„Ich würd’s Bier auch lieber billiger verkaufen“

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Herrscher im Himmel der Bayern: Wirte-Sprecher Toni Roiderer vor dem Hackerzelt.

München - Noch eine Woche bis zum Anstich der Jubiläumswiesn. Wir sprachen mit Wirte-Sprecher Toni Roiderer über das Jubiläum, das Rauchverbot, einen möglichen Streik zum Oktoberfest und seinen persönlichen Vorbereitungs-Endspurt.

Herr Roiderer, in diesem Jahr feiert die Wiesn Jubiläum. Ist das für Sie etwas Besonderes?

Für mich nicht. Ich bin jetzt das 21. Jahr auf der Wiesn. Für mich ist es immer ein Jubiläum, wenn die Wiesn anfängt.

Haben Sie etwas Besonderes geplant?

Für uns ist es ein normales Oktoberfest. Die historische Wiesn ist ja ein Fest für sich. Da hat die Stadt tolle Sachen geplant.

Es gibt ja auch einen Zusatztag zum Jubiläum.

Das find ich auch gut. Ein Tag mehr, an dem es im Innenraum keine Reservierungen gibt.

Wiesn 2010: Die Bierpreise aus den großen Zelten

Wiesn 2012: Die Bierpreise aus den großen Zelten

Aber es war ja mal geplant, dass gar nicht reserviert wird.

Das ist richtig, aber die Firmen müssen ja planen können. Die belegen schließlich die Boxen, und der Innenraum ist für die, die von der Straße kommen, und sagen: Heut gehen wir auf die Wiesn. Wenn es jetzt zum Beispiel am letzten Montag regnen würde, wäre es ohne Reservierungen schwer, das Zelt voll zu bekommen. Wir Wirte brauchen auch Planungssicherheit. Ich finde es in der Form, wie es jetzt ist, gut.

Heuer gilt erstmals ein Rauchverbot in den Zelten. Wie wird es umgesetzt?

Das Gesetz gilt auch für Wiesnwirte. Dass der Strafvollzug vermutlich ausgesetzt wird, kommt uns natürlich zugute, so können wir Erfahrungen mit dem Verbot sammeln. Es gibt schöne Anstecker und große Plakate, die auf das Verbot hinweisen. Wir wollen nicht nur drohen, sondern auch auf eine nette, lustige Art darauf hinweisen: Du kannst essen, trinken, feiern, aber rauchen darfst du nicht.

Trotzdem gibt es in manchen Zelten einen Raucherbalkon, in anderen kann man gar nicht rauchen.

Das ist wie im Flieger, da halten es die Raucher auch aus. Sepp Krätz hat mit seinem Hippodrom halt das Glück, dass es geografisch so liegt, dass er einen Balkon umsetzen kann. Andere Zelte kriegen das gar nicht genehmigt. Wenn die Raucher zu bequem waren, beim Volksentscheid gegen das Verbot zu stimmen, dann müssen sie jetzt mit dem Ergebnis fertig werden. Da kann ich ihnen nicht helfen. Der ehemalige Ministerpräsident Günther Beckstein hatte begriffen, dass es sehr schwierig ist, auf der Wiesn ein solches Verbot umzusetzen.

Bilder vom Wiesn-Aufbau 2010

So wächst die Wiesn

Mit dem haben Sie damals eine Ausnahmeregelung ausgehandelt?

Ja, und damit Gleichheit herrscht, galt das auch für die Zelte auf anderen Volksfesten. Aber jetzt gilt nun mal der Volksentscheid.

Bei den kleineren Volksfesten wurde einfach ab 21 Uhr geraucht und niemand hat sich beschwert. Ist das auch auf der Wiesn zu erwarten?

Wir werden und müssen das Gesetz auf der Wiesn umsetzen. Es wird immer Denunzianten geben, und als Wirt muss man seine Zuverlässigkeit unter Beweis stellen. Man muss sich ja jedes Jahr neu bewerben, und wenn man unzuverlässig ist, ist man beim nächsten Mal nicht mehr dabei.Wir werden den Servicemitarbeitern erklären, wie man mit Rauchern im Zelt umgeht. Jede Bedienung bekommt einen Anstecker, mit dem sie auf das Verbot hinweisen kann. Wenn das nicht reicht, muss es dem Raucher halt ein Ordner erklären. Oder er kriegt halt kein Bier mehr.

Bekommt dann der ganze Tisch kein Bier?

Da muss man schauen. Da gilt der Grundsatz der Verhältnismäßigkeit. Wir suchen den Eklat nicht. Aber man muss sich nun mal an ein Gesetz halten. Wenn jetzt zum Beispiel Rot meine Lieblingsfarbe ist, muss ich trotzdem an der Ampel anhalten.

Und in letzter Konsequenz fliegt ein Raucher dann aus dem Zelt?

In letzter Konsequenz, ja. Da muss man durchgreifen, sonst führt das zu einer Eskalation. Es wird sicher ein paar unangenehme Situationen geben. Wir wollen ja nur in einer humanen Art darauf hinweisen, dass das Gesetz auch auf der Wiesn gilt.

Die Bier-Preise seit 1810

Die Wiesn-Bierpreise seit 1810

Gibt es dann heuer mehr Ordner?

