Zehn Wiesn-Mitarbeiter in Pfarrwohnung

Die himmlische Bedienungs-WG

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Morgens geht’s bei den Bedienungen hektisch zu

München - Anni, Rita, Richard und Martin arbeiten auf der Wiesn. Während der anstrengenden Zeit bekommen sie himmlischen Beistand, denn sie bewohnen solange eine Pfarrwohnung.

Wenn über der Wiesn Wolken aufziehen, dann gehen die Biergarten-Bedienungen vom Schottenhamelzelt zu ihren Kollegen Anni (62), Rita (39), Richard (42), Martin (31) und Lorenz (34). Denn die Bedienungen vom Zeltbalkon haben einen direkten Draht nach oben zum Wettergott. Sie wohnen während der Wiesn im Pfarrhaus von Heilig Geist direkt am Viktualienmarkt. Eine himmlische Bedienungs-WG!

150 Quadratmeter, fünf Zimmer und ein wundervoller Blick über die Dächer der Marktstandl. Hier wohnen derzeit zehn Bedienungen: die fünf vom Balkon, drei vom Schottenhamel-Biergarten und zwei Kollegen aus dem Hackerzelt. Diese Traumimmobilie haben sie Pfarrer Rainer Maria Schießler zu verdanken, der selbst bis vergangenes Jahr sieben Jahre lang im Schottenhamel-Garten gekellnert hat und neben seiner Gemeinde St. Maximilian auch übergangsweise Heilig Geist betreut.

„Die Pfarr-wohnung steht ohnehin zurzeit leer“, sagt Schießler. „Und ich weiß selbst, dass Bedienungen nach einem 14-Stunden-Tag nicht noch weit bis zur Wohnung fahren können. Außerdem will ich ein Zeichen setzen gegen die Abzocker, die bis zu 50 Euro pro Nacht von den Bedienungen für ein Zimmer verlangen.“ Seit 2006 vergibt er Quartiere im Pfarrhaus von St. Maximilian und mittlerweile auch in Heilig Geist. Geld verlangt er nicht. Die Bedienungen geben ihm freiwillig Spenden, die bedürftigen Münchnern zugute kommen.

Das Geld gibt Anni W. gerne. Die Landwirtin ist 18 Jahre lang täglich von ihrer Heimat in der Holledau mit dem Auto zur Wiesn gependelt. „Das war unglaublich anstrengend. Und nicht ungefährlich, so todmüde am Steuer!“ Jetzt ist sie mit der U-Bahn in einer Viertelstunde am Arbeitsplatz.

Mit der WG hat die 62-jährige auch eine Wiesn-Familie dazugewonnen. Die Männer nennen sie „WG-Mutti“ – und die macht dem Namen alle Ehre: Jeden Tag müssen alle Mitbewohner eine frische Scheibe Ingwer essen, um einer Erkältung vorzubeugen. Vergangenen Donnerstag hat sie eine abendliche Ausgangsperre für die Männer verhängt, das Stammlokal um die Ecke war tabu. Stattdessen gab’s Tee und eine Mütze Schlaf. Kraft tanken fürs anstrengende Wochenende.

So lebt es sich in der himmlischen Bedienungs-WG

So lebt es sich in der himmlischen Bedienungs-WG

Es ist kein Wunder, dass die Bedienungen vom Schottenhamel-Balkon so harmonisch zusammenwohnen: Lorenz ist der Sohn von Anni, und Richard ist der Bruder von Rita. Alle kennen sich schon länger – sie wohnen in der Holledau nur wenige Kilometer voneinander entfernt. Am Tag vor dem Wiesn-Anstich ging es in einem gemieten Bus gemeinsam nach München. Im Gepäck: jede Menge abgepackten Wurst und Käse, Fertigkaffee und Toastbrot. Außerdem zwei Wäscheständer und fünf Matratzen – denn ihre Wiesn-Wohnung im Pfarrhaus ist komplett unmöbliert.

Not macht erfinderisch: Die zwei Damen haben in ihrem Zimmer einen Bettbezug als Vorhang vors Fenster gehängt. Die drei Männer schlafen zu dritt in einem Zelt und haben ein altes Bettgestell als Schrank umfunktioniert. Mehr brauchen die WG-Bewohner nicht, sie kommen eh nur zum Schlafen und Essen her. Dass es nur zwei Bäder für zehn Bewohner gibt, stellt kein Problem dar, da alle zu unterschiedlichen Zeiten auf der Wiesn anfangen.

„Wir verstehen uns super“, erzählt Martin, der im normalen Leben Elektromeister bei einer Hopfenfirma ist. „Damit das so bleibt, benutzen wir alle Oropax in der Nacht, um das Schnarchen des anderen nicht zu hören …“

Der Schlaf ist nämlich heilig: Denn mehr als sechs, sieben Stunden sind nicht drin, um Kraft für den nächsten, harten Arbeitstag zu tanken.

Verschlafen können die fünf nicht, sagt Martin: „Die Kirchenglocken sind ja gleich nebenan, die läuten uns schon raus!“

Nina Bautz

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