Krätz' Ehefrau hat Chancen

Wer wird Hippodrom-Wirt auf dem Frühlingsfest?

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Zukunft ungewiss: Das Hippodrom gehört Sepp Krätz, doch die Stadt will ihn nicht mehr Wirt sein lassen.

München - Drei Wochen vor Beginn des Frühlingsfests steht fest: Das Hippodrom wird bei der kleinen Oktoberfest-Ausgabe dabei sein. Die Frage ist nach der Veruteilung von Wiesn-Wirt Sepp Krätz nur mit welchem Wirt.

„Sepp Krätz und sein Team sorgen für ausgelassene Oktoberfest-Stimmung“: Mit diesen fröhlichen Worten wird auf dem offiziellen Internetportal der Landeshauptstadt für das Frühlingsfest geworben, das am 25. April auf der Theresienwiese beginnt. Doch die Realität sieht anders aus: Rund drei Wochen, bevor die kleine Volksfest-Schwester der Wiesn ihre Pforten öffnet, ist es sehr unwahrscheinlich, dass Wirt Sepp Krätz überhaupt dabei sein wird. Der Münchner Schaustellerverein, der das Fest veranstaltet, sagte am Dienstag auf Anfrage: „Das Hippodrom wird es auf alle Fälle geben – die Frage ist nur, mit welchem Wirt.“

Wie berichtet, hat das Kreisverwaltungsreferat (KVR) zwei Verwaltungsverfahren gegen Krätz eingeleitet. Referent Wilfried Blume-Beyerle zweifelt massiv an der Zuverlässigkeit des Gastronomen, der vergangene Woche wegen Steuerhinterziehung verurteilt wurde. Krätz hatte gestanden, im Hippodrom auf der Wiesn und im „Andechser am Dom“ mit schwarzen Kassen rund 1,1 Millionen Euro am Fiskus vorbei geschleust zu haben. Das Landgericht verurteilte ihn zu einem Jahr und zehn Monaten Haft auf Bewährung sowie einer Geldstrafe von 570 000 Euro. Die Stadt warf Krätz daraufhin sofort von der Wiesn.

Prozess gegen Wiesn-Wirt Krätz: Bilder aus dem Gerichtssaal

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Das KVR will ihm nun auch die Gaststätten-Konzession entziehen – und ihm die Genehmigung für das Frühlingsfest nicht erteilen. Beide Verfahren laufen. Noch bis zum Donnerstag hat Krätz Zeit, gegenüber der Stadt dazu Stellung zu nehmen: „Bislang ist bei uns keine Stellungnahme eingegangen“, sagte KVR-Sprecherin Daniela Schlegel am Dienstag. Es gelte aber nach wie vor: Wenn Krätz „keine neuen Fakten“ vorlegen könne, werde ihm die Konzession entzogen und die Erlaubnis fürs Frühlingsfest nicht erteilt. Die Entscheidung soll und muss schnell fallen, „damit Herr Krätz noch Zeit hätte, ein Eilverfahren vor dem Verwaltungsgericht anzustreben, falls er dagegen vorgehen will“, sagte Schlegel.

Hippodrom auf jeden Fall dabei

Für den Münchner Schaustellerverein, der das Frühlingsfest veranstaltet, ist die Situation rund drei Wochen vor Beginn „schwierig“, sagte Sprecherin Yvonne Heckel am Dienstag auf Anfrage. Das Hippodrom werde auf jeden Fall beim Frühlingsfest dabei sein: „Wer bereits einen Tisch reserviert hat, muss sich keine Sorgen machen.“ Wer jedoch im Zelt die Geschäfte führen wird, erfährt auch der Verein frühestens am Donnerstag. Auf der Internetseite wird noch Sepp Krätz als Wirt genannt: „Wir können die Seite erst aktualisieren, wenn wir wissen, wie es weitergeht“, erklärte Heckel.

Wird Krätz' Frau jetzt Hippodrom-Chefin?

Sepp Krätz hat das Hippodrom auf dem Frühlingsfest bislang zusammen mit seiner Frau Tina betrieben, beide haben sich auch dieses Jahr beworben. Sie könnte nun möglicherweise die Leitung übernehmen: „Wenn wir zu dem Schluss kommen, dass Herr Krätz nicht zuverlässig ist, gilt das nicht automatisch auch für seine Frau“, erklärte KVR-Sprecherin Schlegel. Es gibt zwei getrennte Entscheidungen für das Ehepaar. Sollte Krätz’ Frau die Genehmigung bekommen, will das KVR durch Auflagen sichern, dass Sepp Krätz selbst keinen Einfluss auf die Geschäfte nimmt.

Übrigens: Die Krätz-Werbung auf dem Stadtportal wird bleiben, bis eine Entscheidung über Krätz’ Zukunft gefallen ist. Die für die Inhalte zuständige Firma erklärte, es handele sich dabei um eine lange vor dem Steuerprozess gebuchte Anzeige.

A. Gerke

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