Interview mit Gabriele Weishäupl

Wiesn: Mehr Besucher zum Jubiläum

+
Gabriele Weishäupl im Merkur-Interview

München - Gabriele Weishäupl feiert heuer gleich mehrere Jubiläen. Seit 25 Jahren ist sie Chefin des städtischen Tourismusamtes und des Oktoberfestes. Die Wiesn selbst gibt es seit genau 200 Jahren.

Lesen Sie hierzu auch

Absperr-Ring um die Wiesn bleibt

Ein Gespräch über die Feierlichkeiten, notwendige Sicherheitsvorkehrungen und die Tourismusstadt München.

Vor 200 Jahren fand das erste Oktoberfest statt. Wie wird das Jubiläum heuer gefeiert?

Ein Festkomitee mit dem OB an der Spitze bereitet schon seit einem Jahr den Geburtstag unserer Wiesn vor. Höhepunkt wird sicher das Pferderennen sein, das wir wiederbeleben. Die Wiesn ist ja aus einem Pferderennen anlässlich der königlichen Hochzeit entstanden. Eine kleine „Zeltstadt Nostalgie“ auf dem Südteil der Theresienwiese wird rund um die Rennbahn gebaut: Ein Theaterzelt, ein historisches Festzelt, ein Museumszelt mit nostalgischen Schaustellerattraktionen, ein Chapiteau-Zelt mit einem Velodrom und natürlich ein Tierzelt beim großen Rennring.

Nein, es wird eine ganz normale Wiesn, aber dort, wo sonst das Zentral-Landwirtschaftsfest stattfindet oder Parkplätze sind, steht das kleine historische Oktoberfest. Dieses Gelände wird eingezäunt und soll Eintritt kosten.

Wie viel wird der Eintritt kosten?

Wer die „Zeltstadt Nostalgie“ besuchen will, muss für 4 Euro ein Festzeichen kaufen, Kinder können umsonst rein. Für die Nutzung diverser Schaustellergeschäfte ist ein mehr symbolischer Obulus, etwa 1 Euro, auszugeben.

Was ist noch zum Jubiläum geplant?

Das Stadtmuseum plant eine große Ausstellung , die bereits im Sommer beginnt. Hier wird die 200-jährige Geschichte des Festes dargestellt. Ein Fotowettbewerb sowie ein Kindermalwettbewerb mit Unterstützung des Münchner Merkur wurde schon im vergangenen Jahr gestartet. Oberbürgermeister Christian Ude wird auch Brautpaare trauen, die aus Sachsen und Bayern stammen. Das Motto „Bayer heiratet Sächsin, so wie es damals war“. Des Weiteren ist ein historischer Festzug mit dem Brautpaar Ludwig und Therese geplant, der täglich durch die Zeltstadt zieht.

Werden die Paare dann auch auf der Wiesn im Schützen- oder Hofbräuzelt getraut?

Nein, geplant sind die Hochzeiten in der Alten Kongresshalle auf der Theresienhöhe. Meines Wissens muss die Halle dafür eine besondere Widmung erfahren. Man kann nicht überall trauen. Das Kreisverwaltungsreferat ist gerade dabei, diese Situation zu überprüfen.

Welche Publikationen erscheinen denn zur Jubiläumswiesn?

Zur Ausstellung des Stadtmuseums wird es natürlich eine Jubiläumsschrift geben und geplant ist auch eine Sonderveröffentlichung „Das Fest der Feste“ in Zusammenarbeit der Stadt mit dem Münchner Merkur und der tz.

Erwarten Sie zum Jubiläum eine Rekord-Wiesn?

Ich nehme den Ausdruck ungerne in den Mund, weil ich seit Jahren versuche, die Besucherzahlen des Oktoberfestes nicht mehr in die Höhe zu treiben. Seit meinem Amtsantritt 1985 wurde das Oktoberfest werblich als Selbstläufer behandelt, es wird mit anderen Stadtthemen national und international geworben. Wir hatten damals mehr als sieben Millionen Besucher, das brachte das Volksfest an die Grenzen seiner Kapazität. Ich rechne jedoch heuer mit gut sechs Millionen Wiesnbesuchern, wobei die Skala nach oben offen ist. Die Jubelwiesn wird neben ihrer normalen globalen Medienpräsenz sicher noch einen zusätzlichen Aufmerksamkeitsbonus erhalten.

Im vergangenen Jahr gab es einen Absperrring um die Wiesn. Wird sich das heuer wiederholen?

