf dem Zentral-Landwirtschaftsfest.

München – Der Geruch von gegrillten Bratwürsten liegt in der Luft, aus den Festzelten ist Blasmusik zu hören, und schon um 10 Uhr am Sonntagvormittag tummeln sich in den Zelten und Hallen die Besucher.

Kein Wunder: Zum 125. Jubiläum präsentiert sich das Bayerische Landwirtschaftsfest jung, modern, humorvoll – und zum Anfassen.

Das hat auch Landwirt Stefan Schuster zum Fest gelockt, nun steht er im Gedränge der bayerischen Landestierschau. Mit seiner Familie ist er extra aus Baden-Württemberg, Kreis Heidenheim, gekommen. „Wenn das Landwirtschaftsfest stattfindet, fahren wir jedes Mal hin“, erzählt er. „Die Stimmung ist einfach gut.“ Um viel Zeit zu haben, ist er um 5.30 Uhr in den Zug gestiegen.

Der Sohnemann strahlt: Georg Weis (6) mit Papa Johannes bei der bayerischen Landestierschau. foto: kai göpfert (2)

Ein paar Meter weiter hat Georg Weis (6) das Ruder übernommen. Keine 15 Minuten ist er auf dem Festgelände, da hat er Papa Johannes schon zur Tierschau geschleppt. Dort riecht es nach Stall. Ponys, Ziegen, Schafe und Ferkel stehen in der ganzen Halle verteilt, der kleine Georg macht große Augen. Zwar hat seine Familie einen Pferdehof im Münchner Umland, „aber das hier ist schon nochmal was anderes“, sagt auch Papa Johannes.

Nur einen Steinwurf entfernt finden im Freien die Tiervorführungen statt. Ein Moderator stellt verschiedene Rassen von Rindern und Schafen vor. „Das Bergschaf braucht eine lange Wolle, weil es im Hochgebirge eingesetzt wird“, erklärt er. „Der Regen kann an der Wolle abperlen, die ist also so etwas wie eine moderne Outdoor-Jacke.“ Die Tribüne ist voll besetzt, das Publikum lacht, auch Besucher, die gar nichts mit Landwirtschaft am Hut haben, bleiben stehen und schießen Fotos.

Aber nicht nur der Tiere wegen kommen die Besucher in Scharen. Karl Liebherr ist aus dem Allgäu angereist. Er ist Berufsschullehrer im Fach Landwirtschaft, aber er hat auch einen Hof, auf dem er Kälber züchtet. Auf dem Festgelände hält Liebherr Ausschau – nach den neuesten Modellen von Ladewagen und modernem Mähwerkzeug.

Denn neben Tiervorführungen, Marktständen und Festzelten ist das Landwirtschaftsfest auch eine Schau der neuesten Spezialmaschinen, und: Informationsmöglichkeit für viele Landwirte. „Ein großes Thema sind heuer die erneuerbaren Energien“, erzählt Volker Brand vom Wirtschaftsministerium an seinem Stand in Halle 4 bei der Sonderschau des Ministeriums. „Viele Landwirte besitzen zum Beispiel große Flächen und wollen wissen, ob es sich lohnt, Windräder dort aufzustellen.“ Mehr als 7000 Besucher hat man allein am Samstag in der Halle gezählt.

Neue Landwirt-Generation: Bernhard Schleich kontrolliert seine Melkroboter bald per Handy.

Und vor allem eines fällt auf, zumal am Sonntag, dem offiziellen Tag der Landjugend: Viele junge Leute kommen zum Fest – oder stehen selbst hinter den Ständen. Einer von ihnen ist Bernhard Schleich. In Halle 9, bei der Sonderschau des bayerischen Bauernverbandes, lehnt der 34-Jährige am Stand der Jungbauern. Schleich ist einer aus der neuen Generation von Landwirten. Er trägt einen Anzug, könnte auch Filialleiter einer Bank sein. In Schongau besitzt er 85 Hektar Land und 80 Kühe, er arbeitet mit Melkrobotern. Demnächst will er per Handy kontrollieren, ob das Melken funktioniert.

„Ich kann mir beruflich nichts anderes mehr vorstellen“, sagt Schleich. „Wegen des Gefühls, in der Natur zu arbeiten.“ Mit seinem Enthusiasmus will er nun die Besucher anstecken – und ihnen zeigen, wozu Landwirtschaft fähig ist.

Kai Göpfert

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