Eine "Oase mit Mäuerchen und Pflanzen"

Dieses Klohäuschen wird zum Wirtshaus

Erst Volksbrausebad, dann Toilette, bald Gastwirtschaft: Seit 1894 steht das Häuschen in der Ludwigsvorstadt. brincau/fkn

München - In einem denkmalgeschützten Gebäude nahe der Theresienwiese entsteht eine Stadtteil-Gaststätte mit Biergarten. Das Kuriose: Bei dem Gebäude handelt es sich um ein Klohäuschen.

37 381,94 Goldmark – so viel hat der Neubau des Volksbrausebads im Jahr 1894 gekostet. Prinzregent Luitpold ließ es in der Ludwigsvorstadt errichten. Man wollte den Bewohnern der schnell wachsenden Arbeiterviertel auf der Theresienhöhe die Möglichkeit zu regelmäßiger Körperpflege geben. Als die meisten Wohnungen irgendwann über eigene Badezimmer verfügten, wurde das Brausebad überflüssig. Die Stadtverwaltung entschied sich dafür, den Bau in eine öffentliche Bedürfnisanstalt umzufunktionieren. Seitdem fristet das ehemalige Brausebad ein recht trostloses Dasein.

Zwei Wochen im Jahr, immer zum Oktoberfest, ist die Toilettenanlage geöffnet. Aber außer um seine Notdurft zu verrichten, hält es keinen Wiesn-Besucher länger als nötig in dem denkmalgeschützten Gebäude. Die Münchner Gastronomen Klaus Völkl und Wolfgang Schwendinger wollen das nun ändern und dort eine Wirtschaft errichten. Völkl wird Geschäftsführer der neu gegründeten „Bavaria 5 Gaststätten Gmbh“. Der Name bezieht sich auf die Adresse des Brausebads: Bavariaring 5. Geplant sind „Stadtteilwirtschaft/Café, Lounge und Bürgertreff mit einem schönen historischen Biergarten“, heißt es in der Betriebsbeschreibung. Der Betrieb soll ganzjährig ohne Ruhetag geöffnet sein. Das Speisenangebot soll von der bayerischen und mediterranen Küche inspiriert sein.

Wenn alles nach Plan läuft, möchten die neuen Pächter zum Frühlingsfest Anfang Mai 2013 Eröffnung feiern. Bedingung der Stadt war es, dass die Pächter weiterhin eine WC-Anlage betreiben. Diese muss täglich mindestens von 8 bis 24 Uhr geöffnet und öffentlich nutzbar sein. Die Umbaukosten des gesamten Gebäudes von geschätzt 1,2 bis 1,5 Millionen Euro tragen die Pächter allein. Für die Nutzung der Toiletten soll deshalb eine Gebühr von 50 Cent erhoben werden. Völkl: „Wir investieren so viel, da müssen wir auch Geld wieder reinbekommen.“

Beim Umbau soll das gesamte Gebäude entkernt werden. Äußerlich wird es keine großen Veränderungen geben, da das Häuschen unter Denkmalschutz steht. Lediglich die Werbetafeln sollen entfernt werden, an ihre Stelle rückt ein großes Fenster. Im Inneren soll eine zweite Etage eingezogen werden. Das Holzgerüst im Dachrondell bleibt erhalten.

Insgesamt sollen innen 100 Plätze geschaffen werden, ebenso im Außenbereich. Völkl stellt sich da eine „Oase mit Mäuerchen und Pflanzen und einem Springbrunnen wie um die Jahrhundertwende“ vor, doch der Platz vor dem Bad gehört dem Tiefbauamt, das erst noch darüber entscheiden muss.

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