Was wird aus dem Hippodrom?

Krätz droht auch Entzug der Wirte-Konzession

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Sepp Krätz am Boden – verliert er jetzt alles?

München - Tag der Wahrheit für Hippodrom-Wirt Sepp Krätz (59): Am Freitag bekommt er sein Urteil wegen Steuerhinterziehung!

Noch viel härter könnte ihn der Spruch des Kreisverwaltungsreferats treffen: Wilfried Blume-Beyerle hat das Verfahren zum Entzug der Wirte-Konzession eingeleitet! Was wird dann aus dem Hippodrom? Aus der Waldwirtschaft? Aus dem Frühlingsfest?

Vor zwei Wochen hat Krätz vor dem Landgericht alles gestanden: In der Champagner-Bar im Hippo und im Andechser am Dom flossen Einnahmen fröhlich am Fiskus vorbei – Steuerschuld: 1,1 Millionen Euro. Für das Geständnis hatte ihm Richterin Jutta Zeilinger 18 Monate bis zwei Jahre auf Bewährung sowie eine Geldstrafe von 270 bis 360 Tagessätzen in Aussicht gestellt.

Trotzdem droht Krätz, alles zu verlieren: KVR-Chef Blume-Beyerle entscheidet über die Zuverlässigkeit des Wirts und hat ein Verfahren zum Entzug der Konzession eingeleitet! Ohne dürfte Krätz keine einzige Gaststätte führen. „Die Zweifel an der Zuverlässigkeit sind insbesondere durch sein Geständnis gewachsen“, hatte der KVR-Chef nach dem Prozess-Auftakt gesagt. Jetzt hat Krätz bis 3. April Zeit für eine Stellungnahme. Dann entscheidet das KVR endgültig.

Bei der Suche nach einem Nachfolger ist schon richtig Bewegung in der Wirteszene. Neben dem Hippo klopfen auch bei der lukrativen Waldwirtschaft die Bewerber an. „Ich gebe zu, wir haben Objekte, die schwerer zu vermitteln wären“, sagt Günter Kador, der Chef von Spaten/Löwenbräu, die die Immobilie besitzt. Dass der Jazzbiergarten so gut laufe, sei allein Sepp Krätz’ Verdienst, betont er. „Aber es ist nicht so, dass wir überrascht werden. Es gibt natürlich bereits Überlegungen über einen möglichen Nachfolger.“

Das Zelt auf dem Frühlingsfest dürfte Krätz übrigens auch nicht mehr führen. Allerdings ist die Lage dort vier Wochen vor dem Beginn unklar. Der Schaustellerverein organisiert das Fest, Chef Edmund Radlinger war gestern nicht zu erreichen.

Auch das Rennen ums Hippodrom geht in die letzte Runde. Da wird schon fleißig an der Architektur für mögliche Nachfolge-Zelte getüftelt. „Es gibt ein paar Kandidaten, die angefragt haben“, sagt Klaus Bieringer, Chef der Zeltbaufirma Deuter. Dass der Nachfolger das alte Zelt von Krätz kauft oder mietet, ist unwahrscheinlich. Es hat bereits über 20 Auf- und Abbauten auf dem Buckel. Aus Reihen von Krätz hört man den Wunsch: Zumindest das Hippo solle auf der Wiesn bleiben, wenn schon er gehen müsse. Er wäre offenbar zu Verhandlungen mit bereit.

Wirte: Die Könige der Wiesn

Die Könige der Wiesn

Ein neues Zelt kostet mehrere Millionen Euro. Und eines wie das Hippodrom, das wenig Fläche hat und daher in die Höhe gebaut wird, kostet besonders viel. Lorenz Stiftl (49) („Zum Spöckmeier“) hat dafür vorgesorgt: Gemeinsam mit den Mitbewerbern Jürgen Lochbihler („Zum Pschorr“) und Karlheinz Reindl von der Firma Rubenbauer (Bahnhofsgaststätten) hat er ein Zelt in Auftrag gegeben. Und wer Ende April den Zuschlag von der Stadt für das große Zelt bekommt, zahlt die anderen aus.

Wie der zweite groß gehandelte Kandidat Sigi Able („Eiszauber am Stachus“, Seebiergarten Lerchenau) im Falle des Falles vorgehen würde, ist unklar. Er hält sich sehr bedeckt. Er soll sich heuer aber nur fürs Hippo und nicht für sein kleines Zelt Kalbskuchl beworben haben. Es heißt: Solch ein Risiko geht nur einer ein, der siegesicher ist.

DAC, NBA, DO

 

Diese drei wollen sein Zelt haben

- Siegfried Able gilt als Top-Favorit für das Hippodrom

- Auf der Liste: Jürgen Lochbihler (Pschorr) und Lorenz Stiftl (Spöckmeier, Schwan im Deutschen Theater)

Tweets vom Prozess

Ann-Kathrin Gerke, Reporterin des Münchner Merkur, twittert vom Prozess:

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