Ilse Aigner auf dem ZLF

Die Kronprinzessin hält Hof

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Ist es das Rezept für die Zukunft, das Ministerpräsident Horst Seehofer und (Noch-)Bundesministerin Ilse Aigner in der ZLF-Schauküche zusammenrühren

München – Eine strahlende Fürstin im smaragdgrünen Dirndl, selbstbewusst und voller Energie: Zum großen Auftritt wurde Ilse Aigners erster öffentlicher Termin nach der Ankündigung ihrer Rückkehr in die Landespolitik.

Auf dem Zentral-Landwirtschaftsfest in München war sie der Star.

Die Eröffnung des 125. Zentral-Landwirtschaftsfestes auf der Theresienwiese in München ist ein Heimspiel für Ilse Aigner. Manche reden gar schon fast verklärt von einer „Krönungsmesse“ für die Oberbayerin. Doch davon will die 47-jährige Bundesagrarministerin nichts wissen. Seit genau eine Woche zuvor der Trubel über ihre verkündete Rückkehr nach Bayern ausbrach, wird spekuliert, ob sie denn die Kronprinzessin von Ministerpräsident Horst Seehofers Gnaden sei. Ob sie vielleicht einmal die erste bayerische Ministerpräsidentin werden könnte? Oder ob sie vom Parteichef geschickt gegen seine ehrgeizigen Nachfolgaspiranten Christine Haderthauer und Markus Söder in Position gebracht wurde, um diese in Schach zu halten? Oder ob sie sogar zur Mitte der nächsten Legislaturperiode...

Die Euphorie scheint selbst der Bezirkschefin der CSU Oberbayern zu viel. So beeilt sie sich im ZLF-Festzelt vor aller Öffentlichkeit ihrem Parteichef zu versichern: „Du stehst unangefochten an der Spitze des Freistaats Bayern und wirst uns erfolgreich in die Zukunft führen.“ Seehofer lächelt fein dazu – und revanchiert sich später mit der ihm eigenen Ironie: „Ich bedanke mich für die völlig überraschende Liebeserklärung. Schüchtern, wie ich bin, werde ich einige Tage brauchen, um das zu verdauen.“ Grinsend setzt er nach, Aigner sei eine „ehrliche Haut – und ihr glaub’ ich’s auch“.

Die gelernte Elektrotechnikerin genießt die Aufmerksamkeit, die ihr Auftritt auf dem ZLF auslöst. Ein Tross Journalisten aus der Bundeshauptstadt Berlin ist natürlich nicht nach München gereist, um über den Gstanzlsänger „S’Erdäpfekraut“ alias Hubert Mittermeier und seine derben Sprüche aus dem ZLF-Jubiläum zu berichten. Sie beobachten genau, wie Seehofer und seine oberbayerische Bezirkschefin miteinander umgehen. Ob sich aus Gesten ablesen lässt, dass Seehofer „die Ilse“ als Nachfolgerin auserkoren hat oder sie eher als Neutralisierungsmittel gegen lästige selbsterkorene Ministerpräsidenten in spe einsetzen will.

Dass Seehofers Schachzug klug ist, attestieren ihm viele ZLF-Besucher. „Bodenständig“ sei Aigner, „eine von uns“. Sogar Oppositionspolitiker offenbaren hinter vorgehaltener Hand ihre Sympathie mit der CSU-Politikerin. Ihre Geheimwaffe ist ihr Lächeln. Davon weiß Ehren-Bauernpräsident Gerd Sonnleitner ein Lied zu singen: „Sie lächelt alles weg – und die Leute meinen, ich hab Unrecht.“

Manche „Parteifreunde“ verweisen aber auch auf Aigners Schwächen. Monieren, von ihr kämen zu wenig inhaltliche Anstöße, sie habe keine Zukunftsideen. Solche Kritik kontert sie mit dem Hinweis, sie habe zunächst die große Aufgabe gehabt, den nach Stoibers erzwungenem Rückzug demoralisierten Oberbayern-Verband wieder aufzurichten. Die Mitglieder wieder so für den Wahlkampf zu begeistern, dass das schlechte Wahlergebnis 2008 mit 39 Prozent in Oberbayern in Vergessenheit gerät. „Wenn die draußen nicht rausgehen, können wir keine Wahl gewinnen“, weiß sie.

Selbst freundlich verbrämte Gemeinheiten aus eigenen Reihen quittiert sie nach außen hin mit einem Lächeln. Christine Haderthauer hat gerade erst mit einer süffisanten Äußerung über Aigners Familienstand („alleinstehend und kinderlos“) für Wirbel gesorgt (siehe Kasten). Aigner indes reagiert gebetsmühlenartig mit der Versicherung, sie lasse sich mit Christine und Markus nicht auseinanderdividieren. Sie lächelt Differenzen weg, auch wenn sie offenkundig zu Tage treten. Mit dieser Taktik hat sie auch den damaligen Finanzminister Georg Fahren ausgebootet im Kampf um den CSU-Vorsitz in Oberbayern.

Und wie ist die Bemerkung zu verstehen am ZLF-Stand ihres Ministeriums, an dem vier Jahre zuvor noch Seehofer als Bundesagrarminister „Hausherr“ war: „Lieber Horst, vor vier Jahren warst Du hier. Jetzt habe ich hier das Heft in der Hand.“ Beide lächeln. Die Frage bleibt: Wer lacht am Ende?

Claudia Möllers

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