Ich vermute, dass die Sicherheitsvorkehrungen dieses Jahr und auch in Zukunft ähnlich sein werden. Dieser Absperrring spiegelt in gewisser Weise auch die Zustände auf unserer Erde wider. Übrigens haben auch die betroffenen Gäste und die Anwohner den Sperrriegel und die Durchsuchungen mit großer Geduld und Sympathie ertragen.

Sicherheitsring: So schützt die Polizei das Oktoberfest

Sicherheitsring: So schützt die Polizei das Oktoberfest

Es gab Kritik am martialischen Auftreten der Einsatzkräfte.

Ich habe es persönlich nicht als martialisch empfunden. Es war deutlich erkennbar, dass für Sicherheit gesorgt wird. Martialisch war für mich das Droh-Video im Internet. Das war Gefahr und Furcht und Krieg. Der Araber mit Maschinenpistole und mit Handgranaten hat in gutem Deutsch berichtet, dass Sicherheit in Deutschland nur eine Illusion sei. Im Hintergrund erschienen Bilder vom Kölner Dom, dem Brandenburger Tor und der Haupteingang zu unserem Fest der Lebensfreude. Das habe ich als martialisch empfunden, aber nicht unsere Polizei. Die habe ich als Beruhigung und als Schutz empfunden.

Im vergangenen Jahr haben die Sicherheitsvorkehrungen aber auch zu einem Besucherschwund geführt. Muss man das heuer wieder erwarten?

Ich erwarte keinen Besucherschwund. Zum ersten Mal seit 25 Jahren wird das Oktoberfest wieder aktiver in Werbung und Öffentlichkeitsarbeit einbezogen. Das beschert uns bestimmt mehr Gäste. Falls durch Absperrungen doch Hemmschwellen entstehen, kann sich das ausgleichen. Ich rechne mit einer steigenden Zahl von Wiesnbesuchern.

Wie viel Prozent der München-Touristen kommen eigentlich gezielt zur Oktoberfest-Zeit?

Die Monatsstatistik für den September weist in allen Jahren den größten Ansturm auf die Stadt aus. Auch unsere Marktforschung belegt, dass der Hauptgrund für einen München-Besuch im Herbst immer das Oktoberfest ist, kombiniert jedoch mit anderen Zwecken.

Wie fällt Ihre Prognose für das Tourismusjahr 2010 aus?

Wir werden die Zehn-Millionen-Übernachtungs-Grenze überspringen und das erfolgreichste Tourismusjahr aller Zeiten verzeichen. Mit dem Ökumenischen Kirchentag im Mai und mit den Passionsspielen in Oberammergau ergibt sich mit der Jubiläumswiesn ein Dreiklang, der das Jahr prägen wird.

Wir haben davon gesprochen, was München zu bieten hat. Was fehlt?

Wie soeben wieder bemerkt, fehlt eine große, strahlende Silvesterveranstaltung. Berlin und Wien machen uns das vor mit den Silvestermeilen, den Märkten in der Silvesternacht, Neujahrskonzerten und Lichtershows. Der Marienplatz, das Herz der Stadt als echte Piazza, nicht durchschnitten von einer Straße, und ein Flughafen, der seinen benötigten Ausbau und eine schnelle S-Bahn-Anbindung bekommt – das wäre noch wünschenswert.

Gibt es in Ihrer 25-jährigen Amtszeit ein Lieblings-Ereignis?

Es ist die erste Wiesn unter meiner Verantwortung, auch eine Jubiläumswiesn, 1985. Diesem Anfang wohnte tatsächlich ein Zauber inne, der mich bis heute beschützt. Beim ersten großen Standkonzert am Fuß der Bavaria haben sie gesagt: „Weishäupl, du musst dirigieren“. In der 1000-köpfigen Menge hat mich keiner gesehen, darum haben sie mich auf ein großes Bierfass gehoben, und dann durfte ich 400 Musikanten dirigieren: Klopfendes Herz, zitternde Knie, unvergessener Augenblick. Es gab noch viel Schönes in München und in der Welt, aber es ist die erste Wiesn, die meinem Herzen am nächsten ist.

Interview: Philipp Vetter

Auch interessant:

Lesen Sie auch:

Mehr Luft, mehr Platz: So wird die neue Ochsenbraterei

Mehr Luft, mehr Platz: So wird die neue Ochsenbraterei

Roiderer: „Wir jammern nicht, weil wir gutes Geld verdienen“

Roiderer: „Wir jammern nicht, weil wir gutes Geld verdienen“

Preislimit beim Wiesn-Bier: Entscheidung vertagt

Preislimit beim Wiesn-Bier: Entscheidung vertagt

Die geheime Wiesn-Liste: Wer es geschafft hat - und wer nicht

Die geheime Wiesn-Liste: Wer es geschafft hat - und wer nicht

Kommentare