Vom Türsteher zum Wiesn-Wirt

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Karl-Heinz Wildmoser.

München - Karl-Heinz Wildmoser – der Urbayer war eines der letzten Originale Münchens. Jeder kannte ihn, jeder respektierte ihn – auch seine Gegner. Die tz würdigt den verstorbenen Gastronom und Wiesn-Wirt in einer Serie. Heute geht es um Wildmosers Leben und Schaffen als Wirt.

Es muss Anfang der 50er Jahre gewesen sein. Jedenfalls war es ein heißer Sommertag im Juli, als der kleine Karl-Heinz, gerade mal elf Jahre alt, in einem Biergarten in München-Pasing sitzt. Es ist eine schwere Zeit. Der Krieg, die zerstörte Stadt – die Leute haben nicht viel. Und trotzdem: In dem Biergarten herrscht wildes Treiben. Die Bierkrüge glänzen in der Sonne, hinter dem Tresen sieht der Bub fette Würste an Holzstangen. „Da habe ich gewusst, dass ich Wirt werden will“, erzählte Karl-Heinz Wildmoser einmal. „Dann fehlt es dir nie an was. Die Leut müssen ja essen und trinken.“

Die Geschichte des Gastronomen Karl-Heinz Wildmoser könnte aus einem Film stammen. Das Bild vom Tellerwäscher, der zum Millionär wird – es passt bei dem ehemaligen Hobby-Boxer wie die Faust aufs Auge. In jungen Jahren arbeitete er als Türsteher, dann als Schankkellner. Nebenbei boxte er in dunklen Keller-Clubs. „Aber ich hatte immer das Ziel vor Augen, mal ein bekannter Wirt zu werden.“ Das sollte er schaffen.

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Dabei begann alles knüppelhart: Am 5. Mai 1939 erblickt Karl-Heinz Wildmoser in Pasing das Licht der Welt. Sein Vater arbeitet als Schuster, dann muss er in den Krieg. Die Familie ist arm, und das Schicksal meint es nicht gut: Als der Vater von den Schlachtfeldern heimkehrt, ist er schwer verletzt. Er stirbt, als Karl-Heinz gerade mal neun Jahre alt ist. „Da musste ich Verantwortung übernehmen. Ich hatte keine Wahl.“ Die Rolle des Chefs – Wildmoser schlüpft sofort in sie hinein. Er beginnt eine Metzgerlehre in Rottach. Typisch: Weil ihm die Fahrt nach Hause zu teuer ist, sieht er die Mutter kaum noch. Er muss das Geld zusammenhalten. Eine Eigenschaft, die ihn auch später noch auszeichnet – als er Millionen auf dem Konto hat. Yachten? Dicke Sportwagen? Nichts für Wildmoser. Er will Wirt in München werden.

Erstmals klappt das 1961. Gleich nach der Hochzeit mit seiner Theres – die er als Metzger in den Markthallen kennengelernt hat – übernimmt er im Westend das „Ledigenheim“. Das Geschäft brummt, und Karl-Heinz knüpft Kontakte. Meist zu anderen Wirten und zu Brauereien. 1972 bekommt er den Pschorr-Keller auf der Theresienhöhe. Es läuft. Und: Wildmoser ist sich für nichts zu schade. Er steht hinter einem Standl, als er merkt, dass man bei den Fußballspielen in München mit Wurstsemmeln gutes Geld verdienen kann. Und als er 1980 auf der Wiesn einen kleinen Stand aufstellen darf, packt er selbst die Schweinernen in die Semmel. Immer im Hintergrund mit fleißiger Hand: seine Ehefrau.

Dann der erste Höhepunkt: Der Gastronom darf mit einer Entenbraterei aufs Oktoberfest. „Da habe ich mich das erste Mal entspannt zurückgelehnt“, wird er später erzählen. Wie gut Wildmosers Riecher fürs Geschäft ist, zeigt wohl kein Beispiel so gut wie der Donisl am Marienplatz: Was sich bis 1984/85 (vor seiner Ära) in der berüchtigten Schwemme abspielte, war so irre, dass so mancher Hollywood-Regisseur den Kopf geschüttelt hätte: So wurden Besucher des Lokals mit K.o.-Tropfen betäubt. Waren die Gäste am dösen, machten sich Angestellte an die Brieftaschen ran. Das war noch nicht alles: Wer zu später Stunde kein Geld mehr hatte, der durfte auch mal mit der Armbanduhr bezahlen. Und zu guter letzt standen im Februar 1985 Angestellte des Donisl vor Gericht, weil sie rund 400 000 Weißwürste und zehn Tonnen Leberkäs an der Kasse vorbei verkauft hatten. Gut 1,3 Millionen D-Mark ergaunerten sie so. „Der Donisl ist eine Goldgrube“, sagte ein Angeklagter damals.

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Genau das wusste auch Wildmoser. Mit dem Lokal lässt sich Geld verdienen – auch auf ehrliche Art. Als nach dem Skandal im Herbst 1985 keiner die verrufene Traditionsgaststätte wollte, schlug er zu. Nicht einmal den Namen Donisl änderte er. „Die Lage ist perfekt“, erzählte er mal bei einem Wirte­treffen. „Da hast du immer Gäste.“ Seine Strategie kam sofort an: Gute Ware in großen Mengen kaufen – und dann so billig wie möglich anbieten. Der Trick: „Wenn ich am Essen ned viel verdiene, dann muss es halt über die Getränke gehen.“ Und tatsächlich: In kürzester Zeit hatte sich der Ruf des Donisl von einer Boatzen zu einem gut bayerischen Lokal gewandelt – bis heute.

Auch entscheidend: Er hatte immer gutes Personal. „Da war er sehr wählerisch“, verrät ein Freund. Von dem Geld aus dem Donisl kaufte er 1991 Hinterbrühl. Seinen „Schatz“ – wie er den Gasthof direkt bei der Isar gern nannte. Hier richtete er sich sogar ein kleines Zimmer ein, um immer dort übernachten zu können. „Wenn i oben am Balkon steh und schau Richtung Isar, dann ist das wie im Paradies“, sagte er gern. Sein Paradies – es war sein letztes Gastro-Projekt. Das Ziel war erreicht.

Armin Geier

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