Wissenswertes zum Italiener-Wochenende

Flirtcoach: „Der Latin Lover ist sehr verspielt“

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München - Am mittleren Wiesn-Wochenende kommen traditionell die Italiener – und bandeln mit den „belle donne“ an. Der Kommunikationswissenschaftler Manuel Picón González hilft als Flirtcoach Männern und Frauen auf die Sprünge.

Flirtcoach Manuel Picón González spricht anlässlich des Italiener-Wochenendes über die Balz des Südländers.

Herr González, inwiefern unterscheidet sich die Balz des Italieners von der des Deutschen?

Mittel- und Nordeuropäer legen viel Wert auf Höflichkeit. Sie sind scheuer und möchten niemandem zu nahe treten. Italiener dagegen sind emotional. Sie verleihen ihren Gefühlen Ausdruck. Das macht sie sehr authentisch und direkt. Ein Beispiel: Verabredet sich ein Mann mit einer Frau, würde der Deutsche typischerweise fragen: „Was möchtest du unternehmen, worauf hast du Lust?“ Der Latin Lover dagegen schlägt selber etwas vor: „Ich kenne ein gutes Restaurant. Lass uns dort Spaghetti essen gehen.“ Italiener sind also dominanter. Zudem ist der Latin Lover in seinem Flirtverhalten sehr verspielt. Und sehr charmant.

Kommt der Latin Lover bei Frauen deshalb so gut an?

Ich denke, es liegt daran, dass Italiener gute Laune verbreiten. Sie sind unterhaltsam und sorglos. Das Flirtgegenüber spürt die Sorglosigkeit, fühlt sich zurückversetzt in die Kindheit. Das läuft natürlich unterbewusst ab.

Ist der Italiener romantischer als der Deutsche?

Nein, das halte ich für ein Klischee. Vermutlich hängt das mit den Bildern zusammen, die wir von Italien im Kopf haben. Italien verbinden wir mit Urlaub, mit dem Sonnenuntergang über dem Meer.

Mit welchem Spruch versuchen Italiener auf der Wiesn anzubandeln?

Es ist weniger ein Spruch, sondern eine Geste. Der Italiener wird der Frau den Masskrug hinhalten und sie zum Anstoßen auffordern. Vielleicht nimmt er die Frau auch gleich in den Arm oder wendet ihr sein Gesicht zu, um einen Kuss zu bekommen. Mehr als der Deutsche sucht er direkt das Körperliche.

Wie wehrt man als Frau die Avancen ab, ohne unhöflich zu sein?

Indem sie zum Beispiel darauf hinweist, schon vergeben zu sein. Oder einfach sagt, sie habe kein Interesse. Dabei macht der Ton die Musik. Sie muss das schon bestimmt und deutlich sagen und nicht mit einem spaßigen Unterton. Sonst denkt der Italiener, das sei ein Spiel. Denn italienische Frauen sagen auch dann „nein“, wenn sie an einem Mann interessiert sind. Um die Ernsthaftigkeit seiner Absichten zu überprüfen. Ist er ernsthaft interessiert, lässt er sich von einem „Nein“ nicht beirren. Es sei denn, es ist ein deutliches „Nein“, ohne flirtigen Unterton.

Kann aus einem Wiesn-Flirt mehr werden?

Ich würde es nicht grundsätzlich ausschließen. Trotzdem halte ich es für unrealistisch. Ein Italiener, der für ein Wochenende aus Florenz nach München kommt, um Spaß auf dem Oktoberfest zu haben, sucht nicht die Frau fürs Leben. Er sucht die Frau für eine Nacht.

Frauen sollten also Obacht geben . . .

Das hängt davon ab. Wenn die Frau abenteuerlustig ist, kann sie auf den Flirt eingehen.

Ist der Italiener ein Jäger, oder darf die Frau die Initiative ergreifen?

Beides geht. Am besten ist es, sie sendet ihm eine Flirteinladung. Indem sie ihm zum Beispiel lange in die Augen schaut. Oder ihm über den Biertisch hinweg zuwinkt. Männer im Allgemeinen, also auch die Deutschen, mögen es, wenn die Frau ein Zeichen sendet. Das gibt ihnen Sicherheit. Geht der Italiener darauf ein, sollte die Frau es ihm nicht zu leicht machen. Der Flirt mit einem Italiener ähnelt einem Tanz. Man geht einen Schritt vor, dann wieder einen zurück. Dem Italiener gefällt das Spielerische.

Haben Sie einen Tipp für deutsche Männer, die eine Italienerin erobern wollen?

Wichtig ist, es überhaupt zu versuchen. Viele Männer trauen sich nicht, den ersten Schritt zu machen. Mit der Frau anzustoßen, funktioniert auf der Wiesn immer. So kommt man ins Gespräch. Wie es danach weitergeht, das ist natürlich schwer planbar. Ist ein Mann selbstbewusst genug, kann er der Frau auch direkt sagen, dass er sie attraktiv findet.

Angenommen, aus dem Wiesn-Flirt wird grande amore. Welche Probleme tauchen in einer deutsch-italienischen Partnerschaft auf?

Am schwierigsten ist die räumliche Distanz. Auch sprachlich kann es zu Missverständnissen kommen. Interkulturelle Schwierigkeiten sehe ich nicht. Erstens sind Deutsche und Italiener nicht fundamental anders, und zweitens ist der Mensch flexibel. Er wird sich anpassen.

Was raten sie jenen, deren Wiesn-Flirt in Liebeskummer mündet?

Auf keinen Fall darf man sich zuhause verkriechen! Es ist wichtig rauszugehen und Freunde zu treffen. So kommt man auf andere Gedanken und lernt neue Leute kennen. Vielleicht ist dann ja sogar jemand darunter, der einen den Liebeskummer vergessen lässt.

Interview: Bettina Stuhlweißenburg

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