Wer kommtnach Krätz?

Hippodrom: Das planen die möglichen Nachfolger

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Lorenz Stiftl (l.) und Siegfried Able (r.) gelten als die aussichtsreichsten Kandidaten auf eine mögliche Nachfolge von Sepp Krätz.

München - Verliert Sepp Krätz das Hippodrom, dürfte auch das Zelt Geschichte sein. Wie die Pläne seiner potentiellen Nachfolger Lorenz Stiftl und Siegfried Able aussehen könnten.

Seine Steueraffäre kann Sepp Krätz (59) auch die Konzession und die Zulassung als Wiesn-Wirt (Hippodrom) kosten. Das Urteil für die 1,1-Millionen-Hinterziehung gibt’s am 28. März, vier Wochen später entscheidet der Stadtrat über die Oktoberfest-Zulassungen. 20 Gastronomen haben sich für eine Zelt-Nachfolge beworben, laut tz-Infos läuft alles auf ein Stechen zwischen Lorenz Stiftl (u. a. Zum Spöckmeier) und Siegfried Able (u. a. Kalbskuchl) raus. Wirts-Erfahrung haben beide – jetzt wird wohl das Konzept entscheiden, wer den Zuschlag bekommen könnte. Wirtesprecher Toni Roiderer hofft, dass sich auch mit einem neuen Wirt wenig ändert: „Fair wäre, wenn der Nachfolger Krätz das Zelt abkauft und auch den Namen – den hat Krätz nämlich schützen lassen. Damit wäre ihm finanziell geholfen, und der Nachfolger hätte ein Zelt mit gutem Ruf und langer Tradition.“ Doch das könnte schwierig werden. Laut tz-Infos rentiert es sich kaum, Krätz das in die Jahre gekommene Zelt abzukaufen – dann wäre mit seinem Aus auch das Hippodrom Geschichte. Wie die Pläne der Nachfolger aussehen könnten:

Lorenz Stiftl: Zelt schon in Planung

Er mischt im Kampf ums Hippodrom ganz vorne mit: Lorenz Stiftl (49), Wirt im Restaurant Zum Spöckmeier und des kleinen Wiesn-Zelts Zum Stifl. Für den Fall der Zusage hat er schon mal vorgesorgt: Gemeinsam mit den Mitbewerbern Jürgen Lochbihler (Wirt vom Zum Pschorr) und Karlheinz Reindl von der Firma Rubenbauer (Bahnhofsgaststätten) hat er die Zeltfirma Deuter bereits mit dem Bau eines neuen Zeltes beauftragt. Der Deal: Wer Ende April den Zuschlag von der Stadt für das große Zelt bekommt, zahlt die anderen aus – so wird Zeit gespart.

Wiesn-Wirt Sepp Krätz bangt um sein Zelt.

Insider rechnen Lorenz Stiftl auf jeden Fall große Chancen aus: Er ist als Gastronom sehr erfahren, führt seit 2009 die Traditionsgaststätte Spöckmeier am Marienplatz und eröffnete im Februar sein zweites Münchner Lokal, den Schwan im neuen Deutschen Theater – auch hier setzte er sich unter 20 Bewerbern durch. Klar ist schon jetzt: Ein Promi-Zelt würde es unter seiner Führung nicht geben. Laut tz-Informationen plant er für die Wiesn ein bürgerliches Zelt für das breite Publikum. Für Stiftl zählen vor allem Tradition und Bodenständigkeit. Als kleiner Bub musste er in der elterlichen Dorfwirtschaft in Rockolding (Lkr. Pfaffenhofen) mithelfen, heute leitet er mit seinen Söhnen die Stiftl GmbH mit 200 Angestellten. Zum Unternehmen gehören zudem das Stiftl-Village im Ingolstadt Outlet Center und ein Catering-Service, außerdem bewirtet Stiftl den Audi Sportpark des Fußball-Zweitligisten FC Ingolstadt.

Sollte ihm die Stadt die Zulassung für ein großes Zelt geben, muss der Wirt sein kleines Zelt abgeben – jeder Gastronom kann sich zwar für mehrere Betriebe bewerben, aber nur für einen zugelassen werden.

Siegfried Able: Für Überraschung gut

Siegfried Able (49) hat sich ebenfalls für ein großes Zelt beworben – auch seine Chancen stehen gut. Der gebürtige Münchner hat ebenfalls Wiesn-Erfahrung: Seit 2008 führt er die Kalbskuchl auf der Wiesn (müsste er im Falle einer Zusage ebenfalls aufgeben). Ables Pluspunkte: Er ist gewitzt und geht mit der Zeit. Bestes Beispiel: sein Biergarten am Lerchenauer See. 2011 kaufte er das 4000-Quadratmeter-Areal und setzte die Almhütten darauf, die im Winter als Glühweinstadl bei seinem Münchner Eiszauber am Stachus stehen (den führt er seit 2002). Dazu kamen rustikale Tische und Bänke mit Blumenschmuck – fertig war das See-Idyll mit Almzauber.

Für die Wiesn könnte Able ebenfalls mit einem peppigen Konzept überraschen. Schon zuvor hat er bei der Stadt eine Bewerbung für ein großes Wiesn-Zelt eingereicht. Wie ein solches Zelt genau aussehen würde, bliebe abzuwarten. Auf jeden Fall kann Able auch beim schickeren Wiesn-Publikum punkten. Im vergangenen Jahr servierte er in seiner Kalbskuchl zum Beispiel Trüffelfleischpflanzerl (20,50 Euro) und Champagner. Wenn das mal kein Hippodrom-Ansatz ist …

Siegfried Ables Karriere begann 1982 – da stieg er beim Sechstage-Rennen in der Olympiahalle mit einem Gastronomie-Geschäft ein. Mittlerweile führt der Gastronom auch einige Betriebe im Hauptbahnhof, im Stachus-Untergeschoss und im Tierpark Hellabrunn. Auch mit Großveranstaltungen kennt er sich gut aus. Able bewirtete etwa die Gäste bei den BMW Open 2008 (Tennis) und beim Public Vie­wing der Fußball-Weltmeisterschaft im Jahr 2006 auf der Theresienwiese.

Christina Meyer

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