Nein, ich habe vor 21 Jahren mit 19 Ordnern angefangen und jetzt sind es am Wochenende bis zu hundert. Im Jahr 2008 habe ich 220 000 Euro für den Ordnungsdienst ausgegeben, letztes Jahr waren es dann schon 303 000 Euro. Und dann sagen die Leute, das Bier wäre zu teuer. Ich würd’ es auch lieber billiger verkaufen und weniger Geld ausgeben. Aber Sicherheit ist wichtig und kostet Geld. Eine Bitte habe ich beim Thema Sicherheit auch an die Gäste: Kommt nicht vor 8 Uhr aufs Gelände, sonst wird es wegen des Lieferverkehrs wirklich gefährlich.

Nach Rauch wird’s heuer also nicht riechen im Zelt, wonach denn dann?

Nach Schweinshaxn, nach Hendln, nach Enten. Wer auf die Wiesn und ins Hackerzelt geht, duscht sicher vorher, bereitet sich gut vor und nimmt statt einer Schachtel Zigaretten einen Deostift mit. (lacht)

Was halten Sie von der Idee, mit Bakterien im Zeltboden gegen den Geruch zu kämpfen?

Nicht viel. Schön, wenn es Wirte probieren, aber ich will da nicht der Vorreiter sein. Ich glaube nicht, dass jetzt die Schwammerlkulturen den Geruch auf der Wiesn retten müssen. Ich brauch’ das nicht. Bei uns funktioniert die Lüftung.

Thema Sicherheit: Befürchten Sie, dass der Sperrring Besucher abschrecken könnte?

Ja, es gibt immer Leute, die Angst haben. Dann darf man in kein Stadion gehen, in kein Theater, in kein Kino. Dann muss man alles im Fernsehen anschauen. Wenn ich Angst habe, dann gehe ich halt nicht hin. Man muss das anders sehen: Das dürfte die bestüberwachte Großveranstaltung in Europa sein. Es wird ein Höchstmaß an Sicherheit gewährleistet. Es gibt Leute, die haben Angst, die kann man ihnen auch nicht nehmen. Aber alles, was an Sicherheit möglich ist, machen die Stadt München und die Polizei.

Die Besucherzahlen der Wiesn seit 1980

Die Besucherzahlen der Wiesn seit 1980

Eine Gewerkschaft droht mit Streiks im Nahverkehr zur Wiesn. Macht Ihnen das Sorgen?

Das ist eine linke Nummer. Ich verstehe natürlich, dass man so den meisten Druck erzeugt. Ich würde mir da ein bisschen Heimatverbundenheit wünschen. Die Welt beneidet München um dieses bedeutende Volksfest, das größte der Welt. Dass die mehr Geld wollen, dafür habe ich vollstes Verständnis. Aber dass man die Wiesn als Druckmittel hernimmt, finde ich unanständig. Ich mache mir schon Sorgen, dass die Leute wegen eines Streiks nicht auf die Wiesn kommen. Wir brauchen die Nahverkehrsmittel. Die können vorher streiken oder nachher streiken. Ich würde den Verhandlungsführer aus Köln bitten, vernünftig zu sein und ihn fragen, ob er den Kölner Karneval auch bestreiken würde.

Ein großes Thema waren heuer die Reservierungspreise. Wird eine Reservierung auf der Wiesn für die breite Masse bald unerschwinglich?

Nein, in fast allen Zelten gilt die Regel: zwei Mass und ein Hendl Mindestverzehr. Nur in den drei sogenannten VIP-Zelten, dem Käfer, dem Weinzelt und dem Hippodrom, ist es teurer. Wenn einer Champagner verkauft, ist er in einem anderen Preisniveau. Wenn mir das zu teuer ist, dann gehe ich halt nicht hin. Sicher, es könnte immer günstiger sein, aber wir sind ja ein Vergnügungszentrum und kein Discounter. 8,80 Euro für ein Bier ist sicher nicht billig, aber die Gegenleistung ist auch dementsprechend.

Wiesn-Zelte im Vergleich: Bayern oder Ballermann

Bayern oder Ballermann: Wiesn-Zelte im Vergleich

Nächstes Jahr klettert der Bierpreis dann über 9 Euro, oder?

Da schauen wir mal. Richard Süßmeier hat gesagt: Wieso erhöhen die Wiesn-Wirte immer den Bierpreis, die müssen mal den Krug kleiner machen.

Oder weniger einschenken...

Da wird uns streng auf die Finger geschaut, und das ist auch okay. Nein, die Schankmoral war in den vergangenen Jahren auf der Wiesn kein Thema mehr. Und: Schaum ist auch Bier. (lacht)

Jetzt ist es noch genau eine Woche bis zum Wiesn-Start. Wie sieht Ihr Endspurt bei den Vorbereitungen aus?

Jetzt geht es an die Feinabstimmung. Wir sind relativ gut in der Zeit. Da werden dann die Kassen programmiert, und alles wird überprüft. Ab Dienstag kommen 30 Reinigungskräfte und machen sauber. Am Donnerstag ist dann die Personaleinweisung mit den Bedienungen und der Wachmannschaft. Wir verkaufen bayerische Gastlichkeit weltweit. Deshalb müssen wir unsere Leute darauf hinweisen, dass sie freundlich und korrekt sein müssen.

Und was müssen Sie persönlich vor dem Anstich noch erledigen?

Ich habe mich durchchecken lassen. Es ist alles in Ordnung. Und wenn ich jetzt noch zwei Mal dazu komme, morgens 20 Kilometer Rad zu fahren, dann bin ich glücklich. So halte ich mich fit. Neulich bin ich in der Früh aufs Rad, da hat’s sechs Grad gehabt. Mensch, hab ich da gedacht, hast Du das nötig? So schön musst du doch gar nicht sein.

Interview: Philipp Vetter, Mike Schier und Bettina Link.

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