Karl-Heinz Wildmoser: Präsident, Boss, Patriarch!

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Karl-Heinz Wildmoser freut sich über den "Goldenen Ehrenfilserhut" (2000).

München - Karl-Heinz Wildmoser – der Urbayer war eines der letzten Originale Münchens. Die tz würdigt den verstorbenen Gastronom in einer Serie. Diesmal geht es um K.HW., den barocken Patriarchen.

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Wenn man am Mittwochnachmittag, einige Tage vor der Urnenbestattung, Karl-Heinz Wildmoser auf dem Münchner Waldfriedhof in einer Trauerfeier gedenkt, werden viele, viele Trauergäste da sein. Und darunter werden auch etliche sein, die zu seinen Lebzeiten mit ihm aneinandergeraten sind und ihn möglicherweise sonstwo hingewünscht haben. Wie Lutz Braun zum Beispiel, Mitglied der legendären Aufstiegsmannschaft von 1994, der nach dem Triumph ein so mieses neues Vertragsangebot erhielt, das ihm deutlich signalisieren sollte: Eigentlich kannst du dich schleichen!

Braun aber will, wenn nichts dazwischenkommt, am Mittwoch von Aschaffenburg nach München zur Beerdigung reisen: „Weil er als Präsident einfach eine wichtige Rolle beim größten Erfolg meiner Karriere gespielt hat.“ Wer auch immer mit ihm irgendwann zu tun hatte – an Wildmoser kam und kommt auch nach seinem Tod keiner vorbei. So wie er es immer haben wollte.

Sein Leben in Bildern

Karl-Heinz Wildmoser: Sein Leben in Bildern

Wildmoser war nicht nur der Präsident oder der Boss, er war ein Patriarch. Nach seiner Pfeife musste getanzt werden, und wehe, es muckte einer auf. Dann war’s vorbei mit seiner Jovialität, die er so gerne zur Schau stellte. Denn der TSV 1860, das war seit seinem Amtsantritt er selbst: Der Verein bin ich! Und da auch die Erfolge der Löwen unter ihm ständig Schritt hielten, sah sich lange Zeit keiner veranlasst, an der Dominanz des blauen Oberhaupts herumzumäkeln.

Und wenn doch – dann reagierte er überaus empfindlich: Geradezu legendär sind Wildmosers Rücktrittsandrohungen, die nicht selten auch große Heiterkeit hervorriefen. So warf er Mitte der 90er-Jahre im Büro an der Grünwalder Straße dem damaligen Manager Sven Jäger den Schlüsselbund der Geschäftsstelle auf den Tisch, nachdem wieder mal etwas nicht nach seinem Gusto gelaufen war – und knurrte, bevor er den Raum verließ: „Da, i mog nimmer. I hör auf. Sie san jetzt der Chef.“ Am nächsten Tag erschien Wildmoser natürlich wieder, rief Jäger zu sich undagte, ob er die Angelegenheit „xy“ erledigt habe. Jäger machte sich einen Jux, spielte den Doofen und antwortete: „Nein, wieso? Sie haben doch gestern gesagt, sie kommen nicht mehr…“ Ob und wie sehr danach Wildmoser die Büroeinrichtung zertrümmert hat, ist leider nicht überliefert. Jäger jedenfalls hat’s überlebt.

Der öffentliche Wildmoser gab sich dann wieder ganz anders. Einem Kellner, der ihm zwei Packungen Marlboro besorgt hatte, hielt er mal einen Hunderter hin und sagte: „Passt scho.“ Der Diener des Überbringers war exakt so tief, wie ihn der Löwen-Boss erwartet hatte.

Seine besten Sprüche

Karl-Heinz Wildmosers stärkste Sprüche

Von Jahr zu Jahr baute er das Imperium der Marke Wild­moser mehr und mehr aus. Der Löwen-Präsident gehörte irgendwann zu den bekanntesten Köpfen im deutschen Fußballgeschäft. Selbst im äußersten Winkel einer ostfriesischen Insel wusste man, wer der so lustig erzählende Mann mit dem Zwirbelbart im Fernsehen ist. Auch wenn man nicht viel von dem verstand, was er da in seinem oft g’scherten Bairisch erzählte.

Wildmoser war inzwischen auch in diverse Gremien des DFB eingezogen (was natürlich nur zum Nutzen des TSV 1860 erfolgt sein soll), bei einer Länderspielreise der National­mannschaft fungierte er sogar als Delegationsleiter. Weit und breit war keine morsche Sprosse in Sicht, die ihm auf der Erfolgsleiter hinderlich hätte sein können.

Für die Zeit nach ihm hatte er auch schon alles vorbereitet: Sein Sohn Heinzi, ohnehin immer an seiner Seite, sollte das Amt des Präsidenten übernehmen, damit es ja kein abruptes Ende des „TSV 1860 Wildmoser“ geben würde.

Das erfolgte im März 2004 dann aber auf eine Art und Weise, wie es nun wirklich keiner erwartet hätte: Von einem Tag auf den anderen gehörte der Name Wildmoser bei den Blauen von der Grünwalder Straße der Vergangenheit an. Der Schmiergeld-Skandal beim Bau der Allianz Arena brachte Heinzi in den Knast – und Karl-Heinz um das Amt. Wie ein alter Herrscher im Exil empfing K.H.W. in der Zeit danach ihm treu ergebene Löwen-Fans in seinem „Gasthof Hinterbrühl“, auch wenn ihn der Verein „nicht mehr interessieren“ würde, wie er häufig erzählte.

Was natürlich nicht der Wahrheit entsprach: Fast jedes Spiel der Löwen sah er sich seit seinem Abgang live auf Premiere bzw. Sky an. Dieses Abo wurde jetzt von einer noch höheren Macht, als die er eigentlich sich immer sah, gekündigt.

Claudius Mayer

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