Wird die Wiesn-Mass durch höhere Abgaben noch teurer?

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Noch mehr Gäste, noch mehr Gaudi und künftig auch mehr Standgeld: Der Münchner  Wirtschaftsrefrerent will die Wiesn-Wirte särker zur Kasse bitten.

München - Wirtschaftsreferent Dieter Reiter hat es in der Stadt schnell zu Bekanntheit gebracht: zum eine gilt er als Nachfolger-Kandidat von OB Ude - zum anderen hat er es gewagt, auf Konfrontationskurs mit den Wiesnwirten zu gehen.

Nun ist klar: Auf dem Oktoberfest bleibt Reiter (SPD) bei seiner harten Linie. Er will, dass Wirte und Schausteller künftig weit höhere Standgelder zahlen. Unklar ist, inwieweit sich der Bierpreis dadurch erhöhen würde.

Schon im Oktober sorgte Reiter mit seinem Vorstoß für Aufsehen: Die Kosten der Stadt für die Wiesn seien stark gestiegen, teilte er dem Stadtrat mit. Er rechne mit Mehrausgaben von rund einer Million Euro jährlich. Das liege vor allem an den geplanten neuen Hochsicherheits-Pollern, die das Fest vor Anschlägen schützen sollen. Zudem stünden diverse Kostensteigerungen an - etwa bei Rettungsdienst, Brandschutz und Bewachung.

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Für all diese Kosten sollen Reiter zufolge aber nicht die Steuerzahler aufkommen - sondern die Wiesn-Beschicker. Reiter schlug eine saftige Erhöhung der Standgelder vor: Wirte sollen 38 Prozent mehr bezahlen, Schausteller 20 Prozent. Das bedeutet: Ein Wirt, der für ein Festzelt bisher 172 000 Euro zahlte, müsste künftig 237 000 hinlegen. Eine Achterbahn, für die bisher 33 500 Euro Gebühr fällig waren, würde nun 40 000 kosten.

Der Vorstoß sorgte für Entrüstung unter den Beschickern. Auch Stadträte von SPD und CSU zeigten sich skeptisch. Sie vertagten ihre Entscheidung über den Vorschlag und stellten Reiter Fragen: Müssen all die Mehrkosten wirklich sein? Und kann man all das allein den Wiesn-Beschickern aufbürden?

Nun liegt den Stadträten Reiters Antwort vor - und sie lautet: Ja, man kann. Nach Informationen unserer Zeitung teilte Reiter in einer neuen Vorlage mit, die teuren Sicherheitspoller seien unerlässlich. Sie könnten auch nicht - wie heuer - durch provisorische Betonpoller ersetzt werden. Denn nur die Spezial-Poller könnten den 7,5-Tonnen-LKW eines Attentäters komplett zum Stillstand bringen, wenn der mit 80 Sachen anbraust. Auch um die übrigen Kosten komme man nicht herum, führt Reiter aus. Und weil die ganz überwiegend auf das Oktoberfest zurückzuführen seien, sei es legitim, sie den Beschickern aufzubrummen.

Wirtesprecher Toni Roiderer ist freilich nicht begeistert. Die Stadt profitiere doch auch von der Wiesn, entgegnete er. Zur Frage, ob die Wirte die Mehrkosten auf ihre Gäste umlegen, gab sich Roiderer gestern diplomatisch: „Ich fände es besser, wenn die Mehrkosten nicht auf einmal auf die Wirte zukommen, sondern auf zwei, drei Jahre umgelegt werden. Dann wirkt sich das nicht so auf die Wiesn-Preise aus.“

Entscheidend wird nun sein, ob Reiter am Dienstag SPD und CSU im Stadtrat überzeugen kann. Die Grünen hatten zuletzt angekündigt: Sie wollen ihm zustimmen. j. patzig

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