Interview mit Bauernpräsident Heidl

„Offen auf die Verbraucher zugehen“

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Walter Heidl mit einer Kuh im Tierzelt auf dem ZLF: Der bayerische Bauernpräsident freut sich auf das 125. Landwirtschaftsfest und lädt die Bürger auf den größten Bauernhof in München ein.

München - Ab Samstag wird neun Tage Jubiläum gefeiert: Das 125. Zentral-Landwirtschaftsfest (ZLF) beginnt parallel zum Oktoberfest auf der Theresienwiese. Die Landwirte freuen sich auf Gespräche mit den Verbrauchern, berichtet der bayerische Bauernpräsident Walter Heidl im Interview.

“LebensMittelPunkt Landwirtschaft“ ist das Motto des ZLF. Viele Bauern sehen sich von Verbrauchern sehr kritisch unter die Lupe genommen. Was kann das ZLF zur Entspannung beitragen?

Das ZLF ist für mich ein ausgezeichnetes Forum, um zu informieren. Ich führe die ein oder andere kritische Haltung darauf zurück, dass ein Informationsdefizit herrscht. Es ist nun mal so, dass sich die Stadtbevölkerung, aber auch die Menschen auf dem Land immer mehr entfernen von den Abläufen in der Landwirtschaft. Sie wissen nicht, was in den Ställen wirklich vor sich geht. Von daher ist das ZLF eine gute Gelegenheit, mit der Tierschau und den Infoständen, die Bürger wieder näher an die Arbeit der Bauern heranzuführen.

Das Land kommt in die Stadt. Welche Einladung richten Sie an die Bürger?

Ich wünsche unseren Gäste erst einmal, dass sie sich einen gemütlichen Tag machen. Kombiniert mit dem Oktoberfest-Besuch. Dass man sich schlicht und einfach mal einen Tag Zeit nimmt. Dann sollte man die Gelegenheit nutzen, die Informationsangebote hier wahrzunehmen. Ob im Tierzelt oder im Großen Ring mit den Tiervorführungen, bei den Organisationen und Ministerien, ob bei der Landtechnik oder beim Kochen mit unseren Landfrauen....

Es gibt auch Kurse in Resteverwertung...

Kochen heißt ja auch, dass man aus dem, was gestern übrig geblieben ist, noch was machen kann. Und nicht alles automatisch wegwerfen muss. Die Verbraucher können sich auf dem ZLF Information aus erster Hand beschaffen und sind nicht auf das angewiesen, was manchmal auch verzerrt in Medien wiedergegeben wird. Wenn ich an manche Talkshows denke in letzter Zeit...

Auf dem ZLF soll es auch um Genuss gehen.

Alle paar Meter hat man hier die Gelegenheit, etwas zu kosten, Information mit Genuss zu verbinden. Man wird hier sehen, dass unsere regionalen bayerischen Produkte von unseren Verbrauchern sehr geschätzt werden. Ich bin mir sicher, dass unsere Direktvermarkter es schon verstehen, richtig Werbung für unsere bayerischen Produkte zu machen.

Auf dem ZLF werden ja auch für die Landwirte viel Neues gezeigt. Was ist hier der Höhepunkt?

Einzelne Höhepunkte würde ich gar nicht herausstellen. Wir haben einen großen Bereich über erneuerbare Energie, wir haben viele Informationen über Ökolandbau, wir haben eine eigene Milch-Halle und verschiedene Schwerpunkttage – zum Beispiel zum Wald oder für die Bäuerinnen. Wenn ich an unsere Bauern denke, haben wir natürlich auch modernste Technik da. Da haben sich unsere Aussteller schon angestrengt.

Braucht man den Bauern künftig noch oder macht alles die Technik?

(lacht) Es muss ja jemanden geben, der die Technik bedient. Aber Spass beiseite: Wir verleihen zum Beispiel auch einen Innovationspreis, da geht es auch darum, wie man Düngung und Pflanzenschutz nachhaltig einsetzt. Technik fördert auch Umweltleistungen.

Der Bauer Walter Heidl, worauf freute er sich besonders?

Auf die zahlreichen Gespräche mit den Kollegen und den Verbrauchern.

Da meinen Sie den Präsidenten Heidl.

Da bin ich auch als Bauer Heidl in der Pflicht. Ich appelliere an jeden einzelnen meiner Kollegen, dass er sich bemühen soll, offen auf Verbraucher zuzugehen und ihre Fragen ehrlich zu beantworten. Nichts vormachen, sondern offen darüber sprechen, wie unsere Landwirtschaft funktioniert und was sie leistet.

Es gibt keine Tabus? Etwa Antibiotikaeinsatz oder Tierhaltung?

Ich will offene Diskussionen. Wir haben die ganze Woche über Foren, wo die verschiedensten Themen aufbereitet werden mit zum Teil hochkarätigen Teilnehmern. Und wir schauen auch über den Tellerrand hinaus. Bei der Eröffnung ist schon die Präsidentin der Welthungerhilfe, Bärbel Dieckmann, bei der ersten Diskussionsrunde dabei.

Das ZLF ist auch ein Fest. Was feiern die Bauern?

Zuallererst feiern wir Jubiläum, das 125. ZLF. Wir sind stolz darauf, dass wir auch ein Stück weit der Urheber fürs Oktoberfest sind. Es freut mich, dass auch München Oberbürgermeister Christian Ude daran interessiert ist, dass das ZLF in dieser Form weitergeführt wird. Er sieht es als wichtige Ergänzung zum Oktoberfest. Dass man immer schon versucht hat, auch die Stadtbevölkerung ins ZLF einzubinden, das macht den Erfolg aus.

Aber Sie werden schon auch aufs Oktoberfest gehen?

Ich werde nicht viel Zeit haben dafür. Ich war vor vier Jahren noch als niederbayerischer Präsident einmal auf dem Oktoberfest. Aber ehrlich gesagt: Mir ist die gemütlichere Stimmung im Zelt auf dem ZLF lieber.

Wann ist das ZLF für Sie ein Erfolg?

Zuallererst sollte es gelingen, dass wir die Bevölkerung erreichen. Und da bin ich sehr zuversichtlich, denn die Menschen sind interessiert und auch sehr aufgeschlossen für unsere Themen. Dass wir uns natürlich viele Besucher und ein gutes Miteinander mit dem Oktoberfest wünschen, das gehört dazu, Und dass das ZLF und die Wiesn friedlich und unfallfrei abgehen.

Wieviele Besucher waren 2008 da?

Rund 370 000.

Also 400 000 sollten es schon sein?

Versuchen wir’s!

Das Interview führte Claudia Möllers

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