„Er war das Herz und die Seele“

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Der Gasthof Hinterbrühl am See war Wildmosers "Ein und Alles".

Thalkirchen - Die Nachricht vom Tod ihres Chefs schockierte am Mittwoch auch die Beschäftigten des Wildmoser-Gasthofs Hinterbrühl am See.

Nur Stunden nach dem Schockanruf von Wildmosers Ehefrau Therese besuchte die tz dessen Wirtshaus in Thalkirchen. Einige der sonst so fröhlichen Bedienungen servieren mit Tränen in den Augen. Tisch 108 direkt neben dem Eingang ist „reserviert“, doch Wildmosers Stammplatz bleibt unbesetzt. Von hier aus begrüßte der Wirt aus Leidenschaft täglich seine Gäste persönlich. Immer wieder blicken Stammkunden und Kellner an diesem bewölkten Vormittag gedankenversunken auf Wildmosers leeren Stuhl.

„Noch am Montag hat er angerufen und sich nach dem Geschäft erkundigt“, sagt Betriebsleiterin Adriana Babicova sichtlich mitgenommen. „Er hat uns noch getröstet, dass er bald wiederkommt.“ Stellvertreter Predrag Naimarevic muss ihr zur Seite stehen. „Er wollte sichergehen, dass alles läuft, dass wir für die Gäste da sind, das hat ihn beruhigt. Hinterbrühl war sein Baby, sein Zuhause.“

Karl-Heinz Wildmoser: Sein Leben in Bildern

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Der Betrieb läuft zwar derzeit weiter, an Normalität ist jedoch nicht zu denken – sowohl unter den Mitarbeitern als auch den Stammgästen. „Er war so ein toller Chef, er stand immer hinter uns, er war das Herz und die Seele dieses Ladens“, erzählt Babicova, und kann dabei sogar lächeln. „Ein so herzlicher, charismatischer Mensch.“ Wildmosers Stammgäste müssen die Nachricht ebenfalls noch verdauen. „Noch am Wochenende hieß es, dass er aus dem Krankenhaus kommt. Wir dachten, jetzt schauen wir mal, ob er schon wieder da sitzt“, sagt Stammkundin Johanna M. (76). Maria M. (63) pflichtet ihr bei: „Wir können’s einfach nicht fassen“.

Jeden Mittwoch seit 20 Jahren kommen die Frauen mit ihrem Freund Otto H. (81) nach Hinterbrühl. Für sie ist klar: „Ohne ihn wird’s schwierig, er war der Fels in der Brandung.“ So sieht es auch Wildmosers treuester Mitarbeiter, Kellner Evangelos Tseprailidis. Wird er fehlen? „Mir schon“, bringt der Kellner noch über die Lippen, dann versagt ihm die Stimme. Mit Karl-Heinz Wildmoser stirbt auch ein Stück Münchner Gaststättenkultur.

Neben dem Gasthof Hinterbrühl betrieb der 71-Jährige seit 1981 auch die Hühner- und Entenbraterei auf dem Oktoberfest und das Donisl am Marienplatz. Dort wollte man am Mittwoch zum Tod des Chefs nichts sagen. Mit den Kellnern habe noch niemand gesprochen. In den nächsten Tagen wollen die Mitarbeiter beraten, wie es weitergehen soll. Für Hinterbrühl-Geschäftsführerin Adriana Babicova ist jedoch klar: „Es war sein Wunsch, dass es weitergeht, egal, was passiert. Also machen wir weiter – so, als wäre er hier.“

ISP/PV